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Theo Zwanziger ist seit 1992 Mitglied im Vorstand des DFB © getty

Der DFB-Präsident entscheidet sich für eine erneute Kandidatur. Wegen seiner öffentlichen Klagen über Amtsmüdigkeit erntet er Kritik.

Frankfurt - Zuspruch von Ehefrau Inge, Kritik aus der Bundesliga:

Ungeachtet der schmutzigen Schiedsrichter-Affäre und drohender Schadensersatzforderungen in sechsstelliger Höhe will Theo Zwanziger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes bleiben.

Er kandidiert auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Essen (21./22. Oktober) erwartungsgemäß für eine weitere Amtszeit als Präsident.

Das meldete die "Bild" am späten Donnerstagabend.

"Mein Meinungsbildungsprozess ist abgeschlossen. Ich habe viele, sehr ernsthafte Gespräche geführt und kann dem Präsidium mitteilen, dass ich zu einer Wiederwahl antreten werde", sagte Zwanziger vor der Präsidiumssitzung am Freitag in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main.

Unterstützung durch die Familie

Die Entscheidung Zwanzigers für eine dritte Amtszeit als Chef des größten Sportfachverbandes der Welt fiel bereits am vergangenen Wochenende.

Zwar sprachen sich die Söhne Ralf und Frank auch wegen der weiter schwelenden Affäre Amerell/Kempter bei einer Familientagung in Altendiez gegen eine neuerliche Kandidatur aus, doch Ehefrau Inge weckte in der rheinland-pfälzischen Provinz Zwanzigers Kämpferherz.

Am Freitag wird Zwanziger in der Frankfurter DFB-Zentrale den 19 Präsidiumsmitgliedern seinen Entschluss offiziell mitteilen.

Für kommenden Jahre gerüstet

Vor allem reizt ihn die Aufgabe im Zuge der Frauen-WM 2011 in Deutschland.

Zudem sieht er nach den Vertragsverlängerungen mit Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff "eine Grundlage für die nächsten drei Jahre" (Reaktionen zur Löw-Verlängerung).

Amerell fordert Sachadensersatz

Allerdings braucht Zwanziger für eine weitere Amtszeit ein starkes Nervenkostüm.

Der ehemalige Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell treibt den Juristen weiter in die Enge und stellt sich bereits auf einen weiteren Gang durch die Gerichte ein.

So müssen Zwanziger und das Präsidium am Freitag entscheiden, ob der DFB die Schadensersatzansprüche von Amerell in sechsstelliger Höhe anerkennt.

Ansonsten wird Klage gegen den Verband eingereicht.

Kein Signal vom DFB

Derzeit ist nicht damit zu rechnen, dass der Verband die Ansprüche bestätigt.

"Bis jetzt gab es noch kein Signal vom DFB. Wir warten ab", sagte Amerells Anwalt Jürgen Langer, der seit Monaten unverhohlen den Rücktritt des DFB-Präsidenten fordert:

"Die ganze Angelegenheit ist sowohl dem DFB als auch seinem Präsidenten von Beginn an völlig aus dem Ruder gelaufen."

Zwanziger auf der Seite Kempters

Auch gegen Kempter strengt Amerell eine Schadensersatzklage in Höhe von 150.000 Euro an.

Zwanziger hatte sich in der Affäre frühzeitig auf die Seite Kempters gestellt. Der ehemalige FIFA-Referee ist mittlerweile allerdings vom Verband in die 3. Liga herabgestuft worden.

Amerells Lager sieht diese Maßnahme als Beweis dafür, dass Kempters Vorwürfe gegen Amerell nicht glaubwürdig sind.

Doch Zwanziger will sich in der Schiedsrichter-Affäre offenbar nicht geschlagen geben. Auch deshalb kandidiert er im Oktober für weitere drei Jahre.

Kritik aus Dortmund und Köln

Dass Zwanziger wegen der seit Jahresbeginn anhaltenden Kritik an seiner Person zuletzt über Amtsmüdigkeit geklagt hatte, sorgt aber zumindest in der Bundesliga für Stirnrunzeln.

Laut Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke komme das gerade in einer Zeit, in der hochranginge Politiker wie der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler ihre Ämter niederlegen, nicht gut an.

"Er sollte nicht so viel mit Amtsmüdigkeit kokettieren in der Öffentlichkeit", sagte Watzke der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Wenn er weitermachen will, sollte er das Kokettieren sein lassen."

Manager Michael Meier vom 1. FC Köln hoffte bereits zuletzt, "dass es keine ernstzunehmende Amtsmüdigkeit ist. Ich bin schon froh, wenn er nicht so reagiert wie der Ex-Bundespräsident."

Ligachef pro Zwanziger

Unterstützung erhielt Zwanziger in persönlichen Gesprächen von Ligaverbands-Boss Reinhard Rauball.

"Jeder hat das Recht, für sich selbst zu überprüfen, ob er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen will. Vielleicht ist es nicht üblich, das öffentlich bekannt zu machen. Aber es ist ehrlich. Ich habe dafür geworben, dass Theo Zwanziger Präsident bleibt", sagte Rauball.

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