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Marc Wilmots spielte von 1996 bis 2000 und 2001 bis 2003 auf Schalke © getty

Vor der EM-Quali gegen Deutschland erklärt Belgiens Co-Trainer Marc Wilmots bei SPORT1 sein Team - und preist ein Talent.

Vom DFB-Team berichtetThorsten Mesch

Brüssel - Wenn das DFB-Team am Abend (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) in Belgien antritt, sitzt beim Gegner ein alter Bekannter aus der Bundesliga auf der Bank.

Seit Oktober vergangenen Jahres ist Marc Wilmots Co-Trainer der "Roten Teufel", die den deutschen Spielern im ersten Spiel der EM-Qualifikation die Hölle heiß machen wollen.

Nachdem Dick Advocaat als Nationalcoach nach Russland gewechselt war, arbeitet Wilmots nun als Assistent von Georges Leekens, der zu Wilmots' Zeit als Spieler bereits Nationalcoach war.

Im Team wollen Leekens und Wilmots die belgische Mannschaft, die zuletzt 2002 bei der WM in Japan und Südkorea, damals noch mit dem Spieler Wilmots, an einem großen Turnier teilnahmen, endlich wieder an die Spitze heranführen.

"2014 auf jeden Fall dabei sein"

"Wir haben eine Mannschaft, die sehr talentiert ist, aber aus meiner Sicht vielleicht noch zu jung", sagt der 41-Jährige. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

"Wir müssen in die Zukunft gucken. Wenn wir die EM 2012 nicht erreichen sollten - 2014 müssen wir auf jeden Fall dabei sein."

Im SPORT1-Interview erklärt Marc Wilmots, wie er dieses Vorhaben umsetzen will, was die belgische Mannschaft auszeichnet und wie sie Deutschland schlagen kann.

"Vier Monate kein Wort"

SPORT1: Herr Wilmots, Sie sind Co-Trainer des belgischen Nationalmannschaft unter Chefcoach Georges Leekens und waren es auch unter seinem Vorgänger Dick Advocaat. Wie verlief der Übergang für Sie?

Marc Wilmots: Ich hatte vier Monate Ruhe, habe kein Wort zu den Medien gesagt und habe abgewartet, wer der neue Chef sein würde. Dann kam mein alter Trainer, unter dem ich als Spieler von 1996 bis 1998 gearbeitet habe. Wir haben uns dann schnell geeinigt zusammenzuarbeiten. Georges Leekens sagt immer: "Ich bin der Coach, und Du bist der Trainer." Wir machen das gemeinsam.

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SPORT1: Die EURO 2000 im eigenen Land und den Niederlanden sowie die WM 2002 in Japan und Südkorea waren die letzten großen Turniere für Belgien. Wie groß ist die Sehnsucht, wieder im Konzert der Großen zu spielen?

Wilmots: Wir waren sehr lang nicht bei einem großen Turnier. Da ist es normal, dass Frust aufkommt. Wir sind in einer ganz schönen Qualifikationsgruppe und hoffen, dass es dieses Mal wieder klappt. Wir haben eine Mannschaft, die sehr talentiert ist, aber aus meiner Sicht vielleicht noch zu jung. Wenn wir die EM 2012 nicht erreichen sollten - 2014 müssen wir auf jeden Fall dabei sein.

SPORT1: Was unterscheidet den Trainer Leekens von seinem Vorgänger Advocaat in Sachen Persönlichkeit und Spielphilosophie?

Wilmots: Über Dick Advocaat kann ich sagen, dass sein System ein 4-3-3 war und er offensiv spielen ließ. Das ist auch meine Philosophie: nicht hinten stehen und abwarten, sondern nach vorn. Leekens hat vielleicht eine andere Philosophie, aber was zählt, ist nur der Erfolg.

SPORT1: Wer ragt von Ihren jungen Spielern heraus?

Wilmots: Romelu Lukaku (17 Jahre, Anm. d. Red.), Eden Hazard (19), Kevin de Bruyne (18) und auch die Generation, die bei der letzten U-21-EM und bei Olympia gespielt hat.

SPORT1: Lukaku gilt als große Hoffnung...

Wilmots: Das ist ein Spieler wie, ich sage - noch nicht wie Didier Drogba - , aber fast, denn sein Stil ist ähnlich: torgefährlich, kopfballstark, schnell, stark in den Zweikämpfen und ein guter Vorbereiter. Wenn du als 17-Jähriger 20 Tore für Anderlecht schießt, hast du eine schöne Zukunft vor dir. Aber er muss mit den Füßen auf den Boden bleiben und weiter an sich arbeiten.

[kaltura id="0_k3698imw" class="full_size" title="Khedira mit selbstbewussten T nen"]

SPORT1: Aber sie haben auch erfahrene Spieler, wie zum Beispiel Daniel van Buyten oder den ehemaligen Hamburger Vincent Kompany. Wer gehört noch zu den Leistungsträgern?

Wilmots: Timmy Simmons aus Nürnberg, Arsenals Thomas Vermaelen und Marouane Fellaini vom FC Everton zählen dazu.

SPORT1: Kann man Daniel van Buyten als "Kopf der Mannschaft" bezeichnen?

Wilmots: Wenn du bei Bayern in der Innenverteidigung gesetzt bist, ist es doch klar, dass das auch in der belgischen Nationalmannschaft gilt. Bei Bayern steht er vor Demichelis, das sagt genug über seine Qualität.

SPORT1: Wie beurteilen Sie das DFB-Team?

Wilmots: Deutschland hat für mich eine tolle WM gespielt. Sie haben attraktiv nach vorn und vor allem technisch stark gespielt. Matthias Sammer hat im Nachwuchsbereich überragende Arbeit geleistet, deshalb haben die U 17, U 19 und U 21 auch die Titel gewonnen. Deutschlands Fußball hat in den nächsten Jahren eine schöne Zukunft vor sich.

SPORT1: Mesut Özil und Sami Khedira spielen jetzt in Madrid, Thomas Müller war bester junger Spieler der WM. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Wilmots: Die sind alle gut. Müller war herausragend, auch Bastian Schweinsteiger ist in seiner Rolle ein sehr guter Spieler geworden. Bei Özil und Khedira ist die Frage, ob sie bei Real spielen oder nicht. Das ist eine ganz andere Welt und braucht Zeit. Aber die WM ist Geschichte, jetzt ist ein neuer Anfang.

SPORT1: Liegt dort vielleicht die Chance für Belgien?

Wilmots: Vielleicht. Aber Deutschland ist der große Favorit. Wir müssen eine gute Leistung zeigen um Selbstvertrauen zu bekommen. Das ist ein sehr wichtiges Spiel für unsere junge Generation.

SPORT1: Am Dienstag spielt Belgien in der Türkei. Wie sehen Sie die Chancen in der Gruppe?

Wilmots: Für mich sind die Türkei, Österreich und Belgien sind für mich fast auf dem gleichen Niveau. Wenn wir aus den ersten zwei Spielen zwei Punkte holen, dann sind wir zufrieden. Wir wollen bis zum letzten Spiel eine Chance auf die Qualifikation haben.

SPORT1: Verfolgen Sie, was auf Schalke passiert?

Wilmots: Natürlich, mein Blut ist immer noch ein bisschen Blau und Weiß. Mit dem Start bin ich nicht glücklich, aber ich vertraue auf Felix Magath. Er hat genug Erfahrung, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

SPORT1: Magath hatte Probleme mit den Fans. Wie schwer wiegt das?

Wilmots: Es ist immer besser, mit den Fans gut zusammenzuarbeiten. Das Herz von Schalke 04 ist die Tradition. Die Fans leben die Tradition. Und wenn du Probleme mit den Fans hast, dann hast du ein großes Problem bei Schalke.

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