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Mesut Özil (l.) und Lukas Podolski können ihr Glück gar nicht fassen. © getty

Nach dem sensationellen 4:0-Erfolg im WM-Viertelfinale gegen Argentinien schwebt die deutsche Nationalelf auf Wolke sieben.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Kapstadt - Es war ein Spiel wie ein einziger Superlativ.

"Ich denke, Deutschland bebt gerade und das zu Recht. Das ist Wahnsinn, was hier abgelaufen ist", meinte Thomas Müller nach der rauschhaften Vorstellung der deutschen Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale von Kapstadt.

"Wenn man Argentinien hier 4:0 vom Platz fegt, muss man selbst erst mal nach Worten suchen. Wir spielen alle voll am Limit." Selbst Joachim Löw war von seinen Spielern uneingeschränkt begeistert 258536(DIASHOW: Bilder des Spiels).

"Was die Mannschaft heute an Willen gezeigt hat, war nicht nur internationales Niveau, sondern Champions-Niveau", sagte der Bundestrainer. "Wir sind unter den besten vier Mannschaften der Welt. So wie wir gespielt haben, gehören wir zu Recht dahin."

Am Mittwoch trifft die Crew von Bundestrainer Joachim Löw nun in Durban auf Spanien, das am Paraguay ausschaltete (der WM-Spielplan).

Den Spagat geschafft

Die deutsche Nationalmannschaft hatte gegen die favorisierten Argentinier den schwierigen Spagat zwischen der nötigen Defensivstärke und der Effizienz in der Vorwärtsbewegung geschafft.

Von sechs Schüssen, die aufs Tor von "Albiceleste"-Schlussmann Sergio Romero kamen, landeten zwei Drittel im Netz.

Dynamik und spielerische Eleganz veredelten den denkwürdigen Auftritt im Green Point Stadium 209269(DIASHOW: Klassiker Deutschland - Argentinien).

Angriffskünstler ausgeschaltet

"Wir haben es mit einer unglaublichen Defensivleistung geschafft, Lionel Messi, Carlos Tevez und Gonzalo Higuain fast zu eliminieren", stellte Löw nicht ohne Stolz fest.

"Nur zu Beginn der zweiten Halbzeit waren wir etwas unter Druck, aber die Mittelfeldspieler haben unglaubliche Wege gemacht. Mit welchen Tempogegenstößen wir die Argentinier dann ausgehebelt haben, war schon beeindruckend."

Müller hatte die DFB-Auswahl schon früh in Führung gebracht (3.), Miroslav Klose (68./88.) und Arne Friedrich (74.) schraubten das Resultat dann in eine im Vorfeld nicht für möglich gehaltene Höhe (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Klose nun mit Gerd Müller gleichauf

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Kloses Länderspieltore Nummer 51 und 52 im 100. Länderspiel ließen ihn in der ewigen WM-Torjägerlist auf Rang zwei vorstoßen.

Mit seinen 14 Treffern bei WM-Endrunden liegt er nun gleichauf mit Gerd Müller und nur noch ein Tor hinter Ronaldo.

"Wichtig ist nur die Mannschaft", spielte der Münchner diesen Umstand herunter. "Wenn ich?s mir aussuchen könnte, wäre ich lieber Weltmeister, als noch jemanden in dieser Rangliste zu überholen."

Merkel ist begeistert

Daran, dass der ganz große Wurf möglich ist, zweifelt nach der Gala von Kapstadt kaum noch jemand. Auch nicht Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin gratulierte nach dem Spiel jedem einzelnen Spieler in der Kabine.

"Es war einfach überwältigend. So etwas ist ein Traum", sagte sie.

"Jeder, der im Halbfinale steht, hat das Zeug, ins Finale zu kommen oder den Titel zu holen", richtete Kapitän Philipp Lahm den Blick schon auf die nächste Herausforderung.

Schweinsteigers breite Brust

"Wenn ich jetzt sagen würde, ich will nicht ins Finale, würde ich lügen", meinte auch der überragende Bastian Schweinsteiger, der nicht nur aufgrund seiner zwei Torvorlagen zum "Man of the Match" gekürt wurde.

"Wir haben in England und Argentinien zwei starke Mannschaften geschlagen und sind schon weit gekommen. Wir spielen jetzt gegen Spanien, das ist die stärkste Mannschaft der Welt. Aber wir glauben an uns und haben genug Selbstvertrauen."

Nur die Tatsache, dass in Müller der mit vier Toren neben Klose beste Torschütze aufgrund seiner zweiten Verwarnung im Halbfinale zuschauen muss, trübte die Freude ein wenig.

Müllers Fehlen tut weh

"Ich habe den Ball mit der Hand berührt, aber die Gelbe Karte muss man nicht geben", kommentierte der Münchner die entsprechende Szene (36.).

"Es tut natürlich weh, in so einem wichtigen Spiel nicht dabei sein zu können. Zumal ich nicht als der Treter schlechthin bekannt bin."

Maradona denkt an Rücktritt

Andere verspürten nach diesem Viertelfinale viel größere Schmerzen als Müller. "Das heute ist das Härteste, was ich in meinen 50 Lebensjahren bislang durchmachen musste", bekannte Argentiniens Trainer Diego Maradona mit leiser Stimme 256716(DIASHOW: Der Trainer Maradona).

"Es ist, als hätte Muhammad Ali mich umgehauen."

Wer auch immer auf ihn folge, solle aber seinen Weg weitergehen. Für sich selbst scheint er mit dem Nationaltrainerjob abgeschlossen zu haben: "Ich habe schlichtweg keine Kraft mehr."

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