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Versteht Oliver Bierhoffs neuerliche Aussagen nicht: Michael Ballack © imago

Die Kapitänsdiskussion eskaliert: Ballack kontert die Vermutung des Teammanagers, er mache ohne Binde weiter. Auch Bayer tobt.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Kopenhagen - Nach dem 2:2 in Dänemark erreicht die schwelende K-Frage in der deutschen Nationalmannschaft zwischen Michael Ballack und Philipp Lahm einen neuen Höhepunkt:

In einem Interview meldete sich Ballack, der das Duell am Mittwoch 273479(DIASHOW: Die Bilder des Spiels) vorm Fernseher verfolgt hatte, nun nochmals zu Wort - und ging auf Konfrontationskurs mit DFB-Team-Manager Oliver Bierhoff.

Der hatte vor dem Spiel in Kopenhagen gemutmaßt, Ballack werde bis zur EURO 2012 sicher auch ohne Kapitänsbinde weiter in der Nationalmannschaft spielen.

Eine Aussage, die den Neuzugang von Bayer Leverkusen schwer verwundert.

"Verstehe Bierhoffs Aussagen nicht"

"Ich weiß nicht, was die Spekulationen vom Manager sollen. Als das Thema während der WM aufkam, habe ich das Turnier natürlich zunächst abgewartet und dann Jogi Löw angerufen", so Ballack.

Der Bundestrainer habe ihm versichert, "dass ich mir überhaupt keine Sorgen machen müsse und ganz entspannt bleiben solle. Deshalb verstehe ich auch die Aussagen von Oliver Bierhoff nicht."

Während Bierhoff die neuerlichen Spekulationen vor dem Anpfiff lostrat, versuchte Löw nach der Partie im "ZDF" zu entkräften: "Ballack war bisher der Kapitän, und er ist unser Kapitän, bis ich was anderes sage."

Rückendeckung auch von Mertesacker

Aus der Nationalmannschaft bekommt Ballack nach Bayern Bastian Schweinsteiger mittlerweile auch öffentliche Rückendeckung von Per Mertesacker:

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Er gehe fest davon aus, dass der 33-Jährige ins Nationalteam zurückkehrt, ließ der Werder-Profi in der "Bild" verlauten.

Und Mertesacker ergänzte: "Die entscheidende Aussage des Bundestrainers war, Philipp Lahm zum Kapitän des Turniers zu machen. Vor dem Turnier war Michael unumstritten, so wird es jetzt auch wieder sein."

Harsche Kritik an Löw

Ballack spielte den Ball gern zurück und erwiderte: "Ich freue mich natürlich über solche Aussagen."

Zuvor hatten sich schon die Leverkusener Verantwortlichen nochmals eindeutig auf Ballacks Seite geschlagen und die sportliche Führung der DFB-Auswahl massiv kritisiert.

Ausschlag gebend war dabei Löws Aussage vor dem Dänemark-Spiel, die Kapitänsfrage erst Anfang September beantworten zu wollen.

"Ich habe zu beiden Spielern gesagt, dass ich mir die Zeit nehme zu überlegen, wie es konzeptionell die nächsten zwei, drei oder vier Jahre weitergehen soll," so Löw.

Völler stellt die Sinnfrage

Für Bayer-Sportchef Rudi Völler ein klarer Affront gegen Ballack.

"Wenn man wie Michael Ballack erklärt hat, nur noch zwei Jahre spielen zu wollen, der Bundestrainer aber eine Drei- ­oder sogar Vierjahresplanung aufstellt, dann ist es legitim darüber nachzudenken, ob es noch gemeinsam Sinn macht", sagte der ehemalige DFB-Teamchef dem "kicker".

Und weiter: "Dann muss man sich im September an einen Tisch setzen und offen und ehrlich miteinander reden."

Rücktritt bei Entscheidung gegen Ballack?

Genau das hat Löw vor. Doch für den Fall einer Entscheidung gegen Ballack rechnen viele mit einem Rücktritt des 98-fachen Nationalspielers. 273481(Die DFB-Elf in der Einzelkritik)

Dass Bierhoff in dei Debatte um Ballack nun erneut Öl ins Feuer gießt ("Er steht unmittelbar vor seinem 100. Länderspiel und will sicherlich noch eine starke EM spielen. Ich glaube, das wird er nicht davon abhängig machen, ob er Kapitän bleibt"), bringt wiederum Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser auf die Palme.

"Das Ganze ist nicht mehr zu ertragen. Michael würde auch ohne Kapitänsbinde weiter in der Nationalelf spielen, heizt die Spekulationen nur noch unnötig an. Stattdessen sollte die Führung der Nationalelf endlich Farbe bekennen und Ross und Reiter nennen", schimpfte er in der "Bild".

Holzhäuser spricht von Demontage

"Ich finde es absolut unmöglich, wie die sportliche Führung der Nationalelf immer wieder Michael Ballack mit solchen Nadelstichen demontiert", so Holzhäuser weiter.

"Die Art und Weise, wie man mit einem Spieler, der so viel für die Nationalelf getan hat und der vor 90 Tagen noch der uneingeschränkte Top-Spieler des deutschen Fußballs war, umgeht, ist einfach nur noch ungeheuerlich."

Rummenigges ironischer Konter

Die deutlichen Worte vom Rhein sorgten wiederum für einen ironischen Konter von Lahms Verein FC Bayern.

"Ich nehme den Lobbyismus aus Leverkusen für Michael Ballack etwas schmunzelnd wahr, weil ich aus eigener Erfahrung weiß: wenn man Lobbyismus betreibt, dann hat man Gründe dafür", stichelte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

"Das haben wir beim FC Bayern für Lahm nicht nötig. Wir haben keinen Zweifel, dass er ein hervorragender Kapitän für die Nationalmannschaft wird und bereits ist."

"Es geht um Respekt"

Doch Völler sieht das völlig anders.

"Ich kann nur betonen, dass es hier nicht darum geht, einen Spieler von Bayer Leverkusen zu schützen. Es geht um Grundsätzliches und ich bin sicher, dass Kalle Rummenigge, den ich sehr schätze, dies nicht anders sieht. Es geht um Respekt und darum, wie man mit einem verletzten Spieler umgeht", sagte er.

Völler ergänzte: "Es kann keine zwei Meinungen geben, wie man mit solch einem Spieler umzugehen hat. Und stünde Michael noch bei den Bayern unter Vertrag, würden Kalle Rummenigge und Uli Hoeneß sicher die gleichen Worte gebrauchen wie jetzt ich. Ganz sicher!"

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