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Fredi Bobic absolvierte 37 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft © getty

Michael Ballack weht nach seiner Kritik am Bundestrainer kräftig Gegenwind ins Gesicht: Auch Fredi Bobic hat "null Verständnis".

Von Katrin Freiburghaus undMartin Volkmar

München - Ob sich Michael Ballack darüber im Klaren war, welche Lawine von Reaktionen er mit seiner Kritik an Joachim Löw auslösen würde, bleibt sein Geheimnis.

Tatsache ist dagegen, dass Ballacks Kommentare zur Nicht-Berücksichtigung von Torsten Frings gegen Wales und Russland die Fußballnation in zwei Lager spalten.

Dabei schlägt sich die Mehrheit auf die Seite des Bundestrainers, selbst aus den Reihen der eigenen Team-Kollegen gibt es heftigen Gegenwind für den Kapitän.

"Nicht professionell"

Philipp Lahm wollte den Konflikt durch seine Bewertung zwar nicht unnötig verschärfen, erklärte "klar und besonnen zu reagieren" aber zum Merkmal eines Führungsspielers.

"Als Führungsspieler muss ich wissen, dass mein Verhalten in Interviews von Bedeutung ist und nur einem Zweck dienen soll: die Mannschaft zu stärken", sagte Lahm über sich selbst, was als indirekte Kritik an Ballacks Vorgehensweise verstanden werden kann.

Arne Friedrich wurde wesentlich konkreter. "Das war nicht professionell. Missstände gehören intern diskutiert, nicht über die Medien", sagte der Verteidiger.

Sehnsucht nach Ruhe

Miroslav Klose schlug in dieselbe Kerbe: "Ich hätte es intern geklärt, nicht so öffentlich angesprochen. Es waren zuletzt zehn Tage Zeit dafür bei der Nationalelf."

Auch Torhüter Robert Enke wünscht sich in erster Linie Ruhe und nahm Löw in Schutz: "Mangelnden Respekt gegenüber gestandenen Spielern kann man dem Bundestrainer sicherlich nicht unterstellen."

Sport1.de hat sich umgehört und weitere Meinungen zusammengestellt.

Fredi Bobic(trainierte in Stuttgart unter Joachim Löw und spielte von 2002 bis 2004 mit Ballack im DFB-Team):

"Man könnte beinahe denken, er provoziert seinen Rauswurf. Ich habe absolut null Verständnis für die ganzen Diskussionen. Zumal in den zehn Tagen genug Zeit war, miteinander zu reden.

Da werden öffentliche Debatten geführt, die absolut respektlos gegenüber dem Bundestrainer sind. Jogi Löw ist ein absoluter ehrlicher und teamfähiger Typ. Er geht ganz konsequent seinen Weg, aber fair.

Ein Nationalmannschafts-Kapitän sollte sich so nicht verhalten. Er sollte sich ans Telefon hängen und den Bundestrainer direkt anrufen, wenn er ein Problem hat. Er hilft sich nicht damit und auch nicht der Mannschaft."

Reiner Calmund(arbeitete in Leverkusen von 1999 bis 2002 mit Ballack):

"Joachim Löw ist derjenige, der allein entscheidet, wer im Kader ist, wer spielt und wer auf der Bank sitzt. Er hat die alleinige Kompetenz und die Verantwortung. Schluss, Aus, Nikolaus.

Die Chemie ist offenbar nicht so gut, wie sie sein müsste. Michael Ballack kann als Kapitän den Finger in die Wunde legen und sagen, was ihm nicht passt. Ich glaube nicht, dass sein Berater dahinter steckt, denn Michael geht immer geradeaus seinen Weg.

Es gibt nur einen Weg: Hinter verschlossenen Türen Tacheles reden und das am Besten nur unter vier Augen, damit es keine Taktiererei mehr gibt."

Olaf Thon(Weltmeister 1990, 52 Länderspiele, kritisierte Ballack nach den Spielen gegen Russland und Wales):

"Ich finde das gar nicht so schlecht, dass er sich öffentlich äußert. Das zeigt, dass er sich auch mit Kritik an seiner Person auseinander setzt. Wenn sich zu viele melden und Theater machen, ist das aber nicht gut.

Es ist doch klar, dass junge Spieler nachrücken. Und Ballack versucht, seinen langjährigen Mittelfeld-Partner Frings zu unterstützen. Das finde ich okay. Aber Frings muss wieder an seine Form von 2006 anknüpfen. Dann wird er auch spielen."

Was soll Löw mit Frings und Ballack machen? Jetzt mitdiskutieren!

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