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Es folgen starke Auftritte gegen England und Argentinien
Mesut Özil (li.) und Lukas Podolski feiern den Halbfinaleinzug © getty

Der 4:0-Erfolg über Argentinien hat Eindruck gemacht. Alle Welt verehrt die junge DFB-Elf. Der nächste Gegner hat Respekt.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion ? Joachim Löw mahnte schon am Abend nach der glanzvollen 4:0-Demonstration seiner Mannschaft im WM-Viertelfinale gegen Argentinien zur Vernunft.

"Es ist zunächst einmal wichtig, dass wir jetzt nicht emotional überdrehen", hatte der Bundestrainer gesagt.

Das ist keine ganz so leichte Aufgabe, denn die deutschen Fußballer können sich vor Komplimenten derzeit kaum retten ? ein Echo, das DFB-Kicker in dieser Art seit den 1970er-Jahren nicht ausgelöst haben.

"An einem glorreichen Winterabend in Kapstadt, vor der Kulisse eines Sonnenuntergangs hinter dem Tafelberg, zeigte die Mannschaft von Joachim Löw den passenden Fußball mit der eindeutig besten Leistung dieser Weltmeisterschaft", schrieb die englische "Mail on Sunday".

"Die Argentinier sind überwältigt worden und alle Engländer wissen, wie sie sich fühlen."

Argentinien nur einmal höher geschlagen

Für die "Albiceleste" war die Niederlage im Green Point Stadium die zweithöchste ihrer ruhmreichen WM-Historie. Lediglich 1958 kam sie in Schweden gegen die Tschechoslowakei (1:6) noch schlimmer unter die Räder.

Seit dem 4:1 gegen England vor einer Woche sind britische Journalisten bei jeder Pressekonferenz im DFB-Quartier Velmore Grande, um Löw oder seine Spieler nach dem Geheimnis ihres Erfolgs und vor allem der Nachwuchsförderung zu fragen 258536(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Vor einem Jahrzehnt wäre diese Konstellation noch völlig undenkbar gewesen.

Abschied vom Klischee

"Deutschland erntet die Früchte seiner Verjüngungskur", urteilte der "Observer" voller Respekt: "Letztendlich müssen wir uns auch von einem Klischee verabschieden: Dem vom alten geistlosen Deutschland, das einer jugendlichen Erhabenheit gewichen ist."

Was andere Nationen wie das Mutterland des Fußballs von Deutschland lernen können, benennt Joe Cole.

"England versucht immer, den Ball so schnell wie möglich zu den Stürmern zu bringen", erläuterte der Nationalspieler. "Damit kommst du auf internationalem Niveau nicht mehr durch. Dort geht es um Technik, Ballkontrolle, Passspiel und Laufwege."

Als es in der Vorwoche darauf angekommen sei, habe eben "die beste Mannschaft gewonnen". So weit, dies einzugestehen, war Diego Maradona am Samstagabend noch nicht.

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Maradona sieht "praktischen Fußball"

"Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die einen praktischen und direkten Fußball gespielt und ihre Chancen eiskalt genutzt hat", urteilte der argentinische Nationalcoach nach dem "schlimmsten Erlebnis" seiner 50 Lebensjahre.

Die neue Popularität des deutschen Fußballs zeigt sich auch darin, dass Fernando Torres nun behauptet, er sei "ein genauer Kenner des deutschen Fußballs".

"Das war ich schon immer", sagte der spanische Angreifer des FC Liverpool, der der DFB-Elf im EM-Finale 2008 den entscheidenden Treffer zum 1:0 eingeschenkt hatte.

Deutschland hat eine beeindruckende Mannschaft. Wir müssen vorbereitet sein. Das Halbfinale ist das vorweggenommene Endspiel."

Klose: "Sind besser als 2008"

Und zwar aus einem simplen Grund. "Wir sind besser als 2008", wie Miroslav Klose meint.

Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque preist die deutsche Auswahl vor dem Aufeinandertreffen am Mittwoch (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) in Durban schon als die "im Moment beste Nationalmannschaft überhaupt".

Er verspricht: "Wir werden in diesem Spiel unsere Seele geben."

Ballack warnt vor Überheblichkeit

Dass das nötig scheint, um Löws Mannen zu besiegen, ist sogar Michael Ballack "ein wenig unheimlich".

"Jetzt ist es wichtig, dass die Spieler auf dem Boden bleiben, nicht überheblich werden", betonte er im "ZDF".

"Aber da ist mir nicht bange, die Jungs strotzen vor Selbstbewusstsein. Und wenn man ein Team wie Argentinien so hoch schlägt, dann gehört man schon zu den Top-Favoriten."

Ballack selbst setzt die Reha nach seiner Sprunggelenksblessur im DFB-Quartier fort. Wenn er schon nicht mitspielen kann, will er wenigstens mitfeiern.

"Ich gehe davon aus, dass wir jetzt auch ins Finale kommen", sagte der Leverkusen-Rückkehrer. "Mir tut es schon weh, ich hätte gerne auf dem Platz gestanden. Aber das ist Fußball..."

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