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Theo Zwanziger (l.) und Gerhard Mayer-Vorfelder waren zwei Jahre DFB-Doppelspitze © getty

Den DFB-Präsidenten zieht es in die UEFA-Exekutive, um die "Entwicklung im Fußball voranzutreiben". Er erhält breite Unterstützung.

Frankfurt/Main - Theo Zwanziger macht die DFB-Aktivitäten in der Europäischen Fußball-Union zur Chefsache:

Der 63 Jahre alte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes wird sich auf dem UEFA-Kongress am 25./26. März 2009 in Kopenhagen um einen Platz im Exekutivkomitee bewerben.

Der Jurist aus Altendiez, der seit 2004 an der Spitze des deutschen Verbandes steht, möchte als Nachfolger seines ehemaligen DFB-Co-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder Aufnahme in die "Regierung" des europäischen Fußballs finden.

Der 75-jährige "MV", der zurzeit als einer von fünf UEFA-Vize-Präsidenten amtiert, scheidet nach achtjähriger Tätigkeit aus Altersgründen aus.

Offizielle Absegung fehlt

Auf einer DFB-Präsidiumssitzung am 14. November muss die Kandidatur Zwanzigers noch offiziell abgesegnet werden.

"Im Fall meiner Nominierung durch das DFB-Präsidium bin ich mir der Verantwortung bewusst, meine Kandidatur für die UEFA-Exekutive erfolgreich zu gestalten. Natürlich hoffe ich dabei auch auf die Unterstützung meiner Freunde im DFB und in der Liga", sagte Zwanziger.

Der DFB-Boss hatte erst vor Wochenfrist angekündigt, dass er sich 2010 für eine weitere Amtszeit als DFB-Chef bis 2013 zur Verfügung stellen werde.

Beckenbauer begrüßt die Kandidatur

Franz Beckenbauer, seit Januar 2007 Mitglied im Exekutiv-Komitee des Weltverbandes FIFA, begrüßte die Kandidatur.

"Mit seinem rhetorischen Geschick und seiner Erfahrung, mit seinem juristischen Sachverstand und seiner Fähigkeit, gerade in schwierigen Diskussionen und Situationen die richtigen Argumente und Wege zu finden, wird er die Entwicklung des Fußballs in Europa mit vorantreiben", sagte der "Kaiser": "Theo Zwanziger ist ein Mann der Basis und des Ausgleichs, der auch die Interessen des Profifußballs hervorragend vertreten wird."

Deutsche Vertretung wichtig

Mayer-Vorfelder ergänzte: "In meiner rund 20-jährigen Tätigkeit in den Führungsgremien der FIFA und UEFA habe ich gesehen, wie wichtig die Vertretung des deutschen Fußballs dort ist. Deshalb begrüße ich es sehr, dass DFB-Präsident Theo Zwanziger diese lange Tradition fortsetzt."

Er werde, so Mayer-Vorfelder. ihn selbstverständlich bei seiner Bewerbung unterstützen.

Keine Dissonanz mit der UEFA

Die UEFA wollte zur Ankündigung des DFB-Präsidenten offiziell keinen Kommentar abgeben.

Klar ist jedoch, dass UEFA-Präsident Michel Platini in jüngerer Vergangenheit sehr eng mit dem DFB und auch mit Zwanziger zusammengearbeitet hat. Die Dissonanzen, die zwischen Platini und Zwanziger nach der Wahl der französischen Fußball-Ikone zum UEFA-Boss aufgetreten waren, wurden längst ausgeräumt.

Der DFB hatte beim Votum am 26. Januar 2007 in Düsseldorf den 17 Jahre amtierenden UEFA-Boss und langjährigen deutschen Verbündeten Lennart Johansson aus Schweden unterstützt.

Auch Platinis Wunsch

Über die Absicht einer Kandidatur informierte Zwanziger bereits am 22. Oktober den UEFA-Präsidenten am Rande einer Sitzung des Organisationskomitees für die WM 2010.

Platini habe zuvor, so der DFB, ausdrücklich seinen Wunsch deutlich gemacht, dass der deutsche Fußball weiterhin mit einem Repräsentanten im UEFA-Exekutivkomitee mitarbeiten solle.

Unmittelbar nach dem Gespräch mit Platini informierte der deutsche Verbands-Chef auch die Mitglieder des DFB-Präsidiums über seine Bereitschaft zur Kandidatur.

Wahl ist kein Selbstläufer

Dass die Wahl in ein Exekutivkomitee nicht unbedingt ein Selbstläufer für einen deutschen Bewerber wird, musste allerdings schon Mayer-Vorfelder erfahren.

Der 75-Jährige war einst beim Votum der Mitgliedsverbände des Weltverbandes FIFA am Malteser Joseph Mifsud gescheitert. Erst später rückte der gebürtige Mannheimer wieder ins FIFA-Exko.

Seit 2000 gehörte jedoch der langjährige Präsident des VfB Stuttgart ununterbrochen dem UEFA-Exko an, trat seinen Posten in der FIFA mittlerweile an Beckenbauer ab.

Gute Präsenz im europäischen Fußball

Beckenbauer und DFB-Boss Zwanziger sollen also künftig als "Außenminister" dafür sorgen, dass die Interessen des deutschen Fußballs in den wichtigsten internationalen Fußball-Gremien berücksichtigt werden.

Da zudem Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge als Präsident der European Club Association (ECA) fungiert, ist der deutsche Fußball derzeit und - sofern Zwanziger ins UEFA-Exko einzieht - auf Dauer gut repräsentiert.

Liga-Präsident Reinhard Rauball ist der Überzeugung, dass Zwanziger ein guter internationaler Repräsentant sei und "von der Liga die notwendige Unterstützung erhalten" werde.

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