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Michael Ballack (r.) absolvierte sein erstes Länderspiel im April 1999 gegen Schottland © getty

Der verletzte Kapitän will sich zur Frage um seine Zukunft im DFB-Team nicht äußern. Viele Experten stehen aber auf seiner Seite.

Von Matthias Becker

München - Legitimie Meinungsäußerung oder Diskussion zur Unzeit?

Die Ansichten zu Philipp Lahms Aussagen über das Kapitänsamt in der deutschen Nationalmannschaft gehen weit auseinander.

Bundestrainer Joachim Löw versuchte zwar, die Wogen zu glätten, erklärte aber auch vieldeutig:

"Natürlich weiß Philipp, dass der Trainer diese Entscheidung übernehmen wird, und das wird nach der WM geschehen."

Bislang hieß es dagegen immer, Lahm sei Übergangskapitän, bis Michael Ballack nach der WM zurückkehrt.

Lothar Matthäus empfahl Ballack sogar den Rücktritt aus dem Nationalteam. Der Betroffene belegt sich selbst aber mit einem Maulkorb.

"Zu diesem Thema möchte ich mich nicht äußern", sagte Ballack der Tageszeitung "L'Essentiel" aus Luxemburg, wo er momentan seine Reha fortsetzt.

Kahn hat kein Verständnis

Dass ausgerechnet vor dem wichtigen Spiel gegen Spanien die Diskussion um Ballacks Zukunft angezettelt wurde, ruft bei vielen Experten deutliche Kritik an Lahm hervor.

"Jetzt so eine Flanke zu eröffnen ist völlig unnötig, ja geradezu rätselhaft. Da fehlt mir jedes Verständnis", sagte der frühere Nationalmannschaftskapitän Oliver Kahn der Münchner "tz".

Doch nicht nur der Zeitpunkt von Lahms Aussagen stößt Kahn bitter auf. Auch der Inhalt schmeckt ihm nicht.

"Grundsätzlich muss ich sagen, dass Michael Ballack ein Spieler ist, der Respekt verdient hat. Michael ist nicht irgwendein Spieler mit zwei Länderspielen. Da sollte man etwas behutsamer sein", erklärte der frühere Bayern-Torhüter.

Kleiner Rüffel vom "Kaiser"

Unterstützung bekommt Kahn von Christoph Daum.

"Michael Ballack war und ist das Aushängeschild von Fußball-Deutschland. Ich verstehe die Lahm-Offensive abolut nicht", sagte Daum, der Ballack einst bei Bayer Leverkusen trainierte, der "Bild".

An gleicher Stelle meldet sich auch Franz Beckenbauer zu Wort. Die Diskussion um die Zukunft Ballacks in der Nationalmannschaft komme zur Unzeit. schrieb der "Kaiser" in seiner Kolumne:

"Wenige Stunden vor dem Halbfinale gegen Spanien sollte es auch in der Mannschaft kein Thema sein, wer nach der WM Kapitän wird."

Ehemalige Weltmeister-Weggefährten Beckenbauers wie Wolfgang Overath bekräftigen: "Michael Ballack darf überhaupt nicht an Rücktritt denken. Warum sollte er? Und warum sollte er die Binde abgeben?"

Brehme, Völler und Effenberg pro Ballack

Auch die 1990er-Weltmeister Andreas Brehme und Rudi Völler sprechen sich für Ballack aus. "Wenn Ballack wieder fit wird, dann wäre ich dafür dass er auch wieder Kapitän wird", sagte Brehme der "Bild".

Völler erklärte: "Es gibt keinen Grund, dass er als Kapitän aufhört. Er ist noch immer der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Welt."

"Sky"-Experte Stefan Effenberg ist sich ohnehin sicher, dass Ballack noch lange nicht am Ende ist.

"Er hat einen tollen Verein mit Bayer Leverkusen, er wird fit sein und dann wird er auch wieder der Kapitän der Nationalmannschaft sein. Lahm muss dann wieder ins zweite Glied und die Binde abgeben."

Beckenbauer: Auch ohne Binde eine Persönlichkeit

Dessen ist sich aber ausgerechnet Franz Beckenbauer nicht so sicher.

"Ob er Kapitän bleibt oder nicht, ist unwichtig", stellt der "Kaiser" mit Blick auf Ballack fest: "Große Spieler sind auch Persönlichkeiten, wenn sie kein Stück Stoff am Arm tragen."

Ein Stück weiter geht Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs in der "Bild". "Ballack muss sich damit abfinden, dass er seine Position unverschuldet verloren hat."

Und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagte der "Welt", dass Lahm "die Rolle als Kapitän glänzend ausfüllt".

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