vergrößernverkleinern
Schweinsteiger (l.) spielte von 2002 bis 2006 zusammen mit Ballack für den FC Bayern © imago

Der Mittelfeldspieler wünscht sich Michael Ballack nach dessen Rückkehr wieder als Kapitän der DFB-Elf. Lahm müsse zurückstecken.

Von Matthias Becker und Martin van de Flierdt

München/Port Elizabeth - Der Streit um die Kapitänsfrage in der deutschen Nationalmannschaft flammt neu auf.

Am Tag des Spiels um Platz drei gegen Uruguay eröffnet ausgerechnet Bastian Schweinsteiger die nächste Runde.

Er spricht sich dafür aus, dass der momentan verletzte Michael Ballack nach seiner Rückkehr wieder Kapitän der Nationalmannschaft werden soll.

"Er ist Kapitän dieser Mannschaft, und wenn er zurückkommt, wird er auch wieder die Binde tragen", sagte Schweinsteiger im Interview mit der "Welt am Sonntag".

Lahm wiederholt seine Ansprüche

Mit dieser klaren Positionierung geht er auf Konfrontationskurs mit dem aktuellen DFB-Spielführer Philipp Lahm.

Der Mannschaftskollege Schweinsteigers bei Bayern München hatte nach Ballacks Ausfall von Bundestrainer Joachim Löw die Kapitänsrolle übertragen bekommen.

Vor dem Halbfinale gegen Spanien und auch nach dem Ausscheiden gegen den Europameister hatte Lahm erklärt:

"Ich werde Jogi Löw die Kapitänsbinde nicht von mir aus wieder hergeben." Es sei eine Ehre, Kapitän zu sein und "ich würde es gerne bleiben", erläuterte Lahm.

"Ballack der Kapitän"

Diese Einstellung ist für Schweinsteiger nicht nachzuvollziehen. "Zwei Kapitäne, das wäre einer zu viel auf dem Platz. Für mich ist Ballack der Kapitän dieser Mannschaft. Philipp hat nur wegen Michaels Verletzung das Amt übernommen und seine Sache gut gemacht", sagte Schweinsteiger.

Auch Ballacks zukünftiger Klubtrainer Jupp Heynckes schlägt sich im SPORT1-Interview ganz klar auf die Seite seines neuen Schützlings. Die Diskussion um das Kapitänsamt sei zur Unzeit entsstanden:

"Letztlich entscheidet nur der Bundestrainer über das Kapitänsamt. Alles andere ist nur Gequatsche. Wenn ein Spieler über 55 Mal die Kapitänsbinde getragen hat, ist so etwas doch völlig überflüssig."

Lahm versichert zwar, dass sein Verhalten "nichts mit einem Machtkampf mit Michael Ballack zu tun", habe und er kein Problem damit habe, "wenn der Bundestrainer Michael Ballack wieder zum Kapitän macht."

Auf der anderen Seite will er sich zur sportlichen Bedeutung des 33 Jahre alten Ballacks nicht konkret äußern. "Michael ist ein hervorragender Fußballer, mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Auch das sieht Bastian Schweinsteiger in der "Welt am Sonntag" anders. Ballack sei ein sehr erfahrener Spieler, "der große Qualitäten besitzt", erklärte Schweinsteiger, der bei der WM zusammen mit dem Stuttgarter Sami Khedira im defensiven deutschen Mittelfeld agiert hatte. 261178(DIASHOW: Die Favoriten für den Goldenen Ball)

Lob für Khedira

Die Frage, ob es mit Ballack bei der WM noch besser gelaufen wäre, wollte Schweinsteiger nicht erörtern. Das sei weder "ihm noch Sami gegenüber fair. Die Diskussion ist spekulativ, wir werden ja nie erfahren, was passiert wäre, wenn Michael sich nicht verletzt hätte."

Khedira habe nach Ballacks Verletzung unter Beweis gestellt, "dass er ihn vertreten kann. Er ist ein guter Spieler, und wenn man mit solchen Spielern zusammenspielt, ist es einfach. Sami hat einen sehr guten Job gemacht, es war ja das erste Turnier für ihn mit der Nationalmannschaft", betonte Schweinsteiger.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel