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Philipp Lahm (l.) hat bisher 70 Länderspiele für Deutschland absolviert © getty

Der Bundestrainer hält vorm WM-Halbfinale seinem Kapitän den Rücken frei. Er verweist auf das Recht der Meinungsfreiheit.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Durban - Am Abend vor dem WM-Halbfinale gegen Spanien (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) hat Bundestrainer Joachim Löw versucht, Brisanz aus der Kapitänsdebatte der deutschen Nationalmannschaft zu nehmen, die Philipp Lahm am Vortag angefacht hatte.

Lahm hatte erklärt, auch nach der WM die Binde tragen zu wollen, und damit Michael Ballack eine verbale Spitze verpasst.

"Das stört uns in der Vorbereitung auf das Spiel überhaupt nicht?, sagte Löw in Durban. "Jeder kann hier seine Meinung sagen, und das war eben die Meinung von Philipp."

Es mache Lahm nun einmal "Spaß, Verantwortung zu übernehmen". "Aber natürlich weiß Philipp, dass der Trainer diese Entscheidung übernehmen wird, und das wird nach der WM geschehen."

Zwanziger: "Das ist legitim"

Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger brachte Verständnis für Lahm auf.

"Wenn der Kapitän der Mannschaft äußert, dass er auch weiterhin Kapitän bleiben will, so ist das legitim", sagte Zwanziger der "tz".

"Ich habe mit Philipp gestern noch einmal gesprochen. Er ist ehrgeizig, er hat in der Hierarchie der Mannschaft an Profil gewonnen."

Allerdings fälle natürlich der Bundestrainer letztlich die Entscheidung.

SPORT1 fasst Löws Aussagen von der Pressekonferenz zusammen:

Wie ist die Ausgangslage im Vergleich zum EM-Finale 2008?

"2008 war Spanien die beste Mannschaft und hat verdient gewonnen. Zwei Jahre später gibt es bei uns einige Veränderungen, Spanien spielt mit einer ähnlichen Mannschaft. Wir sind von unserer Spielart weiter als 2008. Damals waren wir in unseren Leistungen schwankend und nicht mit dieser spielerischen Klasse versehen wie heute. Unser Spielfluss und unsere Spielkultur sind besser als 2008. Bei der EM haben wir viel Energie ins Spiel gebracht, aber selten Gegner dominiert."

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Wie stark sind die Spanier?

"Spanien war in den letzten Jahren das am besten organisierte Team mit der besten Offensive. Die Mannschaft ist eingespielt, die Spieler spielen schließlich größtenteils schon über einen langen Zeitraum zusammen. Deshalb machen sie keinen einzigen Fehler, wenn sie nicht dazu gezwungen werden. Wir haben genug Selbstvertrauen, dass wir die Kraft und die kreativen Fähigkeiten besitzen, sie dorthin zu bringen."

Wird die deutsche Elf die Spanier kommen lassen?

"Wir werden gegen Spanien nicht bewusst defensiver spielen als zuletzt. Die Spanier haben immer sehr viel Ballbesitz. Es wird nicht klappen, sie komplett aus dem Spiel zu nehmen oder in der eigenen Hälfte festzunageln. Schließlich besitzen sie mit Xavi, Andres Iniesta oder David Villa Weltklassespieler. Aber unsere Mannschaft will vom Charakter her nach vorne spielen. Anders wird man gegen diese Spanier auch keine Chance haben. Wir müssen sie zwingen, dass die die Wege nach hinten machen müssen. Es wird ein Spiel mit hohem Tempo, in dem viel gelaufen werden muss."

Wer ersetzt den gesperrten Thomas Müller?

"Piotr Trochowski, Cacau oder Toni Kroos - einer von den dreien wird spielen. Die Entscheidung fällt am Mittwochmorgen."

Ist Cacau überhaupt einsatzfähig?

"Er hat das Abschlusstraining komplett mitgemacht, wird von den Ärzten aber noch einmal untersucht. Ich gehe davon aus, dass ich auf ihn zurückgreifen kann."

Wie geht es bei Michael Ballack weiter?

"Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hat gesagt: Micha muss jetzt trainieren. Unsere Trainer und Physiotherapeuten sind aber vollumfänglich von den anderen Spielern eingespannt. Deshalb ist er abgereist. Micha wird aber am Wochenende zurückkehren, wenn wir ins Finale kommen."

258807(DIASHOW: Halbfinale! So feiert Deutschland)

Worauf muss man bei David Villa besonders achten?

"Seine Qualitäten kennt man ja spätestens seit 2008. Er ist ein Stürmer, der alles mitbringt. Er hat eine gute Technik, geht in die Tiefe und hat vor allem im Abschluss hervorragende Fähigkeiten."

Haben Sie sich bei Ottmar Hitzfeld Tipps geholt, wie man Spanien schlägt?

"Wir hatten zwar Kontakt. Aber wir haben unsere eigene Arbeit gemacht und uns vorbereitet. Wir richten uns nicht immer nur nach dem Gegner. Wir müssen selbst Akzente setzen."

Existiert die Gefahr, dass die Spieler abheben?

"Die Stimmung ist gut, aber nicht überschwänglich oder euphorisch. Ich sehe diese Konzentration. Jeder, der dabei ist, will mehr. Wenn man im Halbfinale steht, kann das Ziel ja nur das Endspiel sein. Von einer Lockerheit im negativen Sinne kann keine Rede sein."

Haben Sie keine Zweifel, dass die Mannschaft nicht stark genug sein könnte?

"Habe ich bislang schon einmal gezweifelt? Nein. Also, warum sollte ich jetzt zweifeln?"

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