Der Bundestrainer nimmt bei der Debatte um Kapitän und Nummer 1 eine öffentliche Demontage der Beteiligten in Kauf. Das birgt Gefahren.

Nach dem 2:2 in Dänemark dürfte die Kritik am Bundestrainer wieder zunehmen. Was nicht am Testkick seiner Rumpf-Mannschaft liegt, sondern an Joachim Löws Aussagen danach.

Ohne Not hat er die Torwart-Debatte wieder neu entfacht, obwohl alle Beobachter Manuel Neuer nach dessen überzeugender WM als klare Nummer 1 sahen.

Ebenso wie im weiter schwelenden Machtkampf um die Kapitänsfrage zwischen Michael Ballack und Philipp Lahm will Löw frühestens vor den beiden EM-Qualifikationsspielen Anfang September eine Entscheidung treffen.

Damit nimmt der Bundestrainer auch eine öffentliche Demontage der beteiligten Personen billigend in Kauf.

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Im Falle seiner Degradierung rechnen viele mit einem Rücktritt Ballacks aus der Nationalmannschaft. Erhält er aber die Spielführerbinde zurück, stünde Lahm als Verlierer da.

Ähnlich würde sich wohl Wiese fühlen, wenn ihm Löw jetzt erst Hoffnung macht, um dann doch den Statuts der WM mit Neuer als Nummer 1 wieder zu bestätigen.

Und umgekehrt dürfte den Schalker eine Zurückstufung zum Ersatzmann wohl ebenfalls schwer verärgern.

Auch wenn ein offener Konkurrenzkampf um die wichtigsten Posten und Positionen gerade in der Nationalmannschaft nicht das Schlechteste ist: Am Ende wird der öffentliche Eindruck von Gewinnern und Verlieren bleiben.

Das einzige, was für Löw spricht: Fast alle seiner umstrittenen Entscheidungen in der jüngsten Vergangenheit haben sich bei der WM als richtig herausgestellt.

Der Verzicht auf Torsten Frings und Kevin Kuranyi, das Vertrauen in eine extrem junge Mannschaft, die Rückendeckung für Liga-Problemfälle wie Miroslav Klose, Lukas Podolski und Arne Friedrich - oder der anhaltende Konkurrenzkampf um die Nummer 1 bis kurz vor der Endrunde in Südafrika.

Dennoch sollte auch dem Bundestrainer klar sein, dass das kein Selbstläufer ist. Auch Löw ist fehlbar.

So war er maßgeblich für die Wahl von Rainer Adrion als Coach der U-21 verantwortlich ? mit verheerenden Folgen für die DFB-Junioren, wie die Pleite in Island und das damit verbundene vorzeitige Aus für EM und Olympia gezeigt haben.

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