Joachim Löw lässt Michael Ballack bei der Kader-Nominierung außen vor. Der Bundestrainer nimmt damit neuerliche Unruhe in Kauf.

Eines zumindest kann man Joachim Löw nicht vorwerfen: Dass er sich von der öffentlichen Meinung treiben lasse.

Der Bundestrainer fällt eine Entscheidung, wann es ihm zusagt.

Nicht früher und nicht später.

Die quälend lange Debatte um die Zukunft von Kevin Kuranyi zeigte das genauso wie Löws langes Abwägen, ob er nach der erfolgreichen WM bis zur Europameisterschaft 2012 im Amt bleiben würde.

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Die positive Seite: Löw hat eine eigene Meinung und setzt die auch durch.

Die negative: Der Bundestrainer hat in manchen Dingen das Talent, Themen so lange vor sich herzuschieben, bis sie schließlich in der Öffentlichkeit einen gewaltigen Raum einnehmen.

Im Fall von Michael Ballack ist Löws Entscheidung sportlich nachvollziehbar:

Der Kapitän, als der Ballack ja offiziell noch firmiert, steht nicht im Kader gegen Belgien und Aserbaidschan.

Nach seiner schweren Verletzung vor der WM hat der 33-Jährige noch körperliche Defizite.

Ballack wollte gerne mit zur Nationalmannschaft, sagte: "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber ich denke, ich bin ein Teil der Mannschaft."

Ballack plante, sich im Team zu zeigen, seine eigene Stellung zu untermauern.

In den kommenden beiden EM-Qualifikationsspielen wird dagegen wieder Philipp Lahm die Kapitänsbinde tragen.

Löw verordnete dem Capitano eine Pause. Die Nachricht, die dahintersteckt, ist klar: Auch für Alpha-Tier Ballack gelten keine Ausnahmeregeln.

Trotz 98 Länderspiele muss er sich wieder beweisen, für Löw zählt nur die aktuelle Leistungskraft, nicht die früheren Verdienste.

Wie unerbitterlich Löw in dieser Frage sein kann, zeigte das Beispiel des Bremers Torsten Frings, der beim Bundestrainer plötzlich keinen Fuß mehr in die Tür bekam.

Löw macht deutlich, es liegt jetzt an Ballack, alte Klasse zu zeigen.

Einen durchschnittlichen Auftritt, wie ihn sich Ballack gegen Dortmund leistete, will Löw - mangelnde Fitness hin oder her - nicht akzeptieren.

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