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Joachim Löw (r.) bejubelt mit Assistent Hans-Dieter Flick den Halbfinaleinzug © getty

Joachim Löw spricht im Interview über die Schlüssel zum 4:0-Sieg gegen Argentinien, die Müller-Sperre und die Titel-Aussichten.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Sein Team hat das geschafft, was ihm niemand zugetraut hätte.

Die DFB-Elf hat den Mit-Favorit Argentinien im Viertelfinale nicht nur besiegt, sie hat ihn auseinandergenommen - und die ganze Fußballwelt verneigt sich 258536(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Die Genugtuung über den 4:0-Sieg über Diego Maradonas Albiceleste konnte da auch Coach Joachim Löw nicht verbergen 209269(DIASHOW: Klassiker Deutschland - Argentinien).

Im Interview spricht er über die Schlüssel zum Erfolg, was sein Team nun noch erreichen kann - und den bitteren Ausfall von Thomas Müller für das Halbfinale gegen Spanien (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).

Frage: "Herr Löw, was war aus Ihrer Sicht der Schlüssel zum Sieg?"

Löw: "Es war eine Kombination aus einer hohen Konzentration und dem Willen. Wir haben es mit einer unglaublichen Defensivleistung geschafft, Messi, Tevez und Higuain fast zu eliminieren und dabei kaum Fouls zu begehen. Und die Argentinier leben in erster Linie von ihrer extrem guten Offensive."

Frage: "Die Abwehr gilt als nicht ganz so stark?"

Löw: "Argentiniens Abwehrspieler haben viel Erfahrung. Aber ich habe meiner Mannschaft auch gesagt: Ihr seid jünger, schneller, ausdauernder. Außerdem haben wir gesehen, dass die Offensivspieler die weiten Wege nicht immer gern machen und in der Abwehr seriös arbeiten. Wir haben das ausgenutzt und es ist uns so gelungen, ihre Abwehr immer wieder zu entblößen."

Frage: "Wie stolz sind Sie auf Ihre Mannschaft?"

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Joachim Löw: "Stolz bin ich schon länger. Aber was sie in dem Spiel an Willen abgerufen hat, war nicht nur internationales, sondern Champions-Niveau. Wenn man gesehen hat, mit welcher Kraft und mit welchem Tempo sie Druck gemacht und die Tore herausgespielt hat, auch noch in der zweiten Halbzeit, war das absolut klasse." (Der WM-Spielplan)

Frage: "Hatten Sie auch negative Eindrücke?"

Löw: "Kaum, wenn man gegen eine Weltklassemannschaft so dominant auftritt. Zu Beginn der zweiten Halbzeit waren wir sicher etwas unter Druck, aber die Mittelfeldspieler haben in dieser Phase unglaubliche Wege zurückgelegt. Und wie wir dann die Argentinier mit Tempogegenstößen ausgehebelt haben, war schon beeindruckend."

Frage: "Wie bitter ist für Sie der Ausfall von Thomas Müller für das Halbfinale?"

Löw: "Er wiegt schwer, klar. Er hat ja wieder einmal gezeigt, welche Torgefahr er ausstrahlt. Die Gelbe Karte gegen ihn muss man nicht unbedingt geben. Wir haben aber Spieler, die ihn ersetzen können, und wir werden es schaffen."

Frage: "Wie beurteilen Sie die Leistung von Bastian Schweinsteiger?"

Löw: "Es war ein grandioses Länderspiel: wie er gelaufen ist, die Mannschaft organisiert und geführt hat. Wie er das Tor von Friedrich vorbereitet hat, das kann man nicht besser machen. Er war herausragend in jeder Beziehung.

Frage: "Der vor der WM viel kritisierte Miroslav Klose hat in seinem 100. Länderspiel zweimal getroffen?"

Löw: "Darüber freue ich mich unglaublich. Dass er eine solche Trefferquote hat, spricht für ihn. Ich habe nie daran gezweifelt, welch überragende Qualität er hat. Was er geleistet hat, ist auf dem allerhöchsten Niveau. Es gibt nur zwei andere Spieler, die so eine Quote haben. Das geht sicher auch in die Geschichte ein."

Frage: "Wäre die Mannschaft mit Michael Ballack noch stärker?"

Löw: "Es nützt nichts zu sagen: was wäre wenn? Wir hatten uns vorgenommen, die Verantwortlichkeiten zu verteilen und ihn in diesem Turnier zu ersetzen. Und das haben wir in diesem Turnier geschafft."

Frage: "? und das Halbfinale erreicht. Was kommt jetzt noch?"

Löw: "Es ist zunächst einmal wichtig, dass wir jetzt nicht emotional überdrehen. Die Freude in der Kabine war riesengroß. Aber das Turnier geht weiter. Wir haben noch zwei Spiele vor uns, und wir haben es jetzt in der Hand, etwas ganz Großes zu erreichen (GAMES: Das WM-Tippspiel). Aber schon jetzt ist festzuhalten: Wir sind unter den besten vier Mannschaften der Welt. Und so wie wir gespielt haben, gehören wir zu Recht dahin."

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