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Die deutsche Nationalmannschaft wurde bei einer WM zum zweiten Mal in Folge Dritter © imago

Das deutsche Nationalteam verlässt Südafrika und reist mit stolz geschwellter Brust und frisch erworbenem Renommee in die Heimat.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Centurion/Johannesburg - Mit dem Jungfernflug des Super-Airbus A380 der Lufthansa hatte die Reise der deutschen Nationalmannschaft nach Südafrika am 6. Juni begonnen.

Der Riesenflieger bringt die besten Kicker des Landes nun auch wieder in die Heimat zurück.

Am Sonntagabend ging es kurz vor dem Abpfiff des WM-Endspiels vom Johannesburger Flughafen O.R. Tambo zurück.

Im Gepäck: Eine Menge Eindrücke und das Bewusstsein einer grandiosen Turnierleistung, die noch zu Beginn der WM-Vorbereitung Mitte Mai niemand für möglich gehalten hatte.

"Unglaublich intensiv und hart gearbeitet"

"Wenn man bedenkt, wie wir vor einigen Wochen auf Sizilien begonnen haben und mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen hatten, kann ich der Mannschaft nur ein großes Kompliment machen", lobte Bundestrainer Joachim Löw daher.

"Sie hat unglaublich intensiv und hart gearbeitet und nie nachgelassen." 261782(DIASHOW: Die DFB-Elf in der Einzelkritik)

Mannschaftsrat schafft gutes Arbeitsklima

Auch ein Verdienst des neuen Mannschaftsrats, der offenbar ein sehr leistungsförderndes Arbeitsklima im DFB-Quartier Velmore Grande geschaffen hat.

Von internen Streitigkeiten oder einem Lagerkoller war in den gut fünf Wochen in Centurion nichts zu spüren.

"Wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, aber auch Miroslav Klose, Arne Friedrich und Per Mertesacker die Mannschaft geführt haben, mit welcher Professionalität und emotionaler Intelligenz, das war hervorragend", zeigte sich Löw angetan.

"Die Mannschaft hat ein Bild der Geschlossenheit abgegeben. Das Teamgefühl war durchgängig vorhanden. Wir haben gesehen, dass die Spieler bereits Charakter und Werte vermitteln können."

Das Loch kommt nach dem Halbfinale

In erster Linie überzeugten sie jedoch auf dem Platz, und das auf ganzer Linie.

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"Wir haben sportlich ein weltmeisterliches Turnier gespielt, obwohl wir den ganz großen Coup verpasst haben", erklärte der Bundestrainer.

"Die Motivation, ins Finale zu kommen, war riesengroß. Deshalb war klar, dass wir nach dem 0:1 gegen Spanien in ein Loch fallen. Aber gegen Uruguay haben wir gezeigt, dass wir die Moral und Kampfkraft besitzen, um wieder aufzustehen." 261784(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Er habe schon "ein weinendes Auge wegen des Halbfinals", räumte auch Schweinsteiger ein.

"Aber ich bin stolz darauf, wie sich die Mannschaft hier gefunden hat. Wir sind in den letzten vier Jahren näher an die Spitze herangekommen. Das macht mich stolz."

"Niemand verliert so gut wie Deutschland"

Die internationale Presse hält das für nachvollziehbar.

"Deutschland erreicht zum zweiten Mal in Folge den dritten WM-Platz", schreibt stellvertretend die italienische "Gazzetta dello sport".

"Da die Deutschen bei der WM 2002 und bei der EM 2008 auf Platz zwei gelandet sind, muss man zugeben, dass niemand so gut wie sie verlieren kann. Die Kontinuität auf hohem Niveau der deutschen Schule ist ein Beispiel für jeden."

Schweinsteiger ist daher zuversichtlich, dass sich die DFB-Auswahl künftig nicht mehr mit der Rolle des ehrenhaften Verlierers begnügen muss: (GAMES: Das WM-Tippspiel)

"Mein Herz mir sagt, dass wir eine große Zukunft vor uns haben. Wenn wir uns so weiterentwickeln, werden wir irgendwann auch wieder einen Titel nach Deutschland holen."

Löws Zukunft weiter offen

Ob das noch unter Löws Leitung geschieht, ist allerdings weiter fraglich (Ausgezeichneter Löw zögert weiter).

"Ich muss wir ein paar Gedanken machen, Visionen schaffen. Und überlegen, ob ich auch weiterhin die Kraft und Energie habe, die Mannschaft weiter voranzubringen", sagte der grippgeschwächte 50-Jährige mit angeschlagener Stimme am Sonntagmittag.

"Das kann ich so unmittelbar nach dem Turnier nicht sagen. Erstmal brauche ich zwei, drei Tage Abstand."

Bis zur Landung in Frankfurt am Montagmorgen um 6.35 Uhr wird er mit seinen Gedankenspielen noch nicht wesentlich weiter sein.

Thomas Müller blickte dagegen schon vor dem Abflug nach vorne.

"Auch wenn der dritte Platz kein wirklicher Trost ist, können wir jetzt einigermaßen zufrieden nach Hause fahren", meinte der Shootingstar.

"Und nun packen wir es eben beim nächsten Mal."

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