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Joachim Löw (r., hier mit Theo Zwanziger) ist seit 2006 Trainer des DFB-Teams © imago

Die Anzeichen verdichten sich, dass der Bundestrainer weitermacht. Doch der DFB um Präsident Zwanziger rudert vorerst zurück.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Centurion - Die Tendenz war schon am Mittwochabend nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Spanien (0:1) herauszuhören. 260484(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Die Trainerfrage wird nach dem Turnier geklärt", wiederholte Joachim Löw zwar gebetsmühlenartig auf die immer wieder kehrende Frage nach seiner Zukunft.

Doch seine Identifikation mit der Aufgabe des Bundestrainers und die Lust, das Amt weiter zu bekleiden, waren in der Formulierung anderer Antworten zu erkennen.

"Ich bin ich stolz auf meine Mannschaft", sagte Löw etwa oder: "Wir sind nicht demoralisiert. Wir haben ein gutes Turnier gespielt und werden noch besser werden."

Löws Kurs "rapide gestiegen"

Gemeinsam, wie es scheint.

Denn inzwischen hat auch DFB-Präsident Theo Zwanziger gemerkt, dass der Bundestrainer eine derart gute Verhandlungsposition besitzt, dass es geboten ist, seine Bedingungen für eine Vertragsverlängerung zu akzeptieren.

"Es ist wie bei den Spielern: Eine WM ist wie eine Börse - und Löws Kurs ist rapide gestiegen", urteilte Günter Netzer dazu in der "Welt".

Den Trainer hatte Zwanziger ohnehin immer halten wollen. Löw allerdings hatte stets betont, seinen bewährten Stab weiterhin um sich haben zu wollen.

Zwanzigers Probleme mit Bierhoff und Stenger

Zwanziger wiederum hatte insbesondere mit der Personalie Oliver Bierhoff seine Probleme. Auch der Vertrag von Mediendirektor Harald Stenger wurde zum Jahresende gekündigt.

Stellvertretend für die deutsche Fußballöffentlichkeit bezog aber nun Uli Hoeneß Mitte der Woche klar Position.

"Ich hoffe sehr, dass es gelingt, Jogi Löw, aber auch sein ganzes Team zu binden", meinte der Präsident des FC Bayern. "Ich bin sehr dafür, dass auch Oliver Bierhoff weiter verpflichtet wird."

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Erstaunliche Einsicht

Es ist erstaunlich, wie schnell danach von Zwanziger ein Satz zu hören war, der Einsicht vorgaukelte: "In der Tat sollte man ein intaktes Team nicht ohne zwingende Gründe auseinander reißen."

Dass der DFB-Boss im Herbst wiedergewählt werden will, erklärt, warum Zwanziger nun mit dem Strom schwimmt.

Weil die "Bild" dem Verbandspräsidenten sehr eng verbunden ist, weiß sie nicht nur um Zwanzigers Einlenken, sondern verkündete nun auch die damit verbundene Konsequenz: "Jogi macht weiter!"

Zwei Jahre Vertragslaufzeit

Auch die Vertragslaufzeit von zwei Jahren sei bereits vereinbart, schrieb das Blatt forsch.

Und: Zwanziger werde den Kontrakt bei der Präsidiumssitzung am 30. Juli von seinen Vorstandskollegen absegnen lassen.

Zwanziger dementiert

Dem indes widersprach Zwanziger im "ARD-Morgenmagazin": "Es gibt keine Verabredungen, die wir je getroffen hätten. Aber die Chancen stehen gut, weil der Bundestrainer weiß, dass wir hinter ihm stehen."

Von einer Einigung kann demnach noch keine Rede sein, wenngleich der DFB-Präsident hinzufügt:

"Wir haben seit Jahren eine sehr gute Nachwuchsarbeit und exzellente Möglichkeiten für die Zukunft. Das sind Voraussetzungen, die einen ehrgeizigen Trainer wie Löw interessieren dürften."

Auch Niersbach wiegelt ab

Und auch Generalsekretär dementierte: "Es gibt keinen neuen Stand der Dinge. Wir sprechen nach der WM, aber es gibt noch keinen festen Zeitpunkt. Grundsätzlich ist es so, dass wir bis zu unserer Präsidiumssitzung am 30. Juli eine Entscheidung haben wollen."

Niersbach wiederholte zudem, dass es beim ersten Länderspiel der neuen Saison am 11. August gegen Dänemark in Kopenhagen keine Interimslösung auf der deutschen Bank geben wird.

Auch die Zukunft von Teammanager Oliver Bierhoff werde in den nächsten Wochen geklärt.

Warten auf die Bestätigung

Es sei daran erinnert, dass die "Bild" schon im vergangenen Dezember von einem Handschlagsvertrag zwischen Löw und Zwanziger berichtete - den es am Ende doch nicht gab.

Es empfiehlt sich daher mehr denn je, auf die offizielle Bestätigung der Einigung zu warten. Auch wenn davon auszugehen ist, dass sie bald kommen wird.

"Dieser Job ist eine Spielwiese im Paradies für Löw", sieht auch Netzer keinen Grund für den Bundestrainer, die Kommandobrücke zu verlassen.

"Die Art und Weise, wie er beim DFB arbeiten kann, ist wie ein Job im Garten Eden. Kein anderer Verband auf der Welt bietet einem Trainer solche Voraussetzung und Organisation." (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Gehaltsanpassung angebracht

Auch Löws Gehalt dürfte dann angehoben werden.

"Der DFB muss jetzt bereit sein, zu zahlen wie im Ausland", hatte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gefordert. "Man weiß ja, was zum Beispiel ein Fabio Capello verdient."

Löws bisheriges Jahressalär von rund 2,5 Millionen Euro nimmt sich gegen die 7,3 Millionen des Italieners in Diensten des englischen Verbands fast bescheiden aus.

Dass der DFB als reichster Einzelsportverband der Welt in der Lage ist, sowohl Löw als auch seinen Trainerstab trotz gestiegener Ansprüche zu finanzieren, steht außer Frage.

Geld kommt vielfach wieder rein

Zumal das Geld durch die Erfolge bei den jüngsten Turnieren und die Vermarktung der Mannschaft durch Bierhoff vervielfacht wieder reinkommt.

Löws Hauptanreiz für die Fortsetzung seiner Arbeit liegt aber wohl im Potenzial der jungen Mannschaft.

Franz Beckenbauer sieht es genauso: "Das ist sein Team."

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