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Ein Anti-Talisman: Rolling-Stones-Frontman Mick Jagger © getty

Tintenfisch Paul prophezeit eine deutsche Niederlage. Aber ein Glücks-Pulli und ein Stachelschwein machen dem DFB-Team Hoffnung.

Von Martin Hoffmann

München - Der mittlerweile bekannteste Fußball-Experte hinter Franz Beckenbauer und Günter Netzer hat gesprochen.

Und sein Urteil missfällt der Nation.

Krake Paul hat mit dem geballten Sachverstand seiner neun Gehirne einen Sieg Spaniens im Halbfinale gegen Deutschland (Mi. ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) prophezeit.

Aus zwei Glaskästen mit Muschelfleisch wählte der berühmteste Bewohner des "Sea Life Centre" in Oberhausen zielsicher das mit der spanischen anstelle der deutschen Flagge.

Bislang alle Vorhersagen richtig

Die von mehreren TV-Sendern übertragene Voraussage sorgt für Unruhe in Fußball-Deutschland, hat sich der zwei Jahre alte Paul in Rekordzeit eine große Autorität als WM-Wahrsager erworben.

Weit mehr als die glücklose Tippgemeinschaft aus dem Chemnitzer Tierpark: Flusspferd Petty, Affe Anton und Polarfüchsin Lissy haben bislang alle Spiele falsch vorhergesagt

Das kundige Weichtier hat dagegen alle fünf deutschen Spiele auf die immergleiche Weise richtig vorausgesagt.

Er hat sich damit internationale Bekanntheit erworben, aber sich auch zur Hassfigur gemacht.

"Macht Calamari aus ihm!"

In Argentinien veröffentlichten aufgebrachte Albiceleste-Anhänger Kochrezepte für Paul-Paella, nachdem der Tintenfisch das Aus der Maradona-Elf prognostizierte.

Schon gehen natürlich die Spekulationen los, ob Paul dieselben Ängste vor den meeresfrüchte-affinen Spaniern hat.

In Deutschland skandieren nun aber auch die ersten auf Pauls Facebook-Fanpage: "Macht Calamari aus ihm!"

Andere fragen im Stil einer alten Werbung: "Paul! Wer ist eigentlich Paul?" 258807(DIASHOW: Halbfinale! So feiert Deutschland)

Was macht Mick Jagger?

Dabei ist es nicht nur Paul, der Deutschlands Zeichendeuter in Aufregung versetzt.

Da ist auch noch Ines Sainz, mexikanische TV-Reporterin, die am Montag in der DFB-Pressekonferenz war. Alle Teams, die sie bisher besuchte - England, Brasilien und Argentinien - sind ausgeschieden.

Angela Merkel dagegen, bewährte Glücksbringerin des DFB-Teams, kommt diesmal nicht.

Dazu besteht auch akute Gefahr, dass Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger durch das rauschhafte 4:0 gegen Argentinien zum Deutschland-Fan geworden ist.

Seine Anfeuerungsrufe haben schon die USA, England, Brasilien und Argentinien auf dem Gewissen.

Löw setzt auf den Pulli

Aber die höheren Fußballmächte senden auch ein paar Zeichen, die Hoffnung machen, dass im 21. Länderspiel gegen Spanien der neunte Sieg gelingt (sechs Remis, sechs Niederlagen).

Joachim Löw hat schon angedeutet, wieder den blauen Pullover aus Babykaschmir anzuziehen, der ihm schon zu den hohen Siegen über Australien, England und Argentinien verholfen hat.

Eine Taktik, die er sich von Udo Lattek abgeschaut hat, dessen gleichfarbiger Strickpulli dem 1. FC Köln einst 15 Spiele ohne Niederlage einbrachte.

Pele macht Hoffnung

Außerdem hat neben Paul auch der neueste Vertreter der Chemnitzer Planlos-Propheten auf Spanien getippt. Stachelschwein Leon fraß eine Birne mit der Flagge des deutschen Gegners.

Ein gutes Zeichen ist auch, dass Pele Deutschland den WM-Gewinn nicht zutraut. "Ich glaube, dass sie für den Titel noch ein wenig zu unerfahren ist", hat er im "Tagesspiegel" erklärt.

Als Tipper hat Brasiliens Legende bei allen Verdiensten keinen besseren Ruf als Affe Anton und Flusspferd Petty:

So traute er etwa Kolumbien 1994 den WM-Titel zu und Brasilien vor dem Titel 2002 nicht mehr als die Gruppenphase.

Auch Paul ist fehlbar

Auch in diesem Jahr ist Pele seinem Ruf als untaugliches Orakel schon gerecht geworden. Etwa, als er kurz vor dem Turnier erklärte:

"Es ist schwer vorstellbar, dass die Deutschen schön spielen werden. Sie gehören wie Italien oder England zu den Mannschaften, die stark spielen, sich allerdings sehr auf die Defensive konzentrieren."

Und: auch Paul ist fehlbar. Vor zwei Jahren bei der EM hatte er auch genau ein deutsches Spiel falsch vorhergesagt: das gegen Spanien.

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