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Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß fordern den Verbleib von Joachim Löw (v.l.n.r.) © imago

Rummenigge und Hoeneß würden dem DFB-Coach nun alle Wünsche erfüllen. Theo Zwanziger ist nun bereit, auch Bierhoff zu halten.

Von Martin Volkmar undMartin van de Flierdt

Durban/München - Immerhin: Ein Ende der Dauer-Debatte ist in Sicht.

Seit der geplatzten Vertragsverlängerung wird Joachim Löw zu seiner Zukunft befragt, die er allerdings stoisch unbeantwortet lässt.

Erst nach der WM, so das Mantra des 50-Jährigen, werde er sich äußern, ob er Bundestrainer bleibe oder nicht.

Allerdings hat sich der Wind während der WM eindeutig gedreht: Die Skepsis ist in Euphorie umgeschlagen.

Rummenigge: "Keine Alternative zu Löw"

Die berauschenden Leistungen der DFB-Auswahl in Südafrika haben die Löw-Kritiker verstummen lassen oder sie sogar zu bekennenden Fans des Badeners gemacht 259139(DIASHOW: Tops und Flops WM-Viertelfinale).

Sogar die Führung des wichtigsten deutschen Vereins hat sich nun eindeutig hinter Löw und auch seinen Betreuerstab gestellt: Der FC Bayern.

"Es wäre ein Riesenfehler vom DFB, den Vertrag mit Löw nicht zu verlängern", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge der "Bild": "Es gibt keine Alternative zu Löw."

Hoeneß würde sich "wahnsinnig freuen"

Und Präsident Uli Hoeneß erklärte in der "tz": "Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn nach der WM das ganze Team zusammenbleibt."

Der Zuspruch wird bei der sportlichen Leitung nach den vielen skeptischen Kommentaren vor der WM mit Genugtuung zur Kenntnis genommen - auch wenn das keiner so offen sagt.

"Das freut einen natürlich, wenn es öffentliche Bekundungen dieser Art gibt. Das zeigt, dass wir gute Arbeit leisten", meinte Teammanager Bierhoff.

"Aber für Jogi und mich ist das im Moment überhaupt kein Thema. Diese Thematik stellt sich für uns erst nach der WM. Daran hat sich nichts geändert."

Runter wie Öl

Allerdings dürften vor allem Bierhoff die Lobeshymnen runtergehen wie Öl. Denn der Ex-Nationalspieler war ja als Hauptschuldiger der gescheiterten Verhandlungen im Frühjahr dargestellt worden, sein Aus beim DFB galt seitdem als sicher.

Nun aber sind selbst die einstigen Chef-Kritiker an der "Ich-AG aus Starnberg" (Rummenigge) umgeschwenkt.

"Diesen Trainer und diese Mannschaft darf man nicht trennen. Sie haben das Potenzial, auf Jahre hinaus eine führende Rolle im Weltfußball zu spielen", erklärte Rummenigge nun.

Auch Stenger soll bleiben

Hoeneß wurde noch deutlicher. "Ich glaube, dass diese WM beweist, dass dieses Team perfekt funktioniert. Deshalb sollte auch Oliver Bierhoff bleiben", sagte er.

"Die Spieler merken langsam, dass sie das ganz Große schaffen können. Da ist alles organisch gewachsen. Jogi Löw und sein ganzes Team: Oliver Bierhoff oder auch Pressechef Harald Stenger. Man merkt, dass sie ein eingespieltes Team sind."

Deshalb solle der ganze Betreuerstab, von dem unter anderem Mediendirektor Stenger bereits seine Kündigung nach der WM erhielt, unbedingt zusammenbleiben.

"Löw braucht in diesem Bereich einen Partner, dem er 100-prozentig vertraut. Ihm jetzt einen neuen, unbekannten Mann zur Seite zu stellen - das wäre ja mehr ein Aufpasser, als ein Partner", so Hoeneß.

"Löw kann verlangen, was er will"

"Dasselbe gilt auch für den Harald Stenger. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass so ein Mann, der offensichtlich hervorragende Arbeit leistet, jetzt gehen soll. So einen Mann muss man einfach halten."

Nach Ansicht des langjährigen Bayern-Managers habe Löw nach dem WM-Erfolg ohnehin alle Trümpfe in der Hand und könne mit Maximalforderungen in die Verhandlungen gehen:

"Aber das wird natürlich jetzt teuer für den DFB, Löw kann jetzt ja sozusagen verlangen, was er will."

In Capellos Dimensionen?

Rummenigge meint, dass Löw (derzeit rund 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt) auch eine saftige Gehalterhöhung zustehe: "Der DFB muss jetzt bereit sein zu zahlen wie im Ausland."

Er macht dabei auch auf die Bezüge von Englands Coach Fabio Capello aufmerksam, der angeblich 8,8 Millionen Euro pro Jahr verdient.

Immerhin rund drei Millionen soll DFB-Präsident Theo Zwanziger bereits geboten haben. Für den Juristen, der Ende Oktober wiedergewählt werden will, ist der Verbleib Löws längst Chefsache.

Zwanziger nun für Bierhoff-Verbleib

Und offenbar hat bei ihm angesichts der Erfolge und der öffentlichen Forderungen auch ein Umdenken eingesetzt, was den Betreuerstab betrifft.

"Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Oliver Bierhoff Manager bleibt", sagte Zwanziger nun erstmals.

"Wir haben unseren Konflikt gelöst. Es ist nichts übrig geblieben. Meine persönliche Meinung ist, dass nichts dagegen spricht, dass er weiter macht."

"Bin nicht der machtbesessene Präsident"

Davon müsse er bis zum Monatsende allerdings auch das gesamte DFB-Präsidium überzeugen, schränkt der Verbandsboss ein.

"Ich bin nicht der machtbesessene Präsident, der alles im Alleingang entscheidet. Diese Angelegenheit werde ich im Team erörtern", sagte er.

"Am 30. Juli steht eine Präsidiumssitzung an. Bis dahin muss ich meinen Kollegen sagen, wie es weitergeht."

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