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Bundestrainer Joachim Löw (l.) nach der Vertrags- verlängerung mit DFB-Präsident Theo Zwanziger © getty

Nach der Verlängerung macht Löw einen gelösten Eindruck. DFB-Boss Zwanziger dagegen wirkt angeschlagen und lässt die Zukunft offen.

Von Martin Volkmar

München/Frankfurt - Die Bilder hätten kaum unterschiedlicher sein können.

Noch vor zehn Tagen warb Theo Zwanziger auf der letzten Pressekonferenz im deutschen WM-Quartier in Südafrika in bester Stimmung um Joachim Löw, den er nochmals in höchsten Tönen für die erfolgreiche Endrunde lobte.

Daneben saß ein Bundestrainer, der nicht nur wegen seiner starken Erkältung einen äußerst reservierten Eindruck machte. 262274(DIASHOW: Die Ankunft des DFB-Teams in Frankfurt)

"Alles ist offen", sagte er zu seiner Zukunft und verpasste damit Zwanzigers Werben einen enormen Dämpfer.

Gelöster Bundestrainer

Am Dienstag nun wurde der vermeintliche gordische Knoten wesentlich schneller als erwartet durchschlagen, doch nur einer auf dem Podium in der DFB-Zentrale macht einen gelösten Eindruck:

Der alte und neue Bundestrainer, dessen Vertrag ebenso wie der seiner Assistenten Hansi Flick und Andy Köpke soeben bis zur EM 2012 verlängert wurde.

199554(DIASHOW: Joachim Löw - Stationen seiner Karriere)

Und der 50-Jährige geht mit vollem Elan in die neue Amtszeit. "Die Motivation ist extrem hoch, diese Mannschaft weiterzuentwickeln und weiterzuführen", sagte Löw.

"Wir hatten alle sehr viel Spaß bei der WM und freuen uns auf die kommenden Aufgaben. Wir sehen viel Potenzial."

Angeschlagener Präsident

Zwanziger dagegen wirkte angeschlagen, obwohl er doch eigentlich sein großes Ziel erreicht hat.

"Lieber Joachim Löw, lieber Oliver Bierhoff, ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit", verkündete der 65-Järhrige im feierlichen Ton: "Wir haben den Bundestrainer, der zu dieser Mannschaft passt."

Doch die Einigung mit Löw hat ihn offenbar viel Kraft gekostet - und anscheinend musste der DFB-Boss auch einige von den Zugeständnissen machen, die er bei der geplatzten Vertragsverlängerung im Februar noch rundherum abgelehnt hatte.

So galt es etwa bis zur WM als ausgeschlossen, dass Oliver Bierhoff als Teammanager eine Zukunft hat. Jetzt aber wird auch seine Vertragsverlängerung wie selbstverständlich als Erfolg verkauft.

Bierhoff verliert Zuständigkeit für U 21

Immerhin einen kleinen Machtverlust muss Bierhoff aber hinnehmen, indem er die Zuständigkeit für die U 21 an Sportdirektor Matthias Sammer abgibt.

Dies sei eine "große Geste", lobte Zwanziger, stellte gleichzeitig aber klar, dass in Zukunft nur einer das Sagen hat: "Der Chef ist aber immer der Bundestrainer."

Löw ist durch die WM praktisch unantastbar, das zeigte auch die einhellige Zustimmung aus der Liga.

"Das ist für alle Beteiligten die logischste und sinnvollste Lösung und für den deutschen Fußball das Beste", lobte etwa Schalke-Boss Felix Magath. (Reaktionen zur Löw-Verlängerung)

Und auch das Urteil von Leverkusens Sportchef Rudi Völler, der sich in der Vergangenheit wie Magath schon deutliche Kritik in Richtung Nationalteam geäußert hatte, war eindeutig:

"Dass alle Vier bleiben, ist super, das passt. Die Basis für die Zukunft ist da."

"Kontinuität garantiert"

Daher soll alles so weitergehen wie zuletzt. Sogar Mediendirektor Harald Stenger, eigentlich von Zwanziger bereits gefeuert, könnte wieder eine Zukunft als Sprecher der Nationalmannschaft haben.

"Durch unsere Vertragsverlängerung ist für die beiden nächsten Jahre eine Fortsetzung unseres Kurses und damit Kontinuität garantiert", erklärte Bierhoff.

"Die Auseinandersetzungen der vergangenen Monate sind für alle vergessen, wir gehen unbelastet in die nächste Etappe unserer Zusammenarbeit."

Dennoch blieb der Eindruck, dass die Einigung mit Löws Team und vor allem die massive Kritik der vergangenen Wochen Zwanziger mächtig zugesetzt haben.

Zwanziger lässt Zukunft offen

Daher wunderte es dann auch nicht, dass der seit 2004 amtierende Präsident seine Zukunft offen lässt.

Die Weiterverpflichtung des Bundestrainer sei keineswegs entscheidend dafür, ob er sich beim DFB-Bundestag im Oktober in Essen erneut zur Wahl stellen werde.

"Ich werde mir in Ruhe Gedanken machen, was für den Verband richtig ist und was für mich richtig ist", meinte Zwanziger, der am Wochenende von Amtsmüdigkeit gesprochen hatte.

Löw hingegen hat den Kopf nun frei, um sich nach seinem Urlaub mit voller Energie dem neuen Ziel zu widmen: Dem Ende der nunmehr 14-jährigen Durststrecke bei der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine.

"Haben hervorragende Perspektiven"

"Wir haben hervorragende sportliche Perspektiven, und es ist für uns eine große Herausforderung, nach der erfolgreichen WM in Südafrika nun die Vorbereitungen für die EM in Angriff nehmen zu können", erklärte er.

Immerhin Bierhoff mahnte allerdings vor allzu großer Euphorie nach der guten WM: "Es ist kein Selbstläufer."

Zumal den Bundestrainer schon bald der Alltag wieder eingeholt haben dürfte.

Kapitäns-Entscheidung erst in Dänemark

Vor allem der FC Bayern fordert vehement einen Verzicht auf seine Spieler beim ersten Länderspiel am 11. August in Kopenhagen gegen Dänermark.

Und spätestens dann muss Löw auch den unterschwelligen Machtkampf zwischen Kapitän Michael Ballack und seinem WM-Stellvertreter Philipp Lahm lösen.

Am Dienstag aber wollte er sich den schönen Tag durch solche Nebenschauplätze nicht verderben.

"Heute ist nicht der Zeitpunkt, über diese Frage zu sprechen", sagte er.

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