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Michael Ballack wechselte im Sommer vom FC Chelsea zu Bayer 04 Leverkusen © getty

Ballack ist nur noch Kapitän auf Abruf, dazu ist er seine Stammplatzgarantie los. Doch Rückschläge sind für ihn kein Neuland.

Von Thorsten Mesch

Frankfurt am Main - Durch die Entscheidung von Joachim Löw ist Michael Ballack zwar Kapitän, aber nur noch auf Abruf.

Seine Stammplatzgarantie ist der 33-Jährige los, Rückendeckung hat er vom Bundestrainer nicht bekommen. Im Gegenteil.

Die Spielführerbinde im DFB-Team erhält er nur zurück, wenn er sich durch Leistung wieder einen Platz in der Mannschaft erarbeitet.

Ballack selbst arbeitete am Mittwoch an seiner Form, ließ aber nach dem Training alle Fragen unbeantwortet.

Ballack ist Rückschläge gewohnt

Doch einiges spricht dafür, dass Ballack nichts unversucht lassen wird, sich seine dominierende Position als "Capitano" zurückzuerobern. Denn er hat gelernt, mit Enttäuschungen umzugehen - und nach Rückschlägen zurückzukommen.

SPORT1 blickt auf die Höhen und Tiefen in Ballacks Karriere und erklärt, wie der Leverkusener trotz aller Widrigkeiten am Ende doch als Gewinner dastehen kann.

Als Ballack bei der Weltmeisterschaft 2002 im Halbfinale gegen Südkorea in der 71. Minute durch ein Foul eine Großchance der Gastgeber vereitelte und dafür die Gelbe Karte sah, war klar, dass er in einem möglichen Endspiel fehlen würde.

Double-Gewinn 2005

Vier Minuten später schoss er die deutsche Nationalmannschaft ins Endspiel. Auf der Tribüne musste er miterleben, wie das DFB-Team 0:2 gegen Brasilien verlor.

Es war für den damaligen Leverkusener dem verlorenen Champions-League-Finale, Platz zwei in der Bundesliga und der Niederlage im DFB-Pokal-Endspiel die vierte bittere Niederlage innerhalb weniger Wochen.

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Ein Jahr später lief es besser für ihn. Mit dem FC Bayern gewann er das Double aus Meisterschaft und Pokal, was ihm im Jahr 2005 noch einmal gelang.

Wechsel zum FC Chelsea

Ballack, der seinen ersten Meistertitel bereits als 21-Jähriger mit dem 1. FC Kaiserslautern gewann, wechselte 2006 zum FC Chelsea. Mit der Nationalmannschaft wollte er in jenem Sommer den WM-Pokal nach Deutschland holen, doch der Versuch misslang.

Der nächste Rückschlag folgte am 22. April 2007: Nach einem üblen Foul des Newcastle-Verteidigers Titus Bramble zog sich Ballack eine schwere Sprunggelenksverletzung zu.

Zwei Operationen und acht Monate später, Trainer Jose Mourinho, der ihn nach London geholt hatte, war längst entlassen, feierte er sein Comeback.

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Bittere Niederlage für Ballack

Am Ende der Saison durfte er sich über den Gewinn des FA-Cups und des Ligapokals freuen.

Den Erfolgen folgten Niederlagen: Mit Chelsea verlor er 2008 das Champions-League-Finale gegen Manchester United, mit der Nationalmannschaft das EM-Endspiel gegen Spanien.

Doch der "ewige Zweite" kam zurück: Mit Chelsea gewann er 2009 noch einmal den FA-Cup, und in diesem Jahr endlich die englische Meisterschaft.

Aber im FA-Cup-Finale, drei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft in Südafrika, verletzte er sich nach einem Foul von Kevin-Prince Boateng so schwer, dass er die WM verpasste.

Rückkehr in die Bundesliga

Philipp Lahm übernahm die Kapitänsbinde und kündigte vor dem WM-Halbfinale gegen Spanien an, diese auch nicht ohne Weiteres zurückgeben zu wollen.

Abramowitschs Chelsea gab ihm keinen neuen Vertrag mehr.

Ballack kehrte in die Bundesliga zurück und arbeitete in Leverkusen auf Hochtouren an seinem Comeback.

Noch Luft nach oben

Im Europa-League-Hinspiel gegen Simferopol wechselte ihn Trainer Jupp Heynckes ein - und Ballack markierte per Strafstoß den 3:0-Endstand.

Beim Bundesligastart spielte Ballack beim 2:0-Sieg in Dortmund volle 90 Minuten. "Ich weiß, dass noch Luft nach oben ist, aber mit jedem Spiel wird es besser", sagte er anschließend.

Doch beim 3:6 am Sonntag gegen Mönchengladbach ging er mit unter und wurde nach einer Stunde ausgewechselt.

"Große Verdienste für die Nationalelf"

Für die Länderspiele gegen Belgien und in Aserbaidschan am Freitag bzw. Dienstag (beide ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) wurde er von Bundestrainer Joachim Löw nicht nominiert, aber am Mittwoch als Kapitän bestätigt ? doch nur wenn er es schafft, sich seinen Platz im DFB-Team zurückzuerobern.

"Ich sehe Michael im Moment noch nicht in der Verfassung, dass er uns weiterhelfen kann, deshalb trägt Philipp Lahm bei den nächsten beiden Spielen die Binde", erklärte Löw.

Ballack habe "große Verdienste um die Nationalmannschaft, aber er muss erst wieder seine Form finden", ergänzte der Bundestrainer:

"Im Oktober werde ich dann neu entscheiden, ob er uns weiterhelfen kann."

Keine Rückendeckung

Im Oktober stehen die EM-Qualifikationsspiele gegen die Türkei und in Kasachstan auf dem Programm. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Ob der Kapitän im Ruhestand, der in Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira zwei Konkurrenten auf seiner Position hat, die bei der WM ihre Klasse bewiesen haben, bis dahin in die von Löw gewünschte Form kommt, bleibt abzuwarten.

Für Michael Ballack gilt das Leistungsprinzip genauso wie für andere Spieler. Rückendeckung hat er vom Bundestrainer keine bekommen.

Ultimatum von Löw

Im Gegenteil. Löw hat ihm ein Ultimatum gestellt.

Sollte er ihn im Oktober nicht wieder in die Nationalmannschaft berufen, wäre Ballacks Zeit im DFB-Team womöglich schon abgelaufen.

Doch wenn er mit Leistung überzeugt und sich schon gegen die Türkei oder in Kasachstan wieder ins Team spielt, wird er wieder die Binde tragen.

Dann wäre der "Capitano" zurück.

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