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Philipp Lahm spielt in Südafrika seine zweite Weltmeisterschaft für Deutschland © getty

Im Interview spricht Kapitän Philipp Lahm über das Halbfinal-Aus, Thomas Müllers Fehlen und die DFB-Zukunft von Michael Ballack.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Durban - Spanien war eine Nummer zu groß. Wie im EM-Finale 2008 in Wien.

Auch damals unterlag die deutsche Nationalmannschaft mit 0:1.

"Der Abstand zu Spanien ist auf jeden Fall geringer geworden", sagt Philipp Lahm dennoch nach dem Halbfinal-K.o. seines Teams im Moses-Mabhida-Stadion von Durban.

Im Interview spricht der DFB-Kapitän über die Gründe für die Niederlage, das Fehlen von Thomas Müller und die Nationalmannschafts-Zukunft von Michael Ballack.

Frage: Herr Lahm, die deutsche Mannschaft hat gegen Spanien den Kürzeren gezogen. Worin sehen Sie die Gründe für die Niederlage?

Philipp Lahm: Wir waren nicht stark genug, um nach England und Argentinien auch Spanien zu besiegen. Insgesamt war es trotzdem eine ordentliche Leistung gegen eine Spitzenmannschaft, die zu Recht Top-Favorit ist auf den Titel. Um zu gewinnen, hätte jeder seine Top-Leistung abrufen müssen. Das ist uns nicht gelungen.

Frage: Die Mannschaft hatte große Schwierigkeiten, ins Spiel zu finden. Woran hat das gelegen? 260484(DIASHOW: Bilder des Spiels)

Lahm: Wir sind auf eine spielerisch sehr starke Mannschaft getroffen, die auf allen Positionen erstklassig besetzt ist. Da muss man erstmal dagegenhalten. Dass wir das nicht geschafft haben, war mit Sicherheit in der ersten halben Stunde unser Problem.

Frage: Was hat Joachim Löw in seine Halbzeitansprache gesagt?

Lahm: Dass wir mit mehr Mut und mehr nach vorne spielen sollen. Defensiv haben wir alle zusammen ganz ordentlich gearbeitet. Spanien hatte mehr Ballbesitz. Aber wir haben in den beiden Spielen zuvor auch den Gegner das Spiel machen lassen und sind dann nach vorne gestoßen. Aber wir haben unsere Konter diesmal nicht zu Ende gespielt. Wir haben uns nicht konsequent daran gehalten, die Abschlüsse zu suchen und dann wieder in die Ordnung zurückzukommen.

Frage: Toni Kroos hat erst eine Großchance vergeben und stand dann nicht nah genug beim spanischen Torschützen Carles Puyol. War er bei Standards für Puyol eingeteilt?

Lahm: Die Zuordnung war mit Sicherheit nicht so vorgesehen, dass Toni bei ihm ist. Wir spielen eine Raumdeckung. Wir haben schon lange kein Gegentor mehr nach einer Ecke bekommen. Deshalb ist es sehr bitter, dass das Tor nach einer Standardsituation fällt.

Frage: War es am Ende auch eine Frage der Kraft, dass es nicht mehr zum Ausgleich gereicht hat?

Lahm: Ja, vielleicht. Man darf nicht vergessen, dass wir vorher mit England und Argentinien sehr gute Gegner hatten. Die Abstände zwischen den Spielen werden immer kürzer. Es ist mit Sicherheit nicht leicht, wenn man dann immer gegen große Mannschaften spielt.

Frage: Wie sehr hat Thomas Müller gefehlt, der mit Sprints Löcher in die gegnerische Defensive reißt?

Lahm: Klar fehlt so ein Spieler. Er hat vier Tore für uns gemacht und war sehr gut drauf. Da war es sicher bitter, dass er ausgefallen ist.

Frage: Sie haben den Vergleich. Ist der Abstand zu Spanien seit 2008 geringer geworden?

Lahm: Auf jeden Fall. Im Gegensatz zu dem Spiel vor zwei Jahren, in dem wir überhaupt keine Chance hatten, haben wir uns diesmal die eine oder andere Möglichkeit erarbeitet. Toni Kroos hatte eine Riesenchance, auch Mesut Özil besaß vor der Halbzeit eine sehr gute Gelegenheit. Das zeigt die Qualität der Mannschaft.

Frage: Nun steht am Samstag das Spiel um Platz drei bevor. Kann man sich nach einer Halbfinal-Niederlage dafür noch zu 100 Prozent motivieren?

Lahm: Schon. Wir haben ja vor vier Jahren erlebt, wie schön es ist, mit einem positiven Gefühl nach Hause zu fahren. Deswegen nehmen wir uns natürlich einen Sieg vor.

Frage: Sie haben Ihre Ansprüche geäußert, auch nach der WM Kapitän bleiben zu wollen. Wie wollen Sie Michael Ballack denn trotzdem wieder in die Mannschaft eingliedern?

Lahm: Ganz normal. Wenn man in einem Amt ist, möchte man gerne darin bleiben. Nicht mehr und nicht weniger. Das war kein Angriff auf Michael, auch kein Machtkampf. Denn die Macht liegt bei einer Person allein. Das ist der Trainer.

Frage: Soll der Ihrer Ansicht nach auch künftig Joachim Löw heißen?

Lahm: Jeder weiß, was wir vom Trainer halten. Er ist ein sehr, sehr guter. Wir sind alle überzeugt von ihm, sonst würden wir nicht so auftreten, wie wir das bei diesem Turnier getan haben.

Frage: Die deutsche Mannschaft hat die Fußballwelt bei dieser WM positiv überrascht. Welche Perspektive geben Sie diesem Team für die nächsten Jahre?

Lahm: Es ist ja eine sehr junge Mannschaft, die sich bei dieser WM sicher weiter entwickelt hat. Sie hat in diesem Turnier gezeigt, dass sie Qualität hat. Deshalb bin ich zuversichtlich für die Zukunft.

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