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Mesut Özil (2.v.l.) bestritt bisher 14 Länderspiele und erzielte dabei zwei Tore © getty

Mesut Özil spricht im SPORT1-Interview über seine Rolle, Messi, Maradona, gegnerische Provokationen und den FC Barcelona.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Kapstadt - Mesut Özil hat sich bei der WM ins Rampenlicht gespielt.

In Südafrika zählt der Bremer zu den Shootingstars, sogar der große Pele schwärmt von den Fähigkeiten des Bremers.

"Ich fühle ich mich sehr geehrt, wenn solche Persönlichkeiten mich loben", sagt der 21-Jährige. "Es zeigt, dass ich für mein hartes Training belohnt werde."

Im SPORT1-Interview vor dem Viertelfinale gegen Argentinien (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Özil über seine Rolle, Lionel Messi, Diego Maradona, gegnerische Provokationen, ein mögliches Elfmeterschießen und das Interesse des FC Barcelona.

SPORT1: Herr Özil, die Begegnungen der deutschen Nationalmannschaft mit Argentinien waren meistens enge Angelegenheiten. Wie blicken Sie dem Spiel am Samstag entgegen?

Özil: Ich bin guter Dinge. Wir sind sehr gut drauf und haben viel Spaß. Wir wissen, dass Argentinien eine sehr starke Mannschaft mit Weltklassespielern hat. Aber wenn wir wie gegen England spielen, unsere Torchancen ausnutzen und hinten gut stehen, dann gewinnen wir das Spiel. Ich denke auch, dass Argentinien Respekt vor uns hat.

SPORT1: Bastian Schweinsteiger hat davor gewarnt, dass es auf dem Platz etwas nickeliger zugehen könnte.

Özil: Davon gehe ich auch aus. Die Argentinier gehen hart zur Sache, aber wir haben keine Angst. Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen. Ich glaube daran, dass wir das schaffen.

SPORT1: Sie werden sicher einiges auf die Hölzer bekommen. Wie bleiben Sie cool?

Özil: In der Bundesliga gehen meine Gegenspieler ja auch manchmal hart rein. Aber es spielt keine Rolle, wenn man mal grob gefoult wird. Ich lächle dann, stehe wieder auf und spiele mein Spiel weiter.

SPORT1: Ihr Gegenspieler in Kapstadt wird Javier Mascherano sein, einer der besten Sechser der Welt. Haben Sie sich schon ein Bild davon gemacht, wie der spielt?

Özil: Nein, ich schaue nur auf mich und unsere Mannschaft. Mir ist egal, wer mein Gegner ist. Ich will mich auf jeden Fall durchsetzen. Ich weiß, was ich kann. Viele Gegenspieler haben Respekt vor mir. Deshalb mache ich mir darum keine Gedanken.

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SPORT1: Mascherano ist der Chefzulieferer für Lionel Messi. Sie werden in der Defensive sicher verstärkt gefragt sein, Zuspiele auf Messi zu verhindern. Ist das ein Problem?

Özil: Nicht wirklich, heutzutage geht es nicht anders. Ich muss auch meine Defensivarbeit machen. Das klappt bislang sehr gut. Ich bin zuversichtlich, dass das auch gegen die Argentinier klappt. Aber sie haben ja nicht nur Messi in der Offensive, sondern auch Carlos Tevez oder Gonzalo Higuain. Wir müssen auf alle aufpassen.

SPORT1: Sie sind aber alle vier sehr quirlig. Haben Sie Bedenken, dass das vielleicht nicht zu Arne Friedrich und Per Mertesacker passen könnte, die größer und weniger wendig sind?

Özil: Nein, da mache ich mir keine Sorgen. Per und Arne haben bis jetzt ein gutes Turnier gespielt. Wir haben hinten kaum etwas zugelassen und wenige Gegentore bekommen. Per und Arne haben genug Erfahrung. Die wissen schon, was zu tun ist, egal ob Messi, Higuain, Tevez oder di Maria kommt.

SPORT1: In Bremen werden Sie selbst "Messi" gerufen. Wie kam's dazu?

Özil: Das kam in erster Linie durch meinen Vornamen. Viele nennen mich deshalb Mes oder eben Messi. Das war schon auf Schalke so. Damals kannte ich Lionel Messi zwar schon, er hat aber noch nicht so stark gespielt bei Barca. Was er inzwischen erreicht hat in jungen Jahren - da kann ich nur sagen: Hut ab!

SPORT1: Sie werden nach Ihrer bisherigen Vorstellung in Südafrika als WM-Entdeckung gefeiert. Sehen Sie sich auf einem guten Weg in die Kategorie Messi?

Özil: Ich will in erster Linie meine Leistung bringen. Alles andere kommt sowieso von alleine.

SPORT1: Pele hat Thomas Müller und Sie mit Wolfgang Overath und Pierre Littbarski verglichen. Was bedeutet Ihnen das?

Özil: Ich fühle ich mich sehr geehrt, wenn solche Persönlichkeiten mich loben. Es zeigt, dass ich für mein hartes Training belohnt werde. Overath und Littbarski haben aber vor meiner Zeit gespielt, deshalb kann ich zu dem Vergleich selbst wenig sagen.

SPORT1: Auch Diego Maradona hat seinen sportlichen Höhepunkt vor Ihrer Zeit erlebt. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie er als Spieler war oder jetzt als Trainer ist?

Özil: Es gibt ja youtube. Da habe ich seinen Namen eingegeben und dann gesehen, dass er sehr viele sensationelle Tore geschossen hat. Er ist so ein Typ, der immer gewinnen, immer erfolgreich spielen will. Er fiebert hier am Platzrand ja das ganze Spiel lang mit. Er feiert jedes Tor, egal, ob es schon 4:1 oder 5:1 steht. Daran sieht man, dass er mit Leidenschaft dabei ist. Mein Idol war er aber nicht, das war Zinedine Zidane.

SPORT1: Gerade gegen England war Ihr Zusammenspiel mit Müller und Lukas Podolski überragend. Was ist das Erfolgsrezept?

Özil: Das passt so gut, weil wir auch außerhalb des Platzes sehr gut miteinander klarkommen. Wir haben im Training viele Passformen geübt. Jetzt verstehen wir uns blind. Jeder weiß, was er zu tun hat. Deswegen spielen wir so stark zusammen.

SPORT1: Entscheiden Sie intuitiv, wann Sie aus dem strengen taktischen Korsett ausscheren und kreativ werden?

Özil: Das Wichtigste ist, dass erstmal hinten die Null steht. Wenn ich dann im Vorwärtsgang den Ball habe, besitze ich alle Freiheiten, die ich brauche. Die Mannschaft und der Trainer unterstützen mich dabei. Wenn ich genügend Pässe bekomme, kann ich mein Potenzial abrufen.

SPORT1: Beim letzten WM-Viertelfinale gegen Argentinien ging es ins Elfmeterschießen. Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger sind als Schützen sicher vorgesehen. Stehen Sie auch auf der Liste?

Özil: Ich denke schon. Davor habe ich auch keine Angst. Wenn es sein muss, gehe ich eben zum Punkt.

SPORT1: Die "Sport" aus Barcelona schreibt, Ihr Traumverein Barca habe die konkrete Absicht, Sie zu verpflichten. Bleibt es bei der Ansage, dass Sie noch ein Jahr in Bremen bleiben?

Özil: Ich habe davon bislang auch nur gelesen. Ich habe ja noch einen Vertrag bis 2011 bei Werder. Und im Moment konzentriere ich mich nur auf die WM.

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