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Theo Zwanziger (r.) trat beim DFB die Nachfolge von Gerhard Mayer-Vorfelder an © imago

Der DFB-Präsident gibt an, die Entscheidung des Bundestrainers mitzutragen. Einen Rücktritt Ballacks hält er für möglich.

Köln - Alle Macht dem Bundestrainer:

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat Joachim Löw erneut einen Freibrief ausgestellt und schenkt seinem leitenden Angestellten auch in der heiß diskutierten K-Frage das volle Vertrauen.

"Es gibt nur einen, der diese Frage beantworten kann: den Bundestrainer", sagte Zwanziger der "Sport Bild":

"Ich werde die Entscheidung auf jeden Fall mittragen - egal, wie sie ausfällt."

Zwanziger setzt seit der erfolgreichen WM und der erst im zweiten Versuch erfolgreichen Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer voll auf die Karte Löw.

Schon im Kompetenzstreit um die U21 zwischen Löw und Sportdirektor Sammer hatte sich der DFB-Boss demonstrativ auf die Seite des Coaches gestellt.

Nun ebnet Zwanziger Löw auch in der heiklen Diskussion um die Kapitänsfrage alle Wege.

Ballack-Rücktritt möglich

Man wolle nicht nur ehrgeizige, sondern auch respektvolle Spieler, sagte Zwanziger:

"Ich wünsche mir daher, dass derjenige, der von Löw nicht als Kapitän berücksichtigt wird, diese Entscheidung genauso respektvoll akzeptiert, wie er vorher seine Ansprüche formuliert hat."

Der gelernte Jurist deutet zumindest an, dass er im Falle einer Entscheidung pro Lahm auch einen Rücktritt von Ballack für möglich hält.

"Ich wünsche mir, dass Michael Ballack noch so lange wie möglich für die Nationalmannschaft spielt. Ich weiß aber auch, dass er die Rolle als Spieler, Führungsspieler und Kapitän sehr stark miteinander verbindet", sagte Zwanziger.

Kein Freibrief

Er lobte Ballack auf der einen Seite zwar als den Spieler, "der den deutschen Fußball nach der Wiedervereinigung geprägt hat wie kein anderer", wollte ihm aber keinen Freibrief ausstellen.

Löw müsse sich bei Ballack zunächst vergewissern, "wie er sich einbringen kann und will in eine Nationalmannschaft, die ohne ihn eine großartige WM gespielt und in der ein jüngerer Spieler die Kapitänsrolle glänzend ausgefüllt hat".

Lahm habe sich durch eine glänzende fußballerische Leistung und durch "seine Art des Umgangs mit der Mannschaft und darüber hinaus" Achtung und Sympathie erworben.

Löws Zögern keine Demontage

Kritiker, die Ballack bereits durch Löws Zögern beschädigt sehen, weist Zwanziger in die Schranken.

Es sei das gute Recht des Bundestrainers, sich ein genaues Bild zu machen und die Entscheidung dann zu fällen, wenn sie anstehe.

Eine Demontage von Ballack sei dies "sicher nicht". Ohnehin halte er die Diskussion über die K-Frage für "überhöht".

Jubiläum gegen Aserbaidschan?

Löw gibt am Freitag seinen Kader für die Länderspiele in Belgien und gegen Aserbaidschan bekannt. Beim zweiten Spiel in Köln könnte Ballack sein 100. Länderspiel bestreiten.

Sein Europacup-Comeback für Bayer Leverkusen muss der "Capitano" allerdings verschieben.

Bayer trat am Mittwoch ohne Ballack die Reise zum Qualifikations-Rückspiel zur Europa League beim ukrainischen Pokalsieger Tawrija Simferopol an.

Der 33-Jährige wurde angesichts des 3:0-Hinspielsieges geschont. Ballack hat nun also jede Menge Zeit für ein Telefonat mit dem Bundestrainer.

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