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Franz Beckenbauer wurde 1974 als Spieler und 1990 als Trainer Weltmeister © getty

Jubiläumsfeier in Rust: Die Weltmeister von Rom treffen sich nach 20 Jahren wieder. Niersbach überrascht den "Kaiser".

Rust - Als um 23 Uhr zu den Klängen von Gianna Nanninis "Un'Estate Italiana" ein gigantisches Feuerwerk an den WM-Triumph von 1990 erinnerte, baumelte an Franz Beckenbauers Hals eine kleine Goldmedaille mit einem Bändchen in den italienischen Landesfaben.

Diese Plakette hatte der 64-Jährige am 8. Juli 1990 im Olympiastadion von Rom bekommen, nachdem er als Teamchef die deutsche Nationalmannschaft zum dritten WM-Titel geführt hatte.

Nachdem Beckenbauer seinerzeit nach dem 1:0 gegen Argentinien in Gedanken versunken mit der Medaille um den Hals einige Minute über den Rasen geschlendert war, hatte er das gute Stück dem damaligen Pressesprecher Wolfgang Niersbach spontan als Erinnerung in die Hand gedrückt.

20 Jahre hing die Medaille am Kamin des heutigen DFB-Generalsekretärs, ehe sie am Freitagabend wieder in die Hände ihres rechtmäßigen Besitzers zurückkehrte.

"Geschenkt ist geschenkt"

Erst wollte Beckenbauer bei der stimmungsvollen Feier der Weltmeister von 1990 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums ihres Titelgewinns im Europapark Rust das Goldstück gar nicht annehmen ("Geschenkt ist geschenkt") 262274(DIASHOW: Die Ankunft des DFB-Teams in Frankfurt).

Dann änderte der 64-Jährige aber schnell seine Meinung, nachdem Niersbach angekündigt hatte, die Medaille dem DFB-Museum zu stiften.

"Dann kannst du dich ja gleich mit ins Museum stellen", grantelte der Kaiser, hing sich die Weltmeistermedaille um und blieb bis zum Partyende hochdekoriert.

Beckenbauer lobt Weltmeister

Zuvor hatte Beckenbauer seine Mannschaft von damals noch einmal über den grünen Klee gelobt.

"Das war und ist eine tolle Truppe, die damals verdient den Titel gewonnen hat", sagte Beckenbauer in Anwesenheit von Bundestrainer Joachim Löw und fügte schmunzelnd hinzu:

"Viele Mannschaften haben es nach uns versucht, ebenfalls den Titel zu holen. Aber keine hat es geschafft."

Szenenapplaus bei Brehme-Elfmeter

Als der verwandelte Elfmeter von Andreas Brehme, der damit gegen Maradona und Co. das Finale entschieden hatte, noch einmal über die große Leinwand flimmerte, gab es "Szenenapplaus".

Beckenbauer stellte fest: "Das war kein Glück, das war Können. Wir hatten sehr gute Elfmeterschützen, und der Andy konnte sogar eine Fliege von der Latte schießen."

Gefragte WM-Helden

Das galt auch für seinen damaligen Kapitän Lothar Matthäus, dessen Autogramme bei den vielen Fußballfans in dem riesigen Freizeitpark noch genauso gefragt waren wie damals.

Auch Brehme, Rudi Völler, Pierre Littbarski und die anderen WM-Helden von damals schrieben sich die Finger wund.

Mit Teamwork zum Sieg

Beckenbauer und Matthäus verwiesen beide auf die tolle Kameradschaft, die das deutsche Team von 20 Jahren zum WM-Titel geführt habe.

"Das war der Schlüssel zum Erfolg", sagten unisono der frühere Teamchef und sein damaliger Kapitän.

Auch Brehme meinte: "Wir waren ein verschworener Haufen, und es ist schön, dass wir uns auch heute noch so gut verstehen."

"Die Luft wird dünner"

Die Weltmeister von 1990 trafen sich im badischen Rust samt Trainer- und Betreuerstab zum dritten Mal nach 1995 am Starnberger See und 2000 in Rom, um den Jahrestag gebührend zu feiern.

"Ich hoffe, dass wir uns beim nächsten Mal in fünf Jahren zum 25-Jährigen wiedertreffen und nicht erst in zehn Jahren. Denn die Luft nach oben wird immer dünner", sagte Beckenbauer und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Klinnsmann und Ilgner fehlen

Bis auf den ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Bodo Illgner, die beide in den USA wohnen, sowie die beruflich verhinderten Klaus Augenthaler, Thomas Berthold und Günter Hermann waren alle Weltmeister von 1990 der Einladung gefolgt.

"Den meisten geht es wie mir persönlich", sagte Niersbach, "die Bilder der WM 1990 sind noch total präsent, sodass es schier unglaublich erscheint, dass sie doch schon so lange zurückliegen."

Erinnerungen wurden aber auch wach, als Franz Beckenbauer noch einmal seinen ersten und einzigen Hit schmetterte.

"Gute Freunde kann niemand trennen.." sang der Kaiser passend zum Abend und wurde dabei auf der Trompete von seinem zehnjährigen Sohn Joel begleitet. Nicht nur in diesem Moment flossen einige Tränen.

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