vergrößernverkleinern
Die deutsche Nationalmannschaft kann das Halbfinal-Aus nicht fassen © getty

Nach der Niederlage gegen Spanien leckt die DFB-Elf ihre Wunden. Zum Spiel um Platz drei erhält sie prominente Unterstützung.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Centurion - Sie hatten keinen Appetit.

Als die deutschen Nationalspieler Donnerstagfrüh gegen drei Uhr von ihrem WM-Halbfinale gegen Spanien ins Mannschaftshotel Velmore Grande zurückkehrten, erwartete sie ein reichhaltiges Buffet.

"Es wurde wenig gegessen und fast nichts getrunken", berichtete Mediendirektor Harald Stenger. Die 0:1-Niederlage war den deutschen Kickern auf den Magen geschlagen.

So verzogen sie sich bald auf ihre Zimmer. "Es herrscht eine große Enttäuschung", bekannte Philipp Lahm am folgenden Mittag. "Denn man steht schließlich nicht alle vier Jahre im Halbfinale."

Dort habe die DFB-Auswahl eben "einer Weltklassemannschaft gegenübergestanden. Um zu gewinnen, hätte es auch ein bisschen Glück gebraucht" 260484(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Statt des Finals steht nun am Samstag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) in Port Elizabeth gegen Uruguay das Spiel um Platz drei an (Der SPORT1-WM-Spielplaner).

SPORT1 beantwortet die offenen Fragen nach dem Halbfinal-K.o.:

Wie ist die Planung bis zum Uruguay-Spiel?

"Den Donnerstag nutzen wir zur Regeneration, um uns am Freitag erholt auf das kleine Finale vorzubereiten", erklärte Assistenztrainer Hansi Flick. Ein Mal noch wird die Mannschaft also im Super Stadium von Atteridgeville trainieren.

"Gegen 17 Uhr fliegen wir am Freitag dann nach Port Elizabeth und gleich nach dem Spiel zurück hierher." Zwischen dem Semifinale und dem Spiel um Platz drei liegen nur 72 Stunden.

"Die letzte Woche ist ein ganz normaler Bundesliga-Champions-League-Rhythmus", sagte Flick. "Natürlich haben die Uruguayer einen Tag länger Pause, aber das muss nichts heißen."

Zur moralischen Unterstützung des deutschen Teams wird der neue Bundespräsident Christian Wulff anreisen.

[image id="8682d5f2-65ba-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Kanzlerin Angela Merkel hatte bereits in Telefonaten mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw geäußert, dass die Mannschaft bei der WM "ein hervorragendes Bild von Deutschland abgegeben hat".

Ist die Partie Trostpreis oder reine Pflichterfüllung?

"Wir haben vor vier Jahren gesehen, wie schön ein Spiel um Platz drei sein kann", erinnert Lahm. "Davor habe ich mir nicht wirklich diese Spiele angeschaut. Sie haben auch niemanden interessiert."

2006 sei die Partie gegen Portugal (3:1) "ein sehr schönes Erlebnis gewesen, weil wir gewonnen haben. So konnten wir mit einem guten Gefühl nach Hause fahren."

Nun aber sei das große Ziel der Mannschaft mehr als dieses Spiel um Platz drei gewesen. "Wenn es dieses Spiel nun einmal für uns gibt, wollen wir auch als Sieger vom Platz gehen."

An der Entlohnung der Spieler ändert sich dadurch wohl nichts mehr. Durch den Einzug ins Halbfinale hatte jeder Akteur 100.000 Euro verdient.

Wie ist die Personallage?

Sami Khedira, Mesut Özil und Miroslav Klose sind angeschlagen aus dem Halbfinale gegangen. Während Khedira und Özil über muskuläre Probleme klagen, wird Klose von Rückenschmerzen geplagt.

"Er ist nach einem Kopfball unglücklich auf die Wirbelsäule gefallen", berichtete Flick. "Man muss sehen, inwieweit Miro zur Verfügung steht." Der Torjäger kann am Samstag noch Ronaldo als besten Schützen der WM-Geschichte einholen.

Gegen Uruguay dürfen sich auch Dennis Aogo, Serdar Tasci und Tim Wiese, die bislang in Südafrika noch gar nicht gespielt haben, Hoffnungen auf einen Einsatz machen (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Wir überlegen, ob wir den einen oder anderen Spieler belohnen", sagte Flick. "Sie haben alle tolle Arbeit geleistet und sich eine Chance verdient. Da kann man etwas zurückgeben. Ich denke, dass uns neues, frisches Blut ganz gut tut."

Gibt es einen Machtkampf zwischen Lahm und Ballack?

"Mir wurde eine einfache Frage gestellt und ich habe einfach geantwortet", verteidigt Lahm seine jüngste Aussage, er werde die Kapitänsbinde "nicht freiwillig zurückgeben". "Das hat gar nichts mit einem Machtkampf mit Michael Ballack zu tun."

Wenn der Bundestrainer Ballack wieder zum Kapitän mache, "habe ich kein Problem damit. Das ändert nichts an unserem Verhältnis."

Dass Ballack in die Nationalmannschaft zurückkehrt, steht für Bastian Schweinsteiger fest:

"Er wird auf jeden Fall zurückkommen. Er ist ein Spieler, der mit seiner Erfahrung sehr wichtig ist. Ich bin der Meinung, dass er uns schon weiterhelfen würde."

Gibt es Neues in der Trainerfrage?

Nicht wirklich. "Darüber wird nach dem Turnier darüber gesprochen", sagte Joachim Löw in Durban. "Diese Mannschaft wird, egal mit welchem Trainer, in den nächsten Jahren zusammen sein. Ihre Entwicklung ist noch nicht zu Ende."

Philipp Lahm meinte nur: "Die Mannschaft braucht einen sehr guten Trainer. Joachim Löw ist einer."

Warum kommt die Mannschaft nicht ans Brandenburger Tor?

"Wir spielen ja Samstag, fliegen an Sonntagnachmittag und landen dann Montag in der Früh in Deutschland", erläuterte Lahm. "Ich glaube, es wäre unpassend, sich zwei Tage nach dem Spiel um Platz drei feiern zu lassen."

Zumal die Mannschaft Schweinsteigers Ansicht teilt, dass es nur mit dem Pokal in den Händen Sinn ergeben hätte, noch einmal nach Berlin zu reisen.

"Wir waren jetzt neun Wochen zusammen, wir haben den Fans tolle Partylaune vermittelt", meinte Flick.

"Man muss den Spielern nun ihren Urlaub zugestehen. Es ist wichtig, dass sie in Ruhe auch einmal die Füße baumeln lassen können."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel