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Theo Zwanziger ist seit September 2006 alleiniger Präsident des DFB © getty

Der DFB-Präsident bekräftigt seine Unentschlossenheit, noch einmal für sein Amt zu kandidieren. Ein Liga-Boss glaubt ihm nicht.

München - Am Montag versuchte DFB-Präsident Theo Zwanziger die Debatte wieder einzufangen, die er am Wochenende losgetreten hatte.

Doch da war es schon zu spät.

"Jeder Mensch, dessen Amtszeit zu Ende geht, hat das Recht, sich Gedanken um seine persönliche Zukunft zu machen", ließ Zwanziger ausrichten.

In dieser Phase befinde er sich gerade, ließ der DFB-Boss weiter verlauten.

Seine Entscheidungsfindung solle "bis zur Präsidiumssitzung am 30. Juli abgeschlossen sein."

Rücktrittsdrohung nach Kritik

Bei dieser Präsidiumssitzung könnten also ein großer personeller Umbruch eingeläutet werden.

Schließlich soll auch in der Frage der Vertragsverhandlungen mit Bundestrainer Joachim Löw und seinem Trainer- und Betreuerstab bald eine Entscheidung fallen.

Die Verhandlungen mit Löw und seinem Team, die bis Ende der Woche zu einem Ergebnis führen sollen, könnten zur letzten wichtigen Amtshandlung Zwanzigers werden.

Zermürbt von der Kritik der vergangenen Monate hatte der DFB-Präsident am Wochenende erneut mit Rücktritt gedroht.

"Auch Theo Zwanziger ist nur ein Mensch"

Er werde von "Amtsmüdigkeit" geplagt sagte Zwanziger der "Rhein-Zeitung".

Beim Verbandstag des Fußballverbandes Rheinland hatte er am Samstag berichtet, eine "tiefe Sehnsucht nach dem Privaten" zu verspüren.

Er machte keinen Hehl daraus, dass ihn die vielen kritischen Äußerungen hart getroffen haben.

"Der eine oder andere Artikel, der verfasst wird, ohne die Fakten zu kennen, schmerzt schon. Auch Theo Zwanziger ist nur ein Mensch", sagte er und ergänzte:

"Unsere Öffentlichkeit kennt keine Balance mehr. Es geht nur noch um Sieg oder Niederlage, Macht oder Ohnmacht, Genie oder Wahnsinn."

Bruchhagen glaubt nicht an Rückzug

Mit seinen Aussagen stieß Zwanziger aber nicht unbedingt auf großes Verständnis in der Bundesliga.

"Wir sind alle mindestens einmal in der Woche amtsmüde", sagte Heribert Bruchmagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, dem "Tagesspiegel".

Zwanziger erledige seine Aufgabe als DFB-Präsident "erstens gut und zweitens gerne", ergänzte Bruchhagen.

Ürsprünglich wollte sich Zwanziger beim DFB-Bundestag im Oktober in Essen zur Wiederwahl stellen.

Derzeit sein die Kandidatur aber "völlig offen" sagte Zwanziger der "Rhein-Zeitung", kokettierte aber auch mit seiner Unersetzlichkeit:

"Wer soll es dann machen?"

"Dann entsteht für den DFB eine ganz schwierige Situation. Wer soll es dann machen?"

Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der sich am Montag nicht zu den Rücktrittsgedanken des Präsidenten äußern wollte, wird seit längerer Zeit als Anwärter gehandelt.

Klar ist aber auch, dass Zwanziger trotz seiner Beliebtheit an der Basis insgesamt nicht unumstritten ist.

"Wenn ich gewählt werden will, dann werde ich auch gewählt", ist sich Zwanziger zwar sicher.

Ein Scheitern der Verhandlungen mit Löw könnte das Ende der Amtszeit des nach der Schiedsrichter-Affäre um Michael Kempter und Manfred Amerell geschwächten DFB-Präsidenten aber besiegeln.

Dem widersprach Zwanziger-Sprecher Stephan Brause allerdings. "Seine Zukunft wird er nicht an die Vertragsverlängerung von Joachim Löw", sagte der über seinen Boss.

Imagegewinn für DFB durch WM-Erfolg

Zwanziger führt den DFB seit 2004 - zunächst gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder - an.

In dieser Zeit hat Zwanziger bereits mehrfach mit seinem Rücktritt kokettiert.

Doch weder im Rechtsstreit mit dem Journalisten Jens Weinreich noch während des Falls Kempter/Amerell ließ der Träger des Bundesverdienstkreuzes den Ankündigungen Taten folgen.

Um so überraschender wäre ein Ende der Amtszeit so kurz nach der WM in Südafrika, die dem deutschen Fußball einen kräftigen Imagegewinn gebracht hat.

Schließlich hatte Zwanziger vor der Weltmeisterschaft einen Rückzug ausgeschlossen:

"Ich habe noch eine Menge zu tun, und meine Aufgabe als DFB-Präsident macht mir weiter viel Spaß. Deshalb habe ich noch nicht vor, mich komplett auf das Altenteil zurückzuziehen und nur in der Hängematte zu liegen."

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