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Joachim Löw (l.), Hansi Flick (2.v.r.) und Oliver Bierhoff (r.) bleiben bis 2012 © imago

Der Bundestrainer und die sportliche Leitung verlängern ihre Verträge. "Unser Team hat hervorragende Perspektiven", sagte Löw.

Von Martin Volkmar

Frankfurt/München - Die Entscheidung über die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw ist gefallen:

Die gesamte sportliche Leitung bleibt bis zur EM 2012 im Amt.

Neben Löw schließt das auch die Co-Trainer Hansi Flick und Andreas Köpke sowie den bis zur WM äußerst umstrittenen Teammanager Oliver Bierhoff ein.

Die bisherigen Verträge waren nach der WM in Südafrika ausgelaufen, nun wurden sie bis zum 30. Juli 2012 verlängert.

"Hervorragende sportliche Perspektiven"

"Wir freuen uns alle, dass wir gemeinsam die Arbeit mit der Nationalmannschaft fortsetzen", sagte Löw auf einer Pressekonferenz in der Verbandszentrale in Frankfurt.

"Unser Team hat hervorragende sportliche Perspektiven und es ist für uns eine große Herausforderung, nach der erfolgreichen WM in Südafrika nun die Vorbereitungen für die EM 2012 in Angriff nehmen zu können."

Ähnlich äußerte sich Bierhoff, dessen Aus beim DFB lange als gesichert galt.

"Wir haben gemeinsam wichtige Fortschritte erzielt, beachtliche Erfolge erreicht und viel für das Image des deutschen Fußballs getan", meine Bierhoff:

"Durch unsere Vertragsverlängerung ist für die beiden nächsten Jahre eine Fortsetzung unseres Kurses und damit Kontinuität garantiert. Die Auseinandersetzungen der vergangenen Monate sind für alle vergessen. Wir gehen unbelastet in die nächste Etappe unserer Zusammenarbeit."

Bierhoff gibt Kompetenz für U 21 an Sammer ab

Als Kompromiss wird Bierhoff allerdings seine Verantwortung für den administrativen Bereich der U 21 an DFB-Sportdirektor Matthias Sammer abgeben.

Erleichtert über die erzielte Einigung zeigte sich DFB-Präsident Theo Zwanziger.

"Ich freue mich für den deutschen Fußball, dass es uns gelungen ist, die wichtigsten Personalentscheidungen rund um die Nationalmannschaft so schnell und vertraulich zu lösen", erklärte der Verbandsboss.

"Der deutsche Fußball hat sich seit dem Jahr 2004 sehr positiv entwickelt. Dabei ist die Handschrift des Bundestrainers für diese noch junge Nationalmannschaft immens wichtig. Deshalb war es immer mein oberstes Ziel, den Vertrag mit Joachim Löw und seinem Team zu verlängern.

Zustimmung bei Ballack und in der Liga

DFB-Kapitän Michael Ballack begrüßte die Einigung. "Ich freue mich, dass das gesamte Team weiter macht", meinte der Neu-Leverkusener.

"Es hat gemeinsam hervorragende Arbeit geleistet. Die Mannschaft vertraut Joachim Löw, deshalb wird der von ihm eingeschlagene Weg richtigerweise fortgesetzt."

Auch in der Liga fiel die Entscheidung auf einhellige Zustimmung.

"Das ist eine sehr gute Entscheidung aller Beteiligten. Dass alle Vier bleiben, ist super, das passt", sagte Ex-Teamchef Rudi Völler in einer ersten Reaktion.

"Dann kann die Entwicklung der letzten Jahre mit der jungen, talentierten Mannschaft weitergehen. Die Basis für die Zukunft ist da."

Ähnlich äußerte sich der Mainzer PräsidenHarald Strutz. "Die Vertragsverlängerung finde ich gut", erklärte der DFL-Vizepräsident, der auch im DFB-Präsidium sitzt.

"Es ist die logische Konsequenz der erfolgreichen WM. Die Mannschaft hat sich unter Löw hervorragend präsentiert und begeisternden Fußball gespielt."

Nächstes Länderspiel im August

Nach dem WM-Ende hatte Löw betont, dass seine Entscheidung völlig offen sei und er zunächst mehrere Tage Zeit zum Nachdenken benötige. Dies ist nun vorbei.

Dabei hatte der DFB-Chefcoach noch am Wochenende eine schnelle Entscheidung ausgeschlossen. 262274(DIASHOW: Die Ankunft des DFB-Teams in Frankfurt)

Zuvor hatte er sich am Freitag erstmals seit der Rückkehr aus Südafrika mit der Sportlichen Leitung zu einem Gespräch getroffen, nachdem er seine schwere Erkältung am Ende der WM auskuriert hatte.

Löw kann nun die Vorbereitung auf das nächste große Ziel, die EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine, in Angriff nehmen.

Das erste Länderspiel bestreitet die DFB-Auswahl bereits am 11. August in Kopenhagen gegen Dänemark.

Zwanziger will erneute Kandidatur in Ruhe überlegen

Die Einigung ist auch ein Erfolg für DFB-Boss Zwanziger, der wegen der geplatzten Vertragsverlängerung im Frühjahr und der ungeklärten Situation zuletzt massiv unter Druck geraten war.

Bis zur Präsidiumssitzung am 30. Juli wollte Zwanziger Klarheit und hatte für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen auch mit seinem Rückzug vom Amt kokettiert.

Nun will er laut eigener Aussage in den nächsten Tagen in Ruhe überlegen, ob er sich im Oktober auf dem DFB-Bundestag in Essen wie geplant zur Wiederwahl stellen wird.

Nach Punkten der erfolgreichste Bundestrainer

Löw hatte den Posten des Bundestrainers nach der WM 2006 übernommen, nachdem er seit August 2004 als Co-Trainer für den DFB tätig war.

Bei der EM 2008 führte der Badner Deutschland ins Finale, das ebenso wie das WM-Halbfinale in diesem Jahr 0:1 gegen den späteren Titelträger Spanien verloren wurde.

Löw ist vom Punkte-Durchschnitt (2,23) der bisher erfolgreichste Bundestrainer.

In 56 Länderspielen unter ihm gab es 39 Siege, 8 Unentschieden und nur 9 Niederlagen.

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