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Joachim Löw (r.) übernahm 2006 als Chefcoach die Nationalelf © getty

Der Freiburger hat noch immer keine Entscheidung getroffen. Beim Treffen mit seiner Crew standen andere Dinge auf dem Plan.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Nationalelf ist im Moment ohne Führung: Joachim Löw hat kein aktuelles Arbeitspapier, ist formell also ein Bundestrainer außer Dienst.

Aus Sicht des DFB soll sich dieser wackelige Zustand schnellstmöglich ändern.

Auch Löw und sein Truppe um Team-Manager Oliver Bierhoff wollen eine Einigung - übertrieben eilig haben sie es allem Anschein nach nicht.

Denn beim Freiburger Treffen von Löw, Bierhoff, Assistent Hansi Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke am Freitag ging es nicht um den künftigen Vertrag mit dem DFB.

"Es gibt noch keine Entscheidung"

"Wir haben zunächst mal die WM analysiert, das stand im Vordergrund. Beim nächsten Treffen werden wir dann mal besprechen, wie es weitergeht. Es gibt noch keine Entscheidung", sagte Löw.

Und er ergänzte: "Ich werde mich in den kommenden Tagen noch einmal mit Oliver, Hansi und Andreas zusammensetzen und über viele Dinge reden, die unsere Zukunft betreffen."

Lehren aus der Vergangenheit

Im Klartext: Eine schnelle Einigung mit dem Verband ist im Moment nicht zu erwarten.

262274(DIASHOW: Die Ankunft des DFB-Teams in Frankfurt).

Das Quartett hat wohl auch Konsequenzen aus den gescheiterten Gesprächen im Winter gezogen, als die Vorstellungen der beiden Parteien zu unterschiedlich gewesen waren. Nun will man besser vorbereitet sein.

Niersbach bleibt ruhig

Das erste Länderspiel der neuen Saison bestreitet Deutschland bereits am 11. August in Kopenhagen gegen Dänemark.

DFB-Präsident Theo Zwanziger läuft im Poker deshalb die Zeit davon.

"Das ist kein Problem, wir werden uns rechtzeitig an einen Tisch setzen", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Löw trifft Weltmeister von 1990

Niersbach schöpfte auch Hoffnung aus der Tatsache, dass Löw am Freitagabend in den Europapark nach Rust gekommen war, um bei der Feier des 20. Jubiläums des WM-Triumphs von Rom dabei zu sein.

"Das zeigt doch das gute Verhältnis zwischen Joachim Löw und dem DFB."

Wohltuend für Löw war auch die Begrüßung durch die Weltmeister von 1990, die ihn mit großem Beifall willkommen hießen.

"Kaiser" schmeichelt Löw

Und auch die Worte von Franz Beckenbauer dürften Löw geschmeichelt haben.

"Deutschland hat in Südafrika den besten Fußball gespielt und wäre verdient Weltmeister geworden. Vielleicht klappt es in vier Jahren, die Mannschaft hat das Zeug dazu", sagte der "Kaiser".

Das DFB-Präsidiumsmitglied umgarnte Löw auch mit Verweis auf die eigene Vergangenheit:

"Bei mir hat es im ersten Anlauf auch nicht geklappt und vier Jahre später in Rom habe ich dann mit meiner wunderbaren Mannschaft den Titel geholt."

Auch Völler und Vogts werben

Die beiden Ex-Bundestrainer Rudi Völler und Berti Vogts sprachen sich ebenfalls erneut für Löw aus.

"Es wäre doch schade, wenn Jogi Löw jetzt hinschmeißen würde", sagte Völler.

"Er hat mit dieser Mannschaft so viel aufgebaut. Wenn er jetzt geht, profitiert ein anderer davon und holt bei der Europameisterschaft in zwei Jahren die Lorbeeren."

Und auch für Berti Vogts ist klar, dass Löw "an Bord" bleiben soll. "Das Team hat noch viel Potenzial."

Löw schien die Lobreden und auch die Atmosphäre in Rust zu genießen und bekannte: "Es ist schön, unter Freunden und Vertrauten zu sein."

Dann schränkte er jedoch vorsichtig ein: "Ich brauche Ruhe, um Kraft und Gedanken zu sammeln."

Die inoffizielle Bezeichnung Bundestrainer außer Dienst wird Löw also noch eine Weile erhalten bleiben.

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