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Joachim Löw (l.) und Matthias Sammer arbeiten seit 2006 zusammen beim DFB © imago

Der potenzielle Nachfolger glaubt an eine baldige Vertragsverlängerung des Bundestrainers. Dafür plädieren Hoeneß, Völler und Bach.

München - Die Rufe nach einer raschen Vertragsverlängerung von Joachim Löw werden immer lauter.

Während Löw derzeit bei Fahrrad-Touren im heimischen Schwarzwald den Kopf frei bekommen will, haben sich Uli Hoeneß, Rudi Völler und Thomas Bach für den Bundestrainer stark gem acht.

Und sogar Matthias Sammer, bisher immer als potenzieller Nachfolger genannt, geht von einer baldigen Einigung mit dem DFB aus.

"Er hat der Mannschaft seine Handschrift verpasst und seine Vorstellungen vom attraktiven Fußball umgesetzt", sagte der DFB-Sportdirektor der "Welt".

"Ich bin überzeugt, dass Löw verlängern wird."

Kein Streit um Kompetenzen

Auch von einem Streit mit dem Bundestrainer um Kompetenzen, etwa bei der U-21-Nationalmannschaft, wollte Sammer nichts wissen.

Er habe "kein Problem" mit Löw, sagte er., plädierte jedoch gleichzeitig für eine klare Abgrenzung der Befugnisse.

"Löw wird verhandeln, wie er sich in Zukunft aufstellen möchte, und das Präsidium wird dann entscheiden, ob es seinen Weg für richtig hält", erklärte der Europameister von 1996:

"Ich glaube, es ist für den DFB sehr wichtig, dass er zwischen Aufgaben unterscheidet, die in der Tagesaktualität einer Mannschaft liegen und damit in den Bereich des Trainers fallen und zwischen den Tätigkeiten eines Sportdirektors, der für die sportlich-strategische Ausrichtung im Verband zuständig sein muss."

Rücktritt kein Thema

Einen Rücktritt für den Fall auch eines Verbleibs von Teammanager Oliver Bierhoff, mit dem er angeblich im Clinch lieg, schloss Sammer ebenfalls aus:

"Für mich ist das personenunabhängig. Ich beschäftige mich überhaupt nicht mit dem Gedanken, etwas aufzugeben, in das ich viel Herzblut investiert habe."

Gleichzeitig setzte er Löw unter Druck und forderte für die Zukunft zählbare Erfolge.

"Grundsätzlich stimmt es, dass unser Anspruchsdenken sein muss, einen Titel zu gewinnen. In der Weltspitze sind wir wieder etabliert. Jetzt müssen wir auch Titelgewinne anstreben."

"Gefahr, dass vieles kaputt gemacht wird"

Solche Erfolge sind nach Ansicht von Uli Hoeneß allerdings nur durch einen Verbleib Löws zu gewährleisten.

"Ich sehe wirklich die Gefahr, dass vieles kaputt gemacht wird, was in den letzten Wochen aufgebaut wurde, dass die Euphorie an den Verhandlungstischen zerstört wird", sagte der Weltmeister von 1974 dem "Stern".

"Deshalb muss es ganz einfach gelingen, dass Joachim Löw bleibt - und zwar zusammen mit seinem gesamten Team", erklärte Hoeneß, der auch Bierhoff einschloss.

Als Voraussetzung müsse der DFB laut Hoeneß intern daher die Fronten klären.

"Deshalb muss es auch gelingen, dass der DFB es schafft, dass Löw und Sammer künftig an einem Strang ziehen", sagte der ehemalige Bayern-Manager.

Völler: "Löw würde sich um seinen Lohn bringen"

Ähnlich sieht es Rudi Völler.

Der 50-Jährige hatte in der "Bild" erklärt, es würde ihn sehr freuen, wenn Löw weitermache. Sonst "wäre es schade für den Jogi".

Löw "würde sich um seinen Lohn bringen", erklärte Völler weiter: "Denn mit dem Team, das so viel Qualität hat, sind Titel drin. Die Mannschaft trägt Jogis Handschrift." 262274(DIASHOW: Die Ankunft des DFB-Teams)

Völler, der 2002 als Bundestrainer Vize-Weltmeister wurde, vergleicht die Situation mit dem spanischen Team.

"Kommt ein Neuer, würde er sich ins gemachte Nest setzen. Wie in Spanien. Da hat Aragones 2008 ein Team hinterlassen, mit dem Del Bosque jetzt Weltmeister wurde", sagte Völler.

Gespräche beginnen offenbar nächste Woche

Ob sich Löw von diesen Argumenten beeindrucken lässt, wird sich spätestens zum Monatsende zeigen.

Bis zur DFB-Präsidiumssitzung am 30. Juli soll Klarheit über die Zukunft des Trainers, der sein Team bei der zu Ende gegangenen WM auf den dritten Platz geführt hat, herrschen.

Die Gespräche zwischen dem gebürtigen Schönauer und dem DFB werden offenbar in der nächsten Woche beginnen.

Auch Bach und Beckenbauer hoffen

Nach Ansicht von Bach sollte am Ende der Verhandlungen der Verbleib Löws stehen.

"Ich glaube, dass Joachim Löw die Früchte seiner guten Arbeit ernten will", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes der "Sport-Bild".

"Was wir bei der WM in Südafrika gesehen haben, war doch erst der erste große Schritt beim Aufbau einer neuen Mannschaft. Das spielt sicher eine Rolle bei seinen Überlegungen."

Schon am Dienstag hatte sich Beckenbauer für Löw stark gemacht.

"Die vernünftigste Lösung für den gesamten Fußball: Alle Beteiligten bleiben in ihren Ämtern und arbeiten konstruktiv zusammen", sagte der "Kaiser" der "Bild" und meinte weiter:

"Zwischen den sportlich Verantwortlichen Löw und Sammer muss es einen engen persönlichen Draht geben, um Irritationen zu verhindern, wie es sie in der Vergangenheit um die Kompetenz für die U 21 gegeben hat. Da muss man sich auch mal zusammenraufen. Das muss allen die Zukunft des deutschen Fußballs wert sein."

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