Durch Ballacks Attacken ist Löw zum Handeln gezwungen, will er glaubwürdig bleiben. Doch den Machtkampf kann eigentlich keiner gewinnen.

Es gibt eigentlich nur eine Erklärung für Michael Ballacks harte öffentliche Vorwürfe gegen Joachim Löw:

Dem Kapitän und 89-maligen Nationalspieler ist der Kragen geplatzt.

Offenbar haben sich seit dem EM-Finale zahlreiche Dinge aufgestaut, die für sich genommen kein größeres Thema sind.

In der Summe aber sorgten sie dafür, dass das Fass endgültig überlief.

Im Kern fühlt Ballack sich und seine langjährigen Mitstreiter wie Torsten Frings und Miroslav Klose nicht mehr angemessen gewürdigt.

Der 31-Jährige beklagt daher in teilweise harten Worten fehlenden Respekt und mangelnde Rückendeckung von Löw - und hat sich damit in eine Sackgasse manövriert.

Denn der Bundestrainer ist nun zum Handeln gezwungen und muss ein klares Zeichen setzen, um intern und extern glaubwürdig zu bleiben.

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Sogar ein unrühmliches Ende von Ballacks erfolgreicher DFB-Karriere ist denkbar, wenn er bei seinen Vorwürfen bleibt.

Nur bei einer Entschuldigung des Spielführers könnte es wohl zumindest vorerst zu einer Versöhnung kommen - dann aber würde Ballack als Verlierer im Machtkampf dastehen.

Ob der beste deutsche Fußballer das mitmacht, ist äußerst zweifelhaft. Denn in den vergangenen Monaten hat er sich höchst selten kompromissbereit gezeigt.

Exemplarisch dafür stand sein Streit mit Teammanager Oliver Bierhoff nach dem EM-Finale, der trotz mehrerer Friedensgipfel bis heute nur vordergründig ausgeräumt ist.

Doch auch Löw wandelt auf dünnem Eis. Wenn Ballack nicht zurückrudert, wäre ein Rauswurf eigentlich die logische Konsequenz.

Dann aber würden weitere Rücktritte folgen, vermutlich nicht nur von Torsten Frings. Und die Mannschaft wäre endgültig in pro und contra Ballack gespalten.

Vor allem aber wäre das Team ohne den einzigen Weltklasse-Spieler erheblich geschwächt.

Denn auch bei schwächeren Auftritten wie zuletzt gegen Russland und Wales macht allein schon Ballacks Präsenz die DFB-Auswahl stärker. Von einem Ballack in Topform ganz zu schweigen.

Löw würde daher bei einer Entscheidung gegen den Kapitän massiven Gegenwind von Fans und Medien bekommen. Und der würde bei Misserfolgen schnell zum Orkan werden.

Dabei kann man Löw den neu ausgerufenen Konkurrenzkampf in keiner Weise vorwerfen. Nach den insgesamt wenig überzeugenden Leistungen der müden WM-Helden bei der Europameisterschaft war er vielmehr unumgänglich.

Vorwerfen muss man dem Bundestrainer allem Anschein die Art und Weise seines Vorgehens. Anders ist es kaum zu erklären, dass er in so kurzer Zeit gleich mehrere Leistungsträger gegen sich aufgebracht hat.

Der fehlende Anruf bei Ballack nach dessen Fußoperation war dann offenbar das letzte Detail, das zum großen Ausbruch führte.

Nun aber scheint ein Weg zurück ohne Gesichtsverlust für eine der beiden Seiten kaum mehr möglich.

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