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Joachim Löw (l.) muss bald entscheiden, ob Michael Ballack Kapitän bleibt © getty

Nach der WM und der Vertragsverlängerung macht der Bundestrainer erstmal Urlaub. Danach aber muss er mehrere Probleme lösen.

Von Martin Volkmar

München - Freundlich, aber bestimmt hat sich Joachim Löw in den Urlaub verabschiedet.

"Ich brauche Ruhe und mache jetzt erstmal Pause", sagte er SPORT1.

Knapp zwei Wochen kann der alte und neue Bundestrainer nach der strapaziösen Weltmeisterschaft und der seit Dienstag perfekten Vertragsverlängerung bis 2012 die Seele baumeln lassen. 199554(DIASHOW: Joachim Löw - Stationen seiner Karriere)

Dann aber muss der 50-Jährige gleich mehrere Probleme lösen, die er nun zurückgelassen hat.

SPORT1 zeigt Löws größte Baustellen:

Die Kapitäns-Frage

Das drängendste Problem.

Michael Ballack geht davon aus, dass er die Spielführerbinde wieder zurückbekommt. WM-Stellvertreter Philipp Lahm will sie nicht freiwillig zurückgeben.

Für Löw bietet sich nach der erfolgreichen WM die günstige Gelegenheit, Ballack zumindest als Kapitän abzuservieren.

Die Frage ist nur, ob er sich das angesichts der Verdienste des 98-fachen Nationalspielers auch zutraut.

"Klar ist doch, dass Michael der Kapitän ist und bleibt, wenn er wieder spielt", legte sich DFB-Präsidiumsmitglied Franz Beckenbauer in der "Welt" bereits fest.

Andererseits hatte Löw nach seinem Amtsantritt beim DFB 2004 gemeinsam mit dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann Oliver Kahn die Kapitänsbinde abgenommen und sie dem jüngeren Ballack gegeben.

Inzwischen ist Ballack 33 Jahre alt - und nachdem Löw vor der WM stets davon gesprochen hatte, dass Lahm nur der Ersatzmann sei, ist das Rennen anscheinend nun völlig offen.

"Ich habe noch keine letzte Entscheidung getroffen", sagte Löw nur.

Die nächste Nominierung

Der nächste große Streitpunkt. Vor allem der FC Bayern verlangt vehement, dass Löw am 11. August in Dänemark auf eine Einladung der Münchner Nationalspieler (bei der WM acht) verzichtet.

"Ein solche Termin macht überhaupt keinen Sinn", schimpft Ehrenpräsident Franz Beckenbauer und ist dabei mal einer Meinung mit seinem Verein.

"Wir erhoffen uns ein deutliches Zeichen. Die erste Mannschaft muss ich nicht mehr testen", fordert FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger daher einen Einsatz des "B-Teams" beim ersten Länderspiel der neuen Saison in Kopenhagen.

Sollten das aber die anderen Bundesligisten auch so sehen, dürfte Löw keinen einzigen WM-Teilnehmer berufen.

Der Bundestrainer hofft derweil auf eine diplomatische Lösung und will in Gesprächen mit den Vereinstrainern einen Kompromiss finden.

Die U 21

Hier wartet das nächste Problem. Denn die U 21 muss am Tag vor dem Dänemark-Spiel ihr EM-Qualifikationsspiel auf Island unbedingt gewinnen.

Sportdirektor Matthias Sammer, der von Oliver Bierhoff die Zuständigkeit für die U 21 übernommen hat, erwartet, dass alle Topspieler für sein Team abgestellt werden.

Aus dem WM-Kader wären das Marko Marin sowie die drei Bayern Toni Kroos, Thomas Müller und Holger Badstuber.

Fraglich woher Löws dann noch ausreichend Spieler für sein mögliches B-Team herbekommen soll.

Zumal der Bundestrainer in der Vergangenheit immer bei Nominierungen der A-Nationalmannschaft den Vorzug gegeben hat, was aufgrund der fast zeitgleichen U-21-Spiele dauerhaftes Konfliktpotenzial mit Sammer bietet.

Die Erwartungshaltung

Die Ausgangslage ist klar: Löws junges Team hat bei der WM geglänzt, ist jung und hat noch viel Luft nach oben.

Zwar warnt Bierhoff, deshalb seien zukünftige Erfolge "kein Selbstläufer", doch für Fans und Medien zählen nur noch Titel.

"Die Mission des Bundestrainers ist erst dann vollendet, wenn ein Titel erreicht wird", forderte Beckenbauer unmissverständlich. (Reaktionen zur Löw-Verlängerung)

"Entweder 2012 bei der EM oder eben 2014 bei der WM in Brasilien."

Dementsprechend dürfte es massive Kritik geben, wenn die DFB-Auswahl wieder schwächere Leistungen zeigt.

Schon beim Spiel in Dänemark steht Löw also wieder unter Erfolgsdruck.

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