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Schon in dieser Woche könnte das Gespräch zwischen Ballack (l.) und Löw stattfinden © getty

Noch in dieser Woche könnte der Machtkampf zwischen Löw und Ballack beendet sein. Derweil kritisieren mehrere Experten den DFB.

Von Martin Volkmar

München - Noch in dieser Woche könnte der Machtkampf zwischen Joachim Löw und Michael Ballack beendet sein.

Die erwartete Versöhnung ist aber noch keinesfalls sicher.

Denn Ballack hat sich in seiner Pressemitteilung am Samstagabend vor allem für die Form entschuldigt, nicht aber für den Inhalt.

"Und somit muss ich leider feststellen, dass es ein Fehler war, diesen Weg zu wählen", hatte er erklärt.

Aus diesem Grund nahm Löw das Entschuldigungsschreiben recht reserviert zur Kenntnis.

"Ich habe die Reaktion registriert", sagte der Bundestrainer nur. "Viel wichtiger ist das persönliche Gespräch."

Rauswurf weiter möglich

Sollte Ballack dabei bei seinen Vorwürfen aus dem FAZ-Interview bleiben, ist ein Rauswurf aus der Nationalmannschaft weiterhin nicht ausgeschlossen.

Zumal sich Löw der Rückendeckung der Verbandsspitze sicher sein kann. "Der DFB-Präsident steht auf der Seite des Bundestrainers. Das ist meine Aufgabe", bekräftigte DFB-Boss Theo Zwanziger im DSF.

Entschuldigung reicht Zwanziger nicht

Dieser sieht vor allem weiterhin Gesprächsbedarf. Die Entschuldigung von Nationalmannschaftskapitän Ballack reicht dem Verbandschef nicht aus.

"Nun ist allerdings die Frage: Wie einsichtig ist Michael Ballack? Ist die Entschuldigung nur Taktik oder ist sie wirklich ernst gemeint?", sagte Zwanziger zudem der Zeitung "Die Welt".

Eine Unterredung mit Ballack müsse das Ziel haben, dass sich ein solcher Fall nicht wiederhole.

"Wir haben uns ausgetauscht, was die Erklärung zu bedeuten hat und diskutiert, ob damit jetzt alles klar ist. Das sieht Joachim Löw nicht so, und ich sehe es auch nicht so", sagte Zwanziger.

Hoffnung besteht weiter

"Ich hoffe darauf, dass es zusammen weitergehen kann, aber nur dann, wenn eine klare Vertrauensbasis zwischen Trainer, Spielführer und der gesamten Mannschaft gegeben ist", erklärte er weiter.

"Wenn der Bundestrainer aus dem Gespräch heraus das Gefühl gewinnt, das Vertrauensverhältnis ist doch stark gestört, dann muss er die Entscheidung treffen, die er für richtig hält."

Nach Ballacks öffentlichem Rückzieher gilt zwar der Entzug der Kapitänsbinde als höchste anzunehmende Strafe. Doch für den Fall einer solchen Demontage ist nicht auszuschließen, dass der 32-Jährige darauf seinerseits mit dem Rücktritt reagiert.

Prominente Rückendeckung für Ballack

Erschweren könnte eine Lösung auch, dass Ballack nach der massiven Kritik an seinem öffentlichen Vorpreschen erstmals am Wochenende prominente Unterstützung bekam.

"Das muss zu kitten sein. Michael Ballack ist für die Nationalmannschaft unabdingbar. Ohne den kann man meiner Meinung nach nicht zur Weltmeisterschaft 2010 fahren", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß.

"Ich denke, zwei Männer können auch mal etwas Kritisches übereinander sagen, ohne dass man so ein Theater daraus macht. Ich bin für eine Aussprache und dann muss die Sache erledigt sein."

"PR-Politik des DFB ist eine Katastrophe"

Zudem kritisierte er die Vorgehensweise des Verbandes: "Die PR-Politik des DFB ist eine Katastrophe. Man lässt das Thema köcheln. Man muss es endlich mal beenden."

In die gleiche Kerbe schlug Ex-Nationalspieler Thomas Berthold. "Kein gutes Bild gibt in dieser Situation auch der DFB ab. Das Krisenmanagement hat versagt", erklärte der Weltmeister von 1990 im "kicker".

Nach Ansicht von Berthold und anderen Experten wie Ottmar Hitzfeld hätte Löw mit einem Besuch bei Ballack in der Reha in London das Problem schon aus der Welt schaffen können.

"Ich hätte mich gleich ins Flugzeug gesetzt und wäre zum Spieler geflogen", hatte der Schweizer Nationalcoach gesagt, der von 2002 bis 2005 erfolgreich mit Ballack beim FC Bayern zusammenarbeitete.

Löw besteht auf "Canossa-Gang"

Doch auf den "Canossa-Gang" des Spielführers nach Deutschland will Löw auf gar keinen Fall verzichten.

"Auch wenn einige das offenbar anders gesehen haben: Ich wäre niemals nach London geflogen. Das war von Anfang an meine klare Linie?, sagte der 48-Jährige der "Bild".

Durch die Weigerung des FC Chelsea, Ballack nach Deutschland fliegen zu lassen, verzögerte sich daher das in Löws Wohnort Freiburg vorgesehene Gespräch.

In Kürze aber darf Ballack wohl reisen, vielleicht schon nach dem Ziehen der Fäden am operierten Fuß Mitte der Woche.

Ein Friedensschluss wird dann maßgeblich von Ballack abhängen. Die Marschroute des DFB beschrieb Zwanziger so: "Wir müssen wissen: Können wir uns darauf verlassen, dass solche Dinge nicht wieder passieren?"

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