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Tim Wiese bestritt bisher zwei Länderspiele für Deutschland © imago

Weil er ohne WM-Einsatz blieb, zeigt sich der Keeper enttäuscht - und wettert gegen Löw. Der "Kaiser" adelt hingegen den Bundestrainer.

Von Rainer Nachtwey

München - Während der WM blieb er still, stellte sich "in den Dienst der Mannschaft" und verzichtete auf Theater.

Doch kaum ist das Abenteuer Südafrika für die deutsche Nationalmannschaft beendet, ließ Tim Wiese seinem Frust freien Lauf.

"Eine erfolgreiche WM für mich. Ich habe ja auch viele Spiele gemacht", sagte der Bremer Keeper zynisch, um anschließend nachzuschieben:

"Es ist so frustrierend, wenn du hundert Prozent gibst und du doch nicht aufgestellt wirst."

Keine Chance trotz Adlers Ausfall

Nach dem Ausfall der eigentlichen Nummer eins Rene Adler schienen seine Chancen, die WM als Stammkeeper zu bestreiten, zu steigen.

Doch Bundestrainer Joachim Löw entschied sich für Manuel Neuer, und Wiese meint im Rückblick:

"Mir war schon vor drei Jahren klar, dass ich nicht spiele. Der Grund wurde mir leider nie genannt."

Lob von Bierhoff

Dennoch ließ der 27-Jährige während des Trainings nicht nach, legte zudem Extra-Schichten ein, um an seiner Schnellkraft zu arbeiten und erhielt dafür Anerkennung von Oliver Bierhoff.

"Tim hat sich hervorragend eingebunden. Er hat der Mannschaft als Typ sehr gut getan und im Training nie nachgelassen", lobte ihn der Teammanager 262274(DIASHOW: Die Ankunft des DFB-Teams).

Keine einzige Spielminute

Als Lohn für seinen Ehrgeiz und sein Stillhalten stellte ihm Löw einen Einsatz im Spiel um Platz drei gegen Uruguay in Aussicht.

Eine Schleimbeutel-Entzündung machte Wiese jedoch einen Strich durch die Rechnung und er beendete das Turnier als Einziger aus dem 23-Mann-Kader ohne eine Spielminute.

"Wäre es ein Halbfinale oder Endspiel gewesen, hätte ich mit einem Bein gespielt. So wollte ich kein Risiko eingehen", begründete er seinen Verzicht.

Weiter für Deutschland

Trotz der Enttäuschung will Wiese die Hoffnung als Deutschlands Nummer eins aber nicht aufgeben und seine Karriere im DFB-Trikot fortsetzen. "So bitter es für mich auch war: Ich stehe Deutschland weiter zur Verfügung."

Ob Löw und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke nach Wieses Frustabbau via Medien und nach Adlers Rückkehr weiter mit ihm planen, darf zumindest angezweifelt werden.

Zumal Konkurrent Manuel Neuer Ansprüche anmeldet. "Ich habe mich während der WM als Nummer Eins gefühlt und will selbstverständlich auch weiter die Nummer Eins bleiben", sagte er in der "Bild".

Demnach könnte einzig ein neuer DFB-Coach Wieses Situation wohl verbessern.

Lob vom "Kaiser"

Geht es nach Franz Beckenbauer, wird es dazu aber nicht kommen.

Der Weltmeister von 1974 und 1990 zeigte sich in der "Bild" erneut äußerst angetan von Löw und seinem Stab und erneuerte seinen Wunsch nach deren Verbleib beim DFB (Löw kündigt zeitnahe Entscheidung an).

"Löw hat unserer Nationalmannschaft ein Gesicht gegeben", adelte der "Kaiser" den Bundestrainer.

"Wie er in den Wochen der Vorbereitung aus der Mischung von schwächelnden Nationalspielern wie Lukas Podolski und Miroslav Klose mit jungen Burschen wie Thomas Müller eine Einheit geformt hat, verdient großes Lob."

Als Einheit arbeiten

Aber auch für DFB-Sportdirektor Matthias Sammer fand Beckenbauer lobende Worte. "Seit er die Nachwuchs-Nationalteams koordiniert, ist der Aufschwung messbar."

Abzulesen sei dies an den EM-Titeln der U 19 und U 21.

Daher mahnte DFB-Präsidiumsmitglied Beckenbauer an, es sei besonders wichtig, dass es "zwischen Löw und Sammer einen engen persönlichen Draht gibt, um Irritationen zu verhindern".

Kompetenzgerangel wie in der Vergangenheit um die U 21 dürfe es nicht mehr geben.

"Da muss man sich auch mal zusammenraufen. Das muss allen die Zukunft des deutschen Fußballs wert sein."

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