vergrößernverkleinern
Im Juni 2004 bestritt Bastian Schweinsteiger sein erstes A-Länderspiel für Deutschland © getty

Mit seiner überragenden Leistung gegen Argentinien stößt der "emotionale Leader" der DFB-Elf in eine neue Dimension vor.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Große Spieler lachen nicht.

Irgendjemand muss Bastian Schweinsteiger erzählt haben, dass das so ist.

Denn bei dieser WM in Südafrika sieht man kaum einmal die Zähne des Münchners, der noch 2006 als Spaßvogel und Dauerlächler wahrgenommen wurde.

Dabei hätte Schweinsteiger allen Grund zur Freude.

Mit seiner überragenden Vorstellung beim 4:0-Erfolg gegen Argentinien machte er den letzten Schritt auf dem Weg zum einem geachteten Weltstar des Fußballs.

"Ein neugeborener Superstar"

"Für mich ist Bastian Schweinsteiger bis zu diesem Zeitpunkt der beste Spieler der WM", schwärmte sogar Franz Beckenbauer am Montag.

"Für mich ist er ein neugeborener Superstar. Wenn Deutschland das Finale erreicht, ist er ein Kandidat für den Goldenen Ball."

Auch der Bundestrainer ist voll des Lobes für seinen Dreh- und Angelpunkt auf dem Spielfeld.

"Er hat gegen Argentinien ein grandioses Länderspiel gezeigt. Er hat die Mannschaft geführt und sie organisiert", meinte Joachim Löw 258807(DIASHOW: Halbfinale! So feiert Deutschland).

"Bastian war in jeder Beziehung herausragend."

Das treffende Fazit von SPORT1-WM-Kolumnist Klaus Augenthaler: "Er hat die Note eins oder das Prädikat "Weltklasse" verdient."

Nur das Halbfinale zählt

Doch Schweinsteiger interessieren die weltweiten Lobeshymnen nicht. "Mir geht es einzig und alleine um das Spiel am Mittwoch", sagte der 25-Jährige mit Blick auf das Halbfinale gegen die Spanier (Mi., 20 Uhr im LIVE-TICKER).

"Für mich zählt nur, wie wir Spanien bezwingen können. Wir haben die Möglichkeit ins Finale zu kommen. Daran müssen wir alles setzen, auch wenn es sehr schwer wird."

[image id="f9ee3f4a-65ba-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Du bist nichts, das Team ist alles" - ganz nach diesem Motto handelt und redet Schweinsteiger in Südafrika.

So verzog er auch bei seiner völlig verdienten Auszeichnung zum "Man of the match" nach der Argentinien-Gala keine Miene.

Dank an die Mitspieler

"Ich kann nur so gut spielen, wenn die ganze Mannschaft gut spielt. Jeder einzelne Spieler ist dabei wichtig, auch diejenigen, die auf der Bank sitzen", meinte er.

Es belegt den Reifeprozess des Bayern-Profis, dass er an diesem Glanztag alle 22 Kollegen mit ins Boot nahm.

Welche Rolle Schweinsteiger beim deutschen Triumph eingenommen hatte, hatte sowieso jeder gesehen.

"Die Seleccion verlässt die WM gedemütigt", schrieb die große argentinische Tageszeitung "Clarin".

"Deutschland beherrschte das Mittelfeld, hatte mehr Chancen und Schweinsteiger als Herrn aller Aktionen."

Matthäus irrt sich

Noch vor zwei Wochen hatte Lothar Matthäus ein solches Auftreten des Vize-Kapitäns für unmöglich gehalten.

"Er braucht Jahre, um ein Anführer zu werden", hatte der Rekordnationalspieler in der "Sport Bild" behauptet.

Die Geschichte war mit "Rätsel Schweini" überschrieben 259105(DIASHOW: SPORT1-Elf WM-Viertelfinale).

Aus dem Fragezeichen hinter der Leistungsstärke Schweinsteigers ist in Südafrika ein Ausrufezeichen geworden.

"Vor der WM hatte auch ich die üblichen Verdächtigen für den Top-Spieler der WM auf dem Zettel", sagte sein ehemaliger Vereinstrainer Felix Magath.

Doch die seien zum größten Teil schon auf dem Heimweg. Dafür gehörten nun Thomas Müller und Mesut Özil zum Kandidatenkreis. Und Schweinsteiger.

"Er sogar erst recht", meinte Magath. "Bastian macht zurzeit das Optimum aus seinen Möglichkeiten."

"Ballacks Ausfall ein Glücksfall"

Das hat einen ganz bestimmten Grund, findet Bernd Schuster.

"Ich sage es jetzt mal drastisch: Für Deutschland war der Ausfall von Michael Ballack ein Glücksfall. Hätte er sich nicht verletzt, wäre Schweinsteiger nicht so groß rausgekommen", behauptete der Europameister von 1980 im Kölner "Express".

"Schweinsteiger hätte sich hinter Ballack einreihen müssen. Jetzt aber braucht er sich nicht unterzuordnen. Er kann sein ganzes großartiges Potenzial ausschöpfen."

Schweinsteiger hofft auf Rückkehr

Schweinsteiger selbst, den Ballack nach dem Abpfiff im Green Point Stadium von Kapstadt voller Respekt und Anerkennung in den Arm nahm, sieht das nicht so 259139(DIASHOW: Tops und Flops WM-Viertelfinale).

Er plädiert für eine Rückkehr Ballacks in die Nationalmannschaft nach der WM.

"Es kann ja durchaus sein, dass wir mit ihm noch viel besser spielen", gibt er zu bedenken. "Man merkt eben hier und da, dass uns die Erfahrung ein bisschen fehlt."

Bislang hat das allerdings keine gravierenden Folgen gehabt.

Nun wartet am Mittwoch in Durban bei der Neuauflage des EM-Finales von 2008 die nächste Herausforderung auf die DFB-Elf.

Revanche für EM-Finale

"Natürlich hat man ein Revanche-Gefühl in sich drin und will zeigen, dass man die bessere Mannschaft ist", erklärte Schweinsteiger.

"Aber man muss ganz klar sagen, dass Spanien auf dem Papier der Favorit ist. Das ist die stärkste Mannschaft der Welt, daher habe ich sehr großen Respekt."

Trotzdem habe das Team nach den jüngsten Leistungen "genug Selbstvertrauen".

Er sagt das nüchtern, ernsthaft, ohne ein Lächeln.

Den Grund dafür hat er am Montag erläutert: "Ich will nicht wieder ohne etwas in der Hand zurück nach Deutschland kommen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel