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Theo Zwanziger ist seit 2006 alleiniger Präsident des DFB © imago

Der 65-Jährige gibt auf einer Präsidiumssitzung seine erneute Kandidatur bekannt. Kempeter dagegen muss um seinen Job fürchten.

Frankfurt - Theo Zwanziger bleibt DFB-Präsident, der Fall Michael Kempter sein größtes Problem.

Zwanziger gab auf der Sitzung des DFB-Präsidiums am Freitag seine erneute Kandidatur bekannt, musste sich dann aber sofort wieder mit der unappetitlichen Schiedsrichter-Affäre um Kempter und Manfred Amerell befassen.

Ergebnis: Wegen der erneuten Anschuldigungen Amerells gegen Kempter wird der jüngste Referee der Bundesliga-Geschichte vorerst nicht mehr eingesetzt - und muss sogar sein Karriere-Ende befürchten.

Der 27-Jährige darf die ihm ursprünglich zugewiesene Drittliga-Begegnung am Samstag zwischen dem SV Sandhausen und Kickers Offenbach damit nicht pfeifen.

Der Kontrollausschuss des Verbandes und die Schiedsrichterkommission werden jetzt die neuen Vorwürfe Amerells überprüfen - dann wird entschieden, "ob oder in welcher Form Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt werden kann".

Amerell fordert Schadensersatz

Der ehemalige Schiedsrichterbeobachter Amerell, der von Kempter und drei weiteren Referees der sexuellen Nötigung bezichtigt wird, fordert von seinem früheren Zögling wegen angeblicher Verleumdungen Schadensersatz in Höhe von 150.000 Euro, der DFB soll die Ansprüche bis spätestens 2. August anerkennen.

Die 19 Präsidiumsmitglieder des Verbands mussten auf Antrag von Amerells Anwalt Jürgen Langer bei der Sitzung einzeln diese Frage bewerten.

Das Ergebnis: Der DFB hält die Ansprüche nicht für rechtens, die Auflistung reichte aber, um das Präsidium im Falle Kempter ins Grübeln zu bringen.

Vertragsverlängerung gibt den Ausschlag

Dies alles änderte nichts an Zwanzigers Willen, DFB-Präsident zu bleiben.

Er erklärte nach der Präsidiumssitzung, dass der neue Vertrag für Löw bis zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine den entscheidenden Ausschlag für eine weitere Kandidatur gegeben habe (Reaktionen zur Löw-Verlängerung).

"Das Verhalten des Bundestrainers hat mir gezeigt, dass mein Vertrauen in Joachim Löw gerechtfertigt war. Auf dieser Basis können wir weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten", sagte Zwanziger.

Querelen sind abgehakt

Auch Löw scheint die zu Jahresbeginn wegen des vermeintlichen Handschlagsvertrags enstandenen Dissonanzen abgehakt zu haben.

"Ich freue mich auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit. Der Präsident hat uns immer den Rücken gestärkt. Gemeinsam wollen wir unseren Erfolgsweg fortsetzen", sagte der 50-Jährige.

Zwanziger hatte zuletzt vor dem Hintergrund heftiger Kritik an seiner Person im Zuge der Aufarbeitung der Affäre Amerell/Kempter mehrmals von Amtsmüdigkeit gesprochen und zum wiederholten Male mit Rücktritt gedroht.

"Es muss legitim sein, sich am Ende einer Legislaturperiode intensive Gedanken über die zukünftige Lebensplanung zu machen", sagte Zwanziger.

Sperre für Kempter

In der Schiedsrichteraffäre zog der DFB am Freitag die Konsequenzen und Kempter vorerst aus dem Verkehr.

Offiziell klingt das so: "Bis zur Klärung des Sachverhaltes wird Michael Kempter nach Absprache zwischen Herbert Fandel, dem Leiter der Schiedsrichterkommission, und Lutz-Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter des DFB, nicht mehr angesetzt.

Durch diese Maßnahme soll gewährleistet werden, dass der Fall mit der nötigen Ruhe möglichst schnell aufgearbeitet werden kann."

Hocke setzt sich durch

DFB-Vizepräsident Rolf Hocke setzte sich damit mit seiner Forderung durch, die schnelle Ansetzung Kempters zu überdenken.

Die Personalie sorgte in Frankfurt am Main für Zündstoff. Hocke hatte sich in der "Süddeutschen Zeitung" beklagt, Fandel habe mit der Ansetzung einen Alleingang getätigt.

Das höchste Gremium des Verbandes habe bei der WM in Südafrika noch beschlossen, dass Kempter vorerst noch nicht nominiert werden solle.

Schnelle Nominierung überrascht

Streitthema bei der Präsidiumssitzung am Freitag war aber vor allem die schnelle Ansetzung von Kempter für das Drittliga-Spiel in Sandhausen.

Er sei "überrascht, dass Kempter schon für diesen Samstag nominiert wurde", hatte Hocke erklärt.

"In Pretoria haben wir die Schiedsrichterlisten für erste, zweite und dritte Liga abgesegnet - mit ausdrücklicher Ausnahme der Person Kempter.

Weil wir gesagt haben, wir wollen uns erst ein umfassendes Bild zur Sache von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel geben lassen."

Fandel in der Kritik

Die Personalie Kempter sollte ausdrücklich ausgeklammert werden, doch anscheinend drückte Fandel dessen Ansetzung durch.

Bei Amerell sorgte dies für unverhohlene Empörung.

"Man muss fragen, wer mit Kempter unter einer Decke steckt, wenn der mit solcher Gewalt geschützt werden muss. Jetzt zeigt sich, ob die Präsidiumsmitglieder nur Marionetten des Präsidenten und des Herrn Fandel sind", sagte Amerell.

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