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Klose (r.) hat es schwer im Zweikampf mit Spaniens Pique © getty

Die "Rote Furie" diktiert gegen die schwache DFB-Elf das Spiel und zieht ins Finale ein. Puyol köpft nach einer Ecke das Siegtor.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Durban - Der Traum vom vierten Weltmeistertitel ist für die deutsche Nationalmannschaft ausgeträumt.

Im Halbfinale von Durban musste sich die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw Europameister Spanien mit 0:1 (0:0) geschlagen geben.

Carles Puyol (73.) erzielte das entscheidende Tor, das die Iberer erstmals ins WM-Finale brachte. Dort treffen die Spanier am Sonntag in Johannesburg auf die Niederlande. (Der SPORT1-WM-Spielplaner)

Deutschland spielt nach der fünften Niederlage bei zwölf Halbfinalteilnahmen am Samstag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) in Port Elizabeth gegen Uruguay um Platz drei.

"Spanien ist spielerisch so gut, dass sie uns an unsere Grenzen gebracht haben. Leider konnten wir unsere Hemmungen nicht überwinden. Wir kamen nicht zu den wichtigen Ballgewinnen, um schnell umzuschalten. Aber wir haben bisher ein tolles Turnier gespielt", so Löw nach der Partie.

Auch Kapitän Philipp Lahm zeigte sich enttäuscht: "Wir haben uns viel vorgenommen, aber uns ist nicht viel gelungen. In der ersten Halbzeit haben wir nicht mutig genug nach vorne gespielt. Nach hinten haben wir nicht viel zugelassen. Und dann muss man eben seine wenigen Chancen nutzen. Auf das Spiel um Platz 3 habe ich heute überhaupt keine Lust."

Trochowski ersetzt Müller

Vor 60.960 Zuschauern im Moses-Mabhida-Stadion hatte Löw seine Mannschaft im Vergleich zum 4:0-Triumph im Viertelfinale gegen Argentinien erwartungsgemäß nur auf einer Position verändert.

Für den gelbgesperrten Thomas Müller begann Piotr Trochowski im rechten offensiven Mittelfeld. Er erhielt den Vorzug vor Toni Kroos und Cacau.

Auch Spaniens Coach Vicente del Bosque brachte mit Pedro einen neuen Mann. Der Außenbahndribbler des FC Barcelona ersetzte Fernando Torres.

Statt eines 4-4-2 traten die Iberer nun wie die Deutschen nur mit einer echten Spitze auf. Die hieß David Villa. 260484(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Guter Schachzug del Bosques

An diesem Schachzug del Bosques hatte die deutsche Mannschaft in der ersten Halbzeit schwer zu knabbern.

Das technisch überragende Fünfer-Mittelfeld aus den Sechsern Xabi Alonso und Sergio Busquets und dem Trio Xavi, Andres Iniesta und Pedro davor ließ Ball und Gegner laufen.

Die DFB-Kicker schafften es nur selten so nah an den ballführenden Spieler, dass sie in Zweikämpfe kamen.

Spanisches Pressing erzwingt Fehler

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Deutscher Ballbesitz war meist nur von kurzer Dauer, weil die Iberer mit ihrem Pressing großen Druck ausübten.

Ungenauigkeiten und leichte technische Fehler der DFB-Elf hatten den sofortigen Ballverlust zur Folge. Nur dass sie aus ihrer großen Überlegenheit kein Kapital schlugen, musste man den Spaniern vorwerfen.

Sie brachten das Tor von Manuel Neuer nur zweimal ernsthaft in Gefahr. Zunächst brachte Villa den Ball nach Steilpass Pedros nicht an dem deutschen Torwart vorbei (7.).

Puyol köpft übers Tor

Dann köpfte Puyol eine scharfe Hereingabe Iniestas aus fünf Metern über die Querlatte (13.). (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Per Mertesacker verhinderte mit gutem Stellungsspiel allerdings mehrfach weitere hochkarätige Möglichkeiten des Europameisters.

Die deutsche Mannschaft brauchte eine halbe Stunde, ehe sie ein wenig besser ins Spiel fand. Dann hatte auch sie in einem Flachschuss Trochowskis, den Iker Casillas zur Ecke lenkte, ihre erste und einzige gute Torchance (32.) der ersten Hälfte.

Attacke von Ramos nicht geahndet

Kurz vor der Pause reklamierte die DFB-Auswahl einen Elfmeter. Doch der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai sah bei einer Attacke von Sergio Ramos an Mesut Özil kein Foul (45.).

Nach dem Seitenwechsel zogen die Spanier wieder die Zügel an. Vor allem Pedro drehte auf dem rechten Flügel immer mehr auf. Das erkannte auch Löw und brachte Marcell Jansen für Boateng, der einen schweren Stand hatte (53.).

Doch die Spanier hatten sich offenbar vorgenommen, häufiger den Abschluss zu suchen. Das taten sie auch. Xabi Alonso (50.) und Villa (55.) verfehlten das deutsche Tor mit Distanzschüssen, Neuer reagierte gegen Pedro prächtig (59.).

Villa und Ramos verpassen knapp

Die deutsche Mannschaft wurde nun zeitweise am eigenen Strafraum eingeschnürt. Villa (59.) und Ramos (64.) verpassten Hereingaben im Fünfmeterraum nur um Haaresbreite. Löw brachte Kroos für Trochowski (64.).

Der München-Rückkehrer brachte sich gleich gut ein. Nach Flanke von Podolski brachte er eine Volleyabnahme aber nicht an Casillas vorbei (69.).

Stattdessen fiel auf der Gegenseite das überfällige 0:1. Nach einer Ecke von Xavi stürmte Puyol von der Strafraumgrenze heran und wuchtete den Ball per Kopf aus acht Metern ins Netz (73.).

Gomez für die Schlussminuten

Die deutsche Mannschaft riskierte anschließend deutlich mehr in der Offensive. Mit Mario Gomez für Sami Khedira kam ein zusätzlicher Stürmer (81.).

Doch die DFB-Auswahl brachte es trotz zahlreicher Flanken nicht zu einem gefährlichen Torabschluss.

Auf der Gegenseite versäumten es die Spanier mehrfach, ihre Konter zu Ende zu fahren. So blieb es beim 0:1. An der Berechtigung der Niederlage gab es trotz des knappen Endstands nichts zu deuteln.

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