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Müller, Podolski und Özil (v.l.n.r.) gekommen gemeinsam bereits auf zwölf Scorerpunkte © imago

Thomas Müller, Mesut Özil und Lukas Podolski begeistern bei der WM sogar Pele. Sechs Treffer haben sie schon erzielt.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion/Kapstadt - Die spanische Sportzeitung "Marca" war schon nach dem ersten deutschen Gruppenspiel gegen Australien (4:0) begeistert gewesen.

"Deutschland erfindet sich neu: Diese Mannschaft spielt Fußball mit der Violine", schwärmte das Blatt.

"Die neuen Talente Mesut Özil und Thomas Müller glänzten, Lukas Podolski scheint gänzlich feuerfest zu sein."

Andere brauchten länger, um die Stärke der offensiven deutschen Mittelfeldreihe mitzubekommen. Die Engländer etwa, die das beim 1:4 im WM-Achtelfinale teuer bezahlten.

Müller schon mit sechs Scorerpunkten

Müller hat nach vier Einsätzen in Südafrika schon drei Treffer und drei Torvorlagen auf dem Konto.

Özil legte zwei Tore auf und erzielte auf spektakuläre Weise das enorm wichtige 1:0 gegen Ghana.

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Podolski schließlich kommt auf zwei Treffer und einen Assist. Lediglich der verschossene Elfmeter gegen Serbien trübt seine Bilanz.

"Jeder weiß, was er zu tun hat"

"Bei uns dreien passt es so gut, weil wir auch außerhalb des Platzes sehr gut miteinander klarkommen", sagt Mesut Özil im Gespräch mit SPORT1.

"Wir haben im Training viele Passformen geübt. Jetzt verstehen wir uns blind. Jeder weiß, was er zu tun hat. Deswegen spielen wir so stark zusammen."

Inzwischen wird die deutsche Mannschaft aus berufenem Munde für ihr Offensivspektakel gepriesen.

Pele ist angetan

"Es macht Spaß, ihr zuzusehen", erklärte Brasiliens Fußballidol Pele im Monatsmagazin "11 Freunde". "Man sieht, dass sich etwas im deutschen Fußball getan hat."

Schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren habe die DFB-Auswahl "zwischenzeitlich richtig schönen Offensivfußball" geboten.

"Mesut Özil oder dieser Müller von Bayern, das sind Spieler wie früher Overath oder Littbarski", lobte der dreimalige Weltmeister.

"Die können dribbeln, tödliche Pässe spielen, überraschende Momente kreieren."

Sprintstarker Podolski

Podolski bereichert die Offensivreihe um das Element der Dynamik. Die 31,5 km/h, mit denen der Kölner in Südafrika "geblitzt" wurde, stellen sogar die Spitzengeschwindigkeiten von Gonzalo Higuian (30,9), Lionel Messi (28,7) und Özil (28,3) in den Schatten.

Seine beiden Tore erzielte der Kölner passend dazu wuchtig per Vollspann .

"Im Verein war es für ihn manchmal schwierig, aber in der Nationalmannschaft hat Lukas immer seine Leistung gebracht", urteilte Bastian Schweinsteiger.

Nach Podolskis Strafstoß-Fehlschuss in Port Elizabeth ließ daher auch Bundestrainer Joachim Löw Milde walten:

"Ich will Spieler, die Verantwortung übernehmen. Lukas hat das getan."

Argentinien über außen zu knacken

Und zwar schon in der wichtigen Frühphase des Turniers, wie sein 1:0 gegen Australien belegt 256033(DIASHOW: So schön jubelt Deutschland).

Oliver Kahn glaubt, dass es nun im Viertelfinale gegen Argentinien (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) besonders auf Müller uns Podolski ankommen wird.

"Wenn die deutsche Mannschaft diesen Gegner über außen mit schnellem Spiel unter Druck setzt, kommt er ins Schwimmen", prognostizierte der ehemalige Welttorhüter im "kicker".

Maradona kennt Müller nun

Sollte Müller auch gegen die Südamerikaner entscheidenden Einfluss auf die Partie haben, wird ihn Diego Maradona nicht wie noch nach dem Testspiel im März (0:1) vom Podium der Pressekonferenz scheuchen.

Damals hatte der argentinische Coach den Länderspieldebütanten für einen Fan gehalten, der hinter den Mikrofonen nichts zu suchen hatte.

Kahn offenbart derweil den Zwiespalt, in dem viele stecken, die die Leistung der deutschen Nationalmannschaft beurteilen.

Kahn zwischen Sorge und Hoffnung

"Es geht mir einfach zu schnell, wie junge Spieler wie Özil oder auch Müller in schwindelerregende Höhen gelobt werden", sagte er einerseits.

Andererseits hegt er die Hoffnung, dass sich diese Spieler möglichst noch ein Weilchen in diesen Höhen halten können:

"Die Jungs sollten, wie die gesamte Mannschaft, hier in Südafrika weiter auf dieser Euphoriewelle schwimmen. Wie ein Surfer sollten sie die Welle so lange wie möglich nutzen. Vielleicht spült sie das Team sogar bis ins Finale."

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