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Carles Puyol (l.) kann nun mit Spanien erstmals Weltmeister werden © getty

Die deutschen Spieler sind nach dem Halbfinal-Aus bei der WM untröstlich, erkennen aber die Überlegenheit der Spanier an.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Durban - Der Pfiff ertönte und Bastian Schweinsteiger sank in die Knie 260484(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Aus, Ende. Wie 2006 hat die deutsche Nationalmannschaft das WM-Finale verpasst.

Schweinsteiger, die prägende Gestalt des deutschen Teams, wird am Samstag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) in Port Elizabeth gegen Uruguay wieder nur das Spiel um den dritten Platz bestreiten.

Nun kauerte er auf dem Rasen des Moses-Mabhida-Stadions von Durban, als ihm der Mann über den Kopf strich, der für seine Gemütslage wesentlich verantwortlich war.

Doch die Geste von Carles Puyol, der Spanien mit seinem 1:0-Siegtreffer (73.) erstmals ins WM-Finale geköpft hatte, konnte Schweinsteiger nicht trösten.

"Es ist schon bitter, wenn man kurz vor dem Finale steht und dann nicht so spielt, wie man es vorhat", meinte der Münchner eine ganze Weile später.

Taktik-Coup von del Bosque

Das lag allerdings in erster Linie an der Vorstellung des Gegners. Trainer Vicente del Bosque hatte einen taktischen Volltreffer gelandet, indem er Angreifer Fernando Torres auf die Bank setzte und stattdessen Flügelwirbelwind Pedro aufbot.

Damit gingen die Spanier vom gewohnten 4-4-2 ab, das den deutschen Gegnern Australien, England und Argentinien zum Verhängnis geworden war, und setzten stattdessen auf ein Fünfer-Mittelfeld.

Gegen dessen Kombinationsstärke fand die deutsche Mannschaft kein Mittel.

Mangel an Kraft und Präzision

"Kompliment an die Spanier", erkannte Bundestrainer Joachim Löw die Überlegenheit des Europameisters an, mit dem sich die deutsche Mannschaft zuvor auf Augenhöhe gewähnt hatte.

"Sie sind spielerisch so gut, sie haben uns an die Grenzen gebracht. Die Spanier lassen den Ball so laufen, dass man häufig hinterher rennt. Wir kamen nicht zu den nötigen Ballgewinnen und haben viel Kraft gebraucht", so Löw.

Die fehlte dann, um präzise nach vorne zu spielen, als die DFB-Auswahl den Ball dann doch mal hatte.

Klose selbstkritisch

"Wenn wir in Ballbesitz kamen, waren wir zu kaputt und müde zum Umschalten", gab Miroslav Klose zu, der in seiner Karriere nicht mehr Weltmeister werden wird.

"Wir haben uns bemüht, Ruhe ins Spiel zu bringen und unsere Ballstafetten hinzulegen. Aber wir haben nicht zwingend genug nach vorne gespielt."

Zwei Chancen, kein Ertrag

Nur zwei Mal brachte die deutsche Offensive Iker Casillas in den 90 Minuten in Bedrängnis. Beim Flachschuss von Piotr Trochowski (32.) und der Volley-Abnahme des eingewechselten Toni Kroos (69.) war Spaniens Torwart aber auf dem Posten.

Besonders der letzteren Szene trauerte Schweinsteiger noch nach dem Spiel hinterher: "Gegen Spanien bekommt man nicht viele Torchancen, die wenigen muss man dann nutzen."

Es wäre das glückliche 1:0 für Deutschland gewesen, stattdessen fiel wenig später der überfällige spanische Siegtreffer.

Boateng und Trochowski unter den Möglichkeiten

"Manche Spieler konnten die Hemmungen im gesamten Spiel nie richtig abbauen", urteilte Löw.

Damit dürfte er vor allem Jerome Boateng und - trotz seines gefährlichen Distanzschusses - Trochowski gemeint haben, die er in der zweiten Halbzeit durch Marcell Jansen und Kroos ersetzte.

Müller schmerzlich vermisst

Trotz allem Eifer war es Trochowski bis dato nicht gelungen, den gesperrten Thomas Müller im rechten offensiven Mittelfeld adäquat zu ersetzen.

"Klar fehlt so ein Spieler", redete Kapitän Philipp Lahm nicht um den heißen Brei herum. "Thomas hat vier Tore für uns gemacht und war sehr gut drauf." Trochowskis Aufgabe war daher von vorneherein keine leichte, die Klasse des Gegners erschwerte sie zusätzlich.

Löw: Spanien wird Weltmeister

"Die Spanier haben gegen uns ihre beste Turnierleistung gezeigt", meinte Lukas Podolski. "Sie haben verdient gewonnen. Das muss man anerkennen."

Geht es nach Löw, werden auch die Niederländer den Spaniern nach dem Finale am Sonntag gratulieren müssen:

"Ich glaube, dass die Spanier Weltmeister werden. Sie sind in den vergangenen zwei, drei Jahren die Besten gewesen."

Kleines Finale kein Trostpflaster

Die deutsche Mannschaft wird dann voraussichtlich bereits im Flieger zurück in die Heimat sitzen. Nach einem Spiel um Platz drei, "auf das ich heute überhaupt keine Lust habe", wie Lahm bekannte.

Er wird damit im Mannschaftskreis nicht alleine stehen.

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