Löws Teillösung in der Kapitänsdebatte ist gewagt, aber auch klug: Denn sie betont, dass es nicht um ein Stück Stoff am Arm geht.

Michael Ballack bleibt Kapitän der Nationalmannschaft bleiben. Das hat Joachim Löw erst seinen Spielern mitgeteilt.

Und das bestätigte der Bundestrainer nun auch in Frankfurt auf einer DFB-Pressekonferenz offiziell.

Wenn Ballack sich seinen Platz im DFB-Team zurückerobert, soll er die Mannschaft zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine führen.

Sprich: Wenn die Leistung stimmt, ist Ballack wieder der "Capitano", der er bis zu seiner Verletzung vor Beginn der Weltmeisterschaft war.

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Damit hat Löw ein klares Zeichen gesetzt: Die "K-Frage" ist eine Sache des Leistungsprinzips. Aber beileibe kein Freifahrtschein für Ballack.

Denn er wird sich erst einmal gegen Spieler durchsetzen müssen, die bei der WM für ihn in die Bresche gesprungen sind - und die dabei große Klasse unter Beweis gestellt haben.

Sami Khedira, der Ballacks Posten im defensiven Mittelfeld übernahm, empfahl sich in Südafrika für höhere Aufgaben und darf sich mittlerweile gar Profi von Real Madrid nennen.

Vor allem Khedira wird seinen Platz im DFB-Team demnach nicht kampflos räumen. Das weiß Löw - und das weiß auch Ballack.

Der Leverkusener hat momentan sowieso ganz andere Sorgen: Er muss sich erst einmal in die Verfassung bringen, in der er seinem Verein und der Nationalmannschaft überhaupt eine wichtige Stütze sein kann.

Weil er das noch nicht wieder ist, hat ihn Löw auch nicht für die beiden nächsten Spiele nominiert.

Eins darf man ohnehin nicht vergessen: In Belgien und gegen Aserbaidschan geht es um die EM-Qualifikation und nicht darum, wer die Spielführerbinde trägt.

Philipp Lahm hat die Kapitänsrolle in Südafrika ordentlich ausgeführt und wird von seinen Mitspielern respektiert.

Während der WM anzukündigen, er werde die Kapitänsbinde nicht ohne weiteres wieder abgeben, war allerdings nicht förderlich.

Löws jetzige Entscheidung ist insofern klug: Denn sie fördert den Konkurrenzkampf. Und stachelt Ballacks ohnehin großen Ehrgeiz zusätzlich an.

Wirklich Ruhe in die Kapitäns-Debatte dürfte allerdings trotzdem nicht einkehren, die Lösung mit einem 1a- und einem 1b-Kapitän ist gewagt.

Allerdings: Kehrt Ballack zu alter Stärke zurück, ist er für die Mannschaft ein wichtiger Faktor, auf den man nicht verzichten kann. Er hat die Erfahrung, die dem jungen deutschen Team in Südafrika letztendlich noch zum Triumph gefehlt hat.

Und genau darum geht es doch: um Erfolge.

Seit 1996 hat die A-Nationalmannschaft keinen Titel mehr gewonnen. Für den ersehnten EM-Triumph müssen alle an einem Strang ziehen - und nicht um ein Stück Stoff am Arm zerren.

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