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Mario Gomez wurde in Deutschland 2007 zum Fußballer des Jahres gewählt © imago

Der Stürmer ist unzufrieden. Er zwingt sich, ruhig zu bleiben, weil das besser für die Mannschaft sei. Aber in ihm brodelt es.

Von Daniel Rathjen

München - Meist passiert es gegen Ende der zweiten Hälfte eines Spiels.

Mario Gomez wird eingewechselt.

Er läuft sich frei, denn schnell ist er. Er fordert den Ball, bekommt ihn - und stolpert.

Ob beim FC Bayern oder bei der Nationalmannschaft: Die Szenen ähneln sich. Der 24-Jährige braucht für sein Spiel Selbstvertrauen. Doch genau das fehlt ihm momentan.

Hinzu kommt der Druck der Öffentlichkeit, die Last von 35 Millionen Euro Ablöse und die Erwartungshaltung seiner Bosse.

"Von mir wird erwartet, dass ich so spiele und treffe wie zu meinen besten Zeiten. Diese Leistung kann ich aber nur bringen, wenn ich Spielpraxis sammeln kann", erklärt Gomez in einem "kicker"-Interview.

Nächstes Jahr entscheidend

Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger nahm den Ex-Stuttgarter schon in die Pflicht.

"Nächstes Jahr wird für ihn ein sehr entscheidendes Jahr. Er steht jetzt im Fokus, da muss etwas kommen", hatte er gefordert.

Es kommt einer Drohung gleich, die am Ende nur eine Option übrig lässt: Schafft es Gomez nicht, in seiner zweiten Saison in München zu glänzen, kann er sich wieder nach einem neuen Verein umsehen.

Kampfansage Richtung van Gaal

Noch gibt sich der Angreifer, der in der abgelaufenen Saison zehn Ligatore erzielte, kämpferisch.

"Ich will dem Trainer zeigen, dass er auf mich setzen kann. Ich brauche mich vor keinem zu verstecken, der da ist", sagt er zu seiner Zukunft beim Rekordmeister.

Dass ihn Louis van Gaal nach seinem starken Start mit drei Toren nach fünf Spielen aus der Mannschaft nahm, stößt ihm immer noch sauer auf.

"Da wusste ich zwei Wochen nicht mehr, wo rechts und links ist, weil ich all das nicht verstanden habe", blickt er zurück.

Heute sei er sicher, dass er viel mehr Tore geschossen hätte, wenn er nicht auf der Bank gelandet wäre.

"Ich mache Tore und mir gelingen Dinge, wenn ich Selbstvertrauen habe. Habe ich das nicht, sieht es manchmal unbeholfen bei mir aus", gesteht Gomez sich ein.

"Genauso gut wie die anderen"

Seine Situation lässt sich eins zu eins auf die Nationalmannschaft übertragen. Auch dort gibt es im Sturm nur einen Platz.

Gegen Ghana hatte Gomez fest mit einer Chance in der Startelf gerechnet. Doch Bundestrainer Joachim Löw schenkte dem Stuttgarter Cacau das Vertrauen.

"Es war jeden Tag im Training zu sehen, dass ich genauso gut bin wie die anderen, die vorne spielen. Und dann wechselt der Trainer nicht mich als ersten Stürmer ein, sondern Cacau", hadert er.

Eine Spur Neid klingt in seinen Aussagen mit - auch wenn er über seinen Teamkollegen Miroslav Klose spricht.

"Bei ihm lief es in der Vorbereitung auf die WM auch nicht so gut. Bei ihm wurde das rauf- und runter diskutiert, er bekam aber die Spiele, es hieß, irgendwann wird es klappen bei ihm. Ein superschönes Gefühl für ihn, dass er gebracht und nicht fallen gelassen wird."

Hoffnung auf Besserung

Trotz seiner Unzufriedenheit akzeptiert Gomez jedoch die Entscheidungen des Trainers und bleibt ruhig.

"Ich habe im letzten Jahr oft betont, wie wichtig ein gutes Team für den Erfolg ist. Deshalb werde ich nichts tun, dass dieser gute Geist kaputtgeht und in jedem Training mein Bestes anbieten."

Ansonsten könne er nur hoffen, dass er wieder gebraucht werde.

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