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Oliver Bierhoff ist seit 2004 Manager der deutschen Nationalmannschaft © getty

Im SPORT1-Interview spricht Oliver Bierhoff über die Gründe für den Verbleib beim DFB und die anhaltende Kritik an seiner Person.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Kopenhagen - Zwei Wochen war Oliver Bierhoff abgetaucht.

Nach der erfolgreichen WM und der Vertragsverlängerung der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft schaltete der Teammanager im Urlaub ab.

Nun äußert sich Bierhoff erstmals wieder öffentlich.

Im SPORT1-Interview spricht er über die Gründe für den Verbleib beim DFB, die anhaltende Kritik an seiner Person, den Sinn des Länderspiels und die ungeklärte Kapitänsfrage.

SPORT1: Herr Bierhoff, die "Bild"-Zeitung hat nach der Vertragsverlängerung stolz verkündet, sie habe schon während der WM davon berichtet, dass die sportliche Leitung weitermacht. Wie war es wirklich?

Oliver Bierhoff: Sie haben spekuliert und damit Recht gehabt. Nicht mehr, nicht weniger. Wir haben während der WM kein einziges Mal über dieses Thema gesprochen. Wir konnten und wollten eine Entscheidung diesen Ausmaßes nicht unter dem Druck und der Anspannung eines solchen Turniers treffen. Und es gab sicherlich auch Momente, in denen man ans Aufhören dachte. Wir brauchten den Abstand, um uns ein klares Bild machen zu können.

SPORT1: Sie hatten Ihre Zukunft nicht an die von Joachim Löw gebunden. Wann war klar, dass auch Sie beim DFB weitermachen?

Bierhoff: Ich wollte, dass die Trainer unabhängig von mir ihre Entscheidung treffen. Schon vor der WM kam aber von dort die Aussage, dass ich im Fall der Fälle auch weitermachen sollte. Dieses Vertrauen hat mich natürlich gefreut und hatte maßgeblichen Einfluss auf meinen Entschluss.

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SPORT1: Was war noch entscheidend für Ihren Entschluss?

Bierhoff: Vorrangig die sportlichen Perspektiven und das Vertrauen von allen Seiten der Mannschaft. Wir haben das Team kontinuierlich weiterentwickelt, sowohl sportlich als auch vom Image her. Da sehe ich mich als ein Baustein für den Erfolg. Ich werde weiter versuchen, den Trainern den Rücken freizuhalten und auch aus den Dingen meine Lehren zu ziehen, die nicht so gut gelaufen sind.

SPORT1: Sie haben durch die WM viele prominente Kritiker überzeugt, dennoch gibt es nach wie vor viel Skepsis auf Seiten der Fans gegenüber Ihrer Arbeit. Wie gehen Sie damit um?

Bierhoff: Ich habe schon als Spieler immer polarisiert und auch als Manager ist es nicht die Aufgabe, allen zu gefallen. Uli Hoeneß war auch jahrelang Feindbild Nummer 1 vieler Fans, seine Erfolge sind aber unumstritten und sprechen aber eine eindeutige Sprache.

SPORT1: Worauf führen Sie die anhaltende Kritik an Ihrer Person zurück?

Bierhoff: Es wird häufig unterstellt, dass ich nur meine eigenen Interessen verfolge. Wer sich aber die Mühe macht, keine Vorurteile zu bedienen, sondern genau analysiert, wird erkennen, dass ich mich einzig für die Nationalmannschaft einsetze. Meine persönlichen Sponsoren habe ich abgegeben. Es ist zu hoffen, dass die Kritiker die Fakten bewerten und sich nicht von Emotionen leiten lassen. Gleichwohl ist konstruktive Kritik wichtig und wird von mir sehr ernst genommen.

SPORT1: Das ist offenbar bei einigen Leuten schwierig...

Bierhoff: Ich muss mich zwar für meine Leistungen sicher nicht rechtfertigen, dennoch würde ich gerne mal die Gelegenheit bekommen, alle Anschuldigungen, die im Raum herumschwirren, zu widerlegen. Bisher gelang es mir immer, meine Gesprächspartner bei direkter Konfrontation von Inhalt und Sinn meiner Arbeit zu überzeugen.

SPORT1: Abschließend zur Kapitänsfrage: Joachim Löw will sich erst vor den nächsten Länderspielen entscheiden. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass dadurch dieses Thema weiter in den Medien und der Öffentlichkeit präsent bleibt?

Bierhoff: So lange die Nationalmannschaft nicht zusammen ist, kann das Thema auch nicht für Unruhe sorgen. Wichtig ist, dass man dann im September das Ganze in Ruhe klärt. Für Jogi Löw ist vor allem das persönliche Gespräch sehr wichtig. Insofern haben wir noch ein bisschen Zeit. Wir haben ja schon häufiger in der Vergangenheit bewiesen, dass wir uns da nicht treiben lassen und die Ruhe bewahren. Die Entscheidungen die dabei herauskamen, waren ja nicht die schlechtesten.

SPORT1: Und welchen Einfluss haben Sie als Ex-Kapitän der Nationalelf auf diese Frage?

Bierhoff: Wir diskutieren das Thema natürlich intern in der sportlichen Leitung. Es ist und bleibt Jogis Entscheidung, die wir dann alle zusammen tragen.

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