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Michael Ballack (l.) bestritt 19 seiner 89 Länderspiele unter Joachim Löw © getty

Zum ersten Mal seit den Attacken des DFB-Kapitäns redet er persönlich mit dem Bundestrainer. Das Treffen folgt noch.

München - In den vergangenen Tagen hatten sie nur über die Medien miteinander kommuniziert.

Nun haben Bundestrainer Joachim Löw und sein Kapitän Michael Ballack nach den Streitigkeiten ein erstes Gespräch per Telefon geführt.

Bei diesem Telefonat wurden nach der Kritik von Ballack an Kurs und Personalentscheidungen von Löw inhaltliche Dinge jedoch noch ausgeklammert.

Es habe sich lediglich um eine Terminabsprache gehandelt, hieß es.

Aber: Vom Ausgang des Vier-Augen-Gesprächs wird die sportliche Zukunft des 89-maligen Nationalspielers in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft abhängen.

Treffen "so schnell wie möglich"

"Nach einer ersten Kontaktaufnahme von Joachim Löw am Donnerstagmittag hat sich Michael Ballack am Abend bei ihm telefonisch gemeldet. Es wurde vereinbart, sich so schnell wie möglich zu treffen und ein Vier-Augen-Gespräch zu führen", erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Details wie Zeitpunkt und Ort wurden nicht genannt. Wie es im Fall Torsten Frings weitergeht, ist momentan ebenfalls noch offen.

Klinsmann stützt Löw

Rückendeckung erhielt der Bundestrainer indes von seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann.

"Die Situation ist recht einfach: Michael hat sich für seine Aussagen beim Trainer und seinen Teamkollegen zu entschuldigen. Ich gehe davon aus, dass er einsieht, einen Fehler gemacht zu haben, und dafür auch gerade steht", sagte der Coach des FC Bayern.

Über mögliche Konsequenzen wollte sich "Klinsi" nicht äußern: "Das ist allein die Sache von Jogi. Er ist der Chef, er allein entscheidet. So, wie ich ihn kenne, wird er das mit Michael optimal gestalten."

Eine Tendenz zeichnet sich mittlerweile ab. Ballack scheint zu Kompromissen bereit. Offenbar hat der 32-jährige Mittelfeldspieler gemerkt, dass er mit seiner Kritik über das Ziel hinausgeschossen ist.

Gegenwind für Ballack

Schon seit Tagen spürt Ballack heftigen Gegenwind, selbst mannschaftsintern.

Da Löw bei seiner klaren Linie bleiben wird und für sein Verhalten derzeit Unterstützung von allen Seiten bekommt, wird der Spielführer der deutschen Nationalmannschaft um eine Entschuldigung für seine Attacke nicht herumkommen.

Die Bandbreite der Sanktionen reicht vom Rauswurf, sollte Ballack stur bleiben, bis hin zur Absetzung als Kapitän.

Beckenbauer stärkt Löw

Auch Franz Beckenbauer, die höchste Fußball-Instanz in Deutschland, hat den Bundestrainer noch einmal gestärkt.

"Dass Löw sich die Kritik nicht einfach gefallen lässt, ist klar. An seiner Arbeit gibt es meiner Meinung nach nichts auszusetzen", schrieb der "Kaiser" in seiner Bild-Kolumne.

Grundsätzlich sei der Angriff von Ballack gegen Löw, aber auch die Flucht von Kevin Kuranyi ein "echtes Alarmzeichen", so Beckenbauer weiter.

"So geht es nicht weiter"

"Wenn das Verhältnis zwischen Kapitän und Trainer so gestört ist, dann muss schnell etwas passieren. So geht es nicht weiter."

Der Präsident von Bayern München hofft jedoch nicht, "dass es zum totalen Bruch kommt. Eine Nationalmannschaft ohne Ballack ist für mich derzeit schwer vorstellbar. Er hat sich in den letzten Jahren zu einem wahren Kapitän entwickelt. Auf so eine Persönlichkeit verzichtet man nicht."

"Capitano" nicht unersetzlich?

In einigen Umfragen können sich die Fans aber durchaus eine Nationalmannschaft ohne Michael Ballack vorstellen. Auch die Statistik spricht nicht unbedingt dafür, dass der Kapitän unersetzlich ist.

Seit August 2000 gab es 80 Spiele der DFB-Auswahl mit dem England-Legionär vom FC Chelsea und 40 ohne ihn.

Mit Ballack gab es 49 Siege (61 Prozent), ohne ihn 24 (60 Prozent). Nach der WM 2006 gewann Deutschland in 14 Spielen ohne den Kapitän 9-mal (2 Niederlagen, drei Remis), mit Ballack in 19 Partien 15-mal (2 Niederlagen, 2 Remis).

Was soll Löw mit Frings und Ballack machen? Jetzt mitdiskutieren!

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