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Philipp Lahm erzielte in 71 Länderspielen vier Treffer © imago

Nach der Niederlage gegen Spanien erneuert Lahm seinen Anspruch aufs Kapitänsamt. Von einem Machtkampf will er aber nichts wissen.

Von Christian Stüwe und Martin van de Flierdt

München/Centurion - Rund 14 Stunden nach der bitteren 0:1-Niederlage im WM-Halbfinale gegen Spanien war die Enttäuschung bei DFB-Kapitän Philipp Lahm noch immer groß.

Doch der Blick richtete sich auch schon wieder nach vorne. "Das Gute ist, dass ich noch viele Jahre vor mir habe", erklärte der Verteidiger.260484(DIASHOW: Bilder des Spiels)

"Die Qualität in der Mannschaft ist da. Wir müssen hart arbeiten und uns weiter entwicklen, damit wir um Titel mitspielen können", sagte Lahm auf der Pressekonferenz der Nationalmannschaft am Donnerstagmittag.

Und Lahm bekräftigte noch einmal, dass er auch nach der WM in Südafrika Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bleiben will.

"Ich werde Jogi Löw die Kapitänsbinde nicht von mir aus wieder hergeben", erklärte Lahm.

Lahm: Kein Machtkampf mit Ballack

"Es ist eine Ehre für mich, Kapitän zu sein und ich würde es gerne bleiben", sagte der 26-Jährige, wollte aber nichts von einem Streit mit seinem Vorgänger wissen:

"Das hat gar nichts mit einem Machtkampf mit Michael Ballack zu tun."

Deshalb werde er auch jede Entscheidung akzeptieren:

"Wenn der Bundestrainer Michael Ballack wieder zum Kapitän macht, habe ich kein Problem damit. Das ändert nichts an unserem Verhältnis."

Auf die Frage, ob die DFB-Auswahl auch künftig den 33 Jahre alten Ballack brauchen würde, wich der WM-Kapitän aber erneut aus.

"Ich kann das nicht seriös mit ja oder nein beantworten. Das ist alleine die Entscheidung des Bundestrainers. Michael ist ein hervorragender Fußballer, mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Lahm betonte aber, dass die Mannschaft gerne mit Löw weiterarbeiten wolle. "Wir haben einen sehr guten Trainer", sagte er.

Ziel ist jetzt die Bronzemedaille

Doch zunächst steht das Spiel um dritten Platz gegen Uruguay (Sa., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) an.

Der Außenverteidiger erinnerte sich an das rundum gelungene "kleine Finale" bei der WM 2006 und hoffte, auch diesmal "die Bronzemedaille einfahren" zu können.

Allerdings könnten dabei einige Stammkräfte fehlen, da Miroslav Klose (Rückenprobleme), Mesut Özil und Sami Khedira (beide muskuläre Probleme) angeschlagen sind.

Daher kündigte Co-Trainer Hansi Flick an, dass vermutlich einige Reservisten in die Startelf rücken werden.

"Wir überlegen, den Spielern eine Chance zu geben, die bisher nicht zum Einsatz kamen", sagte der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw.

Flick hofft auf positiven Abschluss

Dennoch hoffte auch Flick auf ein abschließendes Erfolgserlebnis: "Ein dritter Platz ist auch ein gutes Ziel. Letztlich schließt das ein tolles Turnier gut ab."

Doch auch der Co-Trainer hatte die Niederlage im Halbfinale noch nicht abgehakt und berichtete von der Rückkehr der Mannschaft um drei Uhr nachts ins Quartier in Centurion.

"Ein großes Ziel, ein großer Traum ist geplatzt", sagte Flick, dementsprechend kurz sei das Zusammensein in der Nacht gewesen.

Zuspruch von der Kanzlerin

Zuspruch erhielt die DFB-Auswahl am Morgen danach von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Teammanager Oliver Bierhoff anrief.

Zum Spiel um Platz drei am Samstag wird Bundespräsident Christian Wulff einfliegen.

Die deutsche Mannschaft wird nach der Partie in Port Elizabeth noch einmal ins Teamquartier zurückreisen und dann am Sonntagabend die Rückreise in die Heimat antreten.

Keine Feier in Berlin

Eine Feier mit den Fans in Berlin wird es diesmal nicht geben.

"Es wäre unpassend, sich zwei Tage nach dem Spiel um Platz drei in Berlin feiern zu lassen", meinte Lahm, sendete jedoch in Namen des Teams "ein großes Dankeschön" an die Anhänger.

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