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Torsten Frings (r.) schoss in 78 Länderspielen zehn Tore für Deutschland © getty

Nach seiner erneuten Attacke auf Joachim Löw muss der Bremer mit dem Äußersten rechnen. Unersetzlich ist er im DFB-Team nicht.

Von Martin Volkmar

München/Athen ? Am Donnerstag herrschte beim Deutschen Fußball-Bund Ruhe nach dem Sturm.

Es gebe keine weiteren Stellungnahmen zum Machtkampf in der Nationalmannschaft, hieß es, es sei alles gesagt.

Ob das den Tatsachen entspricht, darf allerdings bezweifelt werden.

Denn während eine mögliche Strafe gegen Michael Ballack vom Ausgang des Krisengipfels mit Joachim Löw abhängt, könnte es für Torsten Frings schon zu spät sein.

Verschiedene Strafen für Ballack möglich

Beim DFB-Kapitän ist noch offen, ob er mit einer Abmahnung davonkommt, eine Denkpause beim Länderspiel gegen England (19. November) erhält oder den Entzug der Spielführerbinde befürchten muss.

Sollte er bei seinen öffentlichen Vorwürfen bleiben, ist sogar der Rauswurf aus der Nationalmannschaft wahrscheinlich.

Frings dagegen provoziert schon jetzt seine Verbannung aus der DFB-Auswahl, weil er nach dem Champions-League-Spiel zwischen Panathinaikos Athen und Werder Bremen (2:2) weiteres Öl ins Feuer goss.

Trotz Löws klarer Ansage am Mittwochnachmittag, keine Attacken in den Medien am Trainerstab zu dulden, schloss sich der Mittelfeldspieler nur wenige Stunden später inhaltlich den Vorwürfen Ballacks an.

"So was geht einfach nicht"

"Was mich aufgeregt hat, war die Art und Weise, wie man es damals mit mir gemacht hat, wie man mit mir umgesprungen ist. So was geht einfach nicht", schimpfte Frings.

Angeblich hatte Löw ihm erst am späten Abend vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (2:1) die Degradierung auf die Ersatzbank mitgeteilt, wo er auch danach gegen Wales (1:0) Platz nehmen musste.

Darauf wollte Frings zwar nicht näher eingehen, meinte aber: "So geht es einfach nicht. Dass Michael Ballack das offen anspricht ist sein gutes Recht. Er ist Kapitän der Mannschaft und merkt auch, wenn etwas nicht korrekt abläuft."

Vorwürfe gegen Löw bekräftigt

Indirekt bekräftigte er damit Ballacks Vorwürfe des fehlenden Respekts und der mangelnden Loyalität bei Löw gegenüber langjährigen Leistungsträgern.

"Vielleicht sollte man sich mal Gedanken machen, warum es so ist. Gestandene Spieler regen sich ja nicht ohne Grund auf, sind sauer oder fordern etwas ein", meinte der Bremer.

Furcht vor Konsequenzen seines verbalen Nachtretens zeigte Frings nicht, im Gegenteil. "Wie soll Löw denn reagieren? Ich hab ja jetzt schon nicht gespielt. Was soll mir schon passieren?", fragte er ironisch.

Die Antwort in Form seines Rauswurfs könnte er bekommen, noch ehe er selber über den Rücktritt aus der Nationalelf entschieden hat. Er werde in Ruhe darüber nachdenken, "ob ich noch eine Perspektive sehe", sagte Frings.

Werder-Boss hoffen auf klärende Aussprache

Auch die Werder-Verantwortlichen hoffen auf eine Versachlichung der aufgeheizten Situation.

"Jetzt muss direkt miteinander geredet werden. Es wäre schade, wenn ein solcher Spieler vorzeitig seine Nationalelf-Karriere beenden würde", meinte Sportdirektor Klaus Allofs, der auf eine klärende Aussprache mit Löw setzt.

Offen, ob es die noch geben wird. Denn ein Verlust von Frings wäre aufgrund der starken Konkurrenten im defensiven Mittelfeld wohl noch zu verkraften.

Ganz anders stellt sich die Situation bei Ballack dar, der sportlich derzeit kaum zu ersetzen ist. Entsprechend schwer dürfte eine Lösung des Konflikts werden.

Volle Rückendeckung von DFB und Bundesliga

Löw kann sich allerdings der vollen Rückendeckung von Verband und aus der Liga sicher sein. "Jogi Löw ist für uns als Bundestrainer unverzichtbar. Daran gibt es gar keine Zweifel", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der "Frankfurter Rundschau".

Und Bayern-Boss Karl Heinz Rummenigge forderte ein Einlenken des Kapitäns: "Michael Ballack sollte sich beim Bundestrainer entschuldigen. Nur so lässt sich das Ganze aus der Welt schaffen."

Der Chelsea-Star selbst sagte der "Bild", er freue sich auf das Gespräch in Freiburg. Und: "Ich freue mich, dass der Trainer wieder den Dialog mit mir sucht."

Eine neue Spitze gegen Löw oder die ehrliche Bereitschaft zur Versöhnung?

Was soll Löw mit Frings und Ballack machen? Jetzt mitdiskutieren!

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