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So soll es im Idealfall wieder sein: Mertesacker im WM-Viertelfinale 2006 vor Tevez (vorn) © getty

Herkulesaufgabe Argentinien: Sport1 nennt sechs Faktoren, die über Wohl und Wehe des DFB-Teams im WM-Viertelfinale entscheiden.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Kapstadt - Die deutsche Nationalmannschaft erwartet am Nachmittag im Green Point Stadium von Kapstadt eine Herkulesaufgabe (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Viertelfinalgegner Argentinien hat bei der WM bislang sämtliche vier Partien gewonnen, stellt mit zehn Treffern die gefährlichste Offensive, aus der Weltfußballer Lionel Messi mit vier Torvorlagen und Gonzalo Higuain mit vier Treffern herausragen.

SPORT1 nennt sechs Faktoren, die darüber entscheiden werden, ob die DFB-Auswahl die "Albiceleste" ins Wanken bringen kann.

Nicht provozieren lassen

Christoph Metzelder erinnert sich noch gut an 2006.

"Ob es zum Beispiel Härte oder der Versuch der Beeinflussung des Schiedsrichters ist: Die Argentinier gehen in einem Spiel in jedem Fall an die Grenzen und arbeiten mit allen Mitteln", sagt der Neu-Schalker im SPORT1-Interview.

"Das muss man wissen und sich darauf einstellen." (zum Interview: "Die Argentinier arbeiten mit allen Mitteln")

Bastian Schweinsteiger hatte schon am Mittwoch auf diese Problematik hingewiesen. "Es ist nicht immer leicht, sich in der einen oder anderen Situation zurückzuhalten", hatte er eingeräumt.

"Aber man muss bedenken, dass wir sieben Spieler haben, die mit einer Gelben Karte vorbelastet sind. Da gilt es, die Ruhe zu bewahren."

Messi aus dem Spiel nehmen

Aliaksandr Hleb hat mit Messi ein Jahr in Barcelona zusammengespielt und dabei Folgendes festgestellt:

"Leo mag es nicht, wenn man ihn doppelt. Dann wird es schwierig für ihn, die Räume zu finden. Für seine Tempo-Dribblings braucht er Platz."

Auch Philipp Lahm hatte in der "Sport-Bild" ein Rezept gegen den Weltfußballer parat.

"Man muss gegen Messi instinktiv spielen und wissen, wann man ihn bei der Ballannahme attackiert, wann man Tempo aufnimmt und wann man ihn nach außen abdrängt oder nur mitläuft", meint der deutsche Kapitän.

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"Aufgrund seiner unglaublichen Fähigkeiten ist jeder Zweikampf eine Herausforderung."

Pässe in die Spitze unterbinden

Da Messi selbst so schwer zu stoppen ist, wenn er erst einmal am Ball ist, gilt es, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

"In der Champions League hat Inter Mailand gegen Barcelona demonstriert, wie man Messi erfolgreich aus dem Spiel nimmt", sagt Franz Beckenbauer.

"Man muss ihn isolieren, die Pässe auf ihn verhindern. Da wird auf Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira einiges zukommen."

Auch Arne Friedrich mahnt dazu, "dass wir die Räume zwischen Mittelfeld und Abwehr möglichst gering halten".

Allerdings sind Javier Mascherano und - so er denn spielt - Juan Sebastian Veron erfahren genug, nicht durch übereilte Zuspiele Ballverluste zu riskieren.

"Sie können das Spiel sehr gut variieren", weiß auch Löw.

Die deutsche Mannschaft darf sich also nicht einschläfern lassen. Sie muss hellwach bleiben.

Höchste Konzentration in der Defensive

Gegen die quirligen argentinischen Angreifer Carlos Tevez und Gonzalo Higuain sowie den nachrückenden Messi wird es für die hoch aufgeschossenen Innenverteidiger Per Mertesacker und Arne Friedrich nicht einfach.

"Das passt nicht", befürchtet Lothar Matthäus im "kicker".

"Unsere Viererkette muss superkonzentriert arbeiten", fordert Beckenbauer daher.

Ex-Weltmeister Thomas Berthold sieht neben der Innenverteidigung noch eine weitere mögliche deutsche Schwachstelle.

"Wir haben auf der linken Seite Jerome Boateng, der hat keinen linken Fuß. Wenn da ein schneller Mann kommt, hast du ein Problem."

Druck auf die argentinische Innenverteidigung ausüben

Wenn Argentinien einen schwächeren Mannschaftsteil hat, dann ist es die Abwehr.

"Argentinien hat in der Defensive viele Probleme", meint Matthäus.

"Besonders mein Freund Martin Demichelis ist nicht in Topform; das hat sich in der Champions League und jetzt bei der WM bewiesen."

In der Tat hat der Münchner gegen Südkorea ein Gegentor verschuldet und sah auch bei Mexikos Treffer schlecht aus.

Spielt der angeschlagenen Walter Samuel, verfügt Argentinien aber über zwei zentrale Abwehrspieler, die in diesem Jahr im Champions-League-Finale standen.

Dennoch glaubt auch Franz Beckenbauer in der "Bild" an ihre Verwundbarkeit: "Miroslav Klose sollte früh attackieren gegen die wackligen Innenverteidiger, die schon im Achtelfinale gegen Mexiko einiges zuließen."

Eine weitere Option dürften Fernschüsse auf den nicht immer sicher wirkenden Keeper Sergio Romero von AZ Alkmaar sein.

Mit Tempo über außen kommen

Lukas Podolski ist fit, und das kann nur gut sein. Glaubt zumindest Oliver Kahn.

Denn Podolski soll wesentlich dazu beitragen, die argentinischen Außenverteidiger Nicolas Otamendi und Gabriel Heinze in die Bedrouille zu bringen.

"Vor allem Thomas Müller und Podolski sind hier gefordert", sagt Kahn. "Wenn sie über außen diesen Gegner mit schnellem Spiel unter Druck setzen, kommt er ins schwimmen."

Die Hoffnungen von Beckenbauer ruhen dabei in erster Linie auf Shooting-Star Müller: "Er kann auf der rechten Seite dem langsam gewordenen Heinze entwischen."

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