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Philipp Lahm (l.) und Joachim Löw (r.) während Michael Ballacks Besuch in Südafrika © getty

Der Bundestrainer will Ballack und Lahm im Streit um das Kapitänsamt offenbar einen Kompromiss anbieten. Aber Ballacks Fürsprecher mehren sich.

München - Das Kapitänsamt bei der deutschen Nationalmannschaft wird bis zur EM 2012 offenbar zum Teilzeit-Job.

Bundestrainer Joachim Löw plant in der brisanten K-Frage ein Jobsharing zwischen seinem WM-Kapitän Philipp Lahm und dem etatmäßigen Spielführer Michael Ballack, der wegen mangelnder Fitness nicht zum Aufgebot für die ersten beiden EM-Qualifikationsspiele des WM-Dritten in Belgien (3. September) und gegen Aserbaidschan (7.) zählt.

Am Mittwoch oder Donnerstag wird der Bundestrainer in Frankfurt, wo sich die Nationalspieler am Dienstagmittag treffen, bekannt geben, wie er künftig in der Kapitänsfrage verfährt.

"Ich brauche mehrere Kapitäne", hatte Löw am Wochenende in mehreren TV-Interviews vieldeutig erklärt und damit klar gemacht, dass er die Verantwortung wie schon bei der WM auf viele Schultern verteilen will.

Immer mehr Fürsprecher für Ballack

Dass sich Lahm, der in Brüssel und Köln die Binde tragen wird, und Ballack künftig als Spielführer abwechseln, ist möglich, obwohl sich innerhalb der Mannschaft die Fürsprecher für den 33-Jährigen Ballack mehren.

Nationalstürmer Miroslav Klose bezog im "kicker"-Interview klar Position für Michael Ballack, nachdem sich zuletzt schon Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker, Mesut Özil, Cacau und Heiko Westermann klar hinter den Routinier gestellt hatten.

Klose glaubt an Ballack als Kapitän

"Es war zwischen Philipp Lahm und dem Bundestrainer so abgesprochen, dass Philipp bei der WM der Übergangskapitän ist. Ich denke, dass Michael Ballack wieder Kapitän ist, wenn er zurückkehrt", sagte Klose.

"Wenn alles so kommt wie abgesprochen, wird Ballack wieder Kapitän. Und ich gehe davon aus, dass Ballack sicher Kapitän sein wird, wenn er wieder dabei ist", sagte der Stürmer von Bayern München, der auch dem Mannschaftsrat der DFB-Auswahl angehört.

"Wenn Ballack fit ist, brauchen wir ihn auf jeden Fall, keine Frage", sagte Klose über den Leverkusener, der sich nach der 3:6-Pleite mit Bayer gegen Borussia Mönchengladbach zu diesem Thema nicht äußern wollte.

Kompromiss: Lahm als gleichwertiger Stellvertreter?

Leverkusens Sportchef Rudi Völler verriet aber, dass diese Woche noch ein Treffen zwischen Ballack und Löw auf dem Programm steht.

Löw wird den beiden Anwärtern auf das Kapitänsamt offenbar einen Kompromiss anbieten, mit dem beide leben können, ohne ihr Gesicht zu verlieren.

Falls Ballack wieder hundertprozentig fit ist und beim DFB-Team wieder von Beginn an spielt, wird der 98-malige Nationalspieler mit der Binde auflaufen.

Lahm bleibt gleichberechtigter Stellvertreter und wird spätestens nach der EM zum neuen Chef bestimmt.

Ballack bei nächsten Spielen wieder dabei?

Mit dieser Lösung kann sich Löw blendend aus der Affäre ziehen, vor allem, weil noch nicht absehbar ist, wann Ballack wieder seine Topform erreicht.

"Jeder, der tolle Leistung bringt, wird eingeladen", so Löw. Ob sich Ballack schon im September für den übernächsten Doppelpack in der EM-Qualifikation gegen die Türkei und in Kasachstan Mitte Oktober empfehlen kann, bleibt abzuwarten.

Dem Mittelfeldspieler bleiben bis dahin vier Bundesligaspiele und zwei Begegnungen in der Europa League, um Löw zu überzeugen.

Allofs sieht Lahm vorn

Bremens Manager Klaus Allofs sieht Ballack mittlerweile im Hintertreffen.

"Am Ende ist der Kapitän der verlängerte Arm des Trainers. Michael Ballack muss das auch einsehen sehen: Er hat ein wichtiges Turnier verpasst, das hat gut funktioniert mit Philipp Lahm. Warum soll man so eine Konstellation aufgeben?", meinte der frühere DFB-Kapitän bei "Sky".

Entscheidend wird zudem sein, inwieweit Sami Khedria gegen Belgien und Aserbaidschan an der Seite von Schweinsteiger seine guten Auftritte während der WM bestätigen kann.

Khedira will Platz verteidigen

Der Profi von Real Madrid hatte bereits bekräftigt, dass er seinen Platz nicht freiwillig für Ballack räumen wird.

"Wenn ein Spieler sagen würde, er geht freiwllig auf die Bank, würde ich ihn nicht einladen", kommentierte Löw die Kampfansage des ehemaligen Stuttgarters.

Neben der Kapitänsfrage wird Löw diese Woche auch beantworten, wer in den kommenden beiden Jahren die Nummer eins zwischen den Pfosten sein wird.

Neuer bleibt wohl Nummer eins

Dabei spricht alles für den Schalker Manuel Neuer, der bei der WM den verletzten Rene Adler hervorragend vertreten und sich dadurch selbst in die beste Position gebracht hatte.

Der Leverkusener Adler, bis zu seiner Verletzung vor der WM die Nummer eins, rechnet sich ebenfalls Chancen aus.

Der Bremer Tim Wiese, in Südafrika noch die Nummer zwei, wird sich in Zukunft mit der Rolle des dritten Keepers begnügen müssen.

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