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Van Buyten absolvierte sein erstes Länderspiel am 28. Februar 2001 gegen San Marino © imago

Im SPORT1-Interview wettert Daniel van Buyten über das "Scheißtor" der Deutschen und erlärt die Defizite des belgischen Teams.

Vom DFB-Team berichtetThorsten Mesch

Brüssel - So hatte sich Daniel van Buyten das Zusammentreffen mit seinen Bayern-Kollegen sicherlich nicht vorgestellt.

Fünf Klubkameraden standen van Buyten beim Qualifikationsspiel seiner Belgier gegen Deutschland in der Startelf des DFB-Teams gegenüber.

Und drei davon ließen den Innenverteidiger in der 51. Minute ganz alt aussehen. 283060(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Bastian Schweinsteiger luchste van Buyten am belgischen Strafraum den Ball ab, passte zu Thomas Müller, der Miroslav Klose zu dessen 53. Länderspieltor bediente.

"Ein Scheißtor", nennt van Buyten den Treffer zur 0:1-Niederlage und sieht in sich nicht den Alleinschuldigen. Vielmehr hätten auch die Kollegen vorher versäumt den Ball "einfach wegzuschießen".

Doch grämen will sich der Bayern-Profi vor der nächsten schweren Aufgabe nicht lange. "In der Türkei müssen wir mindestens einen Punkt holen", sagte van Buyten. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Im SPORT1-Interview spricht er über das Spiel gegen Deutschland, die Defizite der jungen belgischen Mannschaft und das Zusammentreffen mit den Vereinskameraden. 283051(DIASHOW: Das deutsche Team in der Einzelkritik)

SPORT1: Herr van Buyten, Belgien hat gut gespielt, ist aber nicht belohnt worden. Warum haben Sie verloren?

Daniel van Buyten: Wir haben die ganze Woche hart gearbeitet und wollten die Deutschen überraschen und unter Druck setzen. Wir hätten auch in Führung gehen können, aber es hat leider nicht gereicht. Deutschland ist WM-Dritter und es nicht einfach, gegen sie zu spielen. Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht, aber es waren Kleinigkeiten, bei denen wir nicht gut agiert haben.

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SPORT1: Am Siegtreffer der Deutschen waren vier Bayern-Spieler beteiligt: Sie, Schweinsteiger, Müller und Klose, der das Tor geschossen hat. Wollten Sie Ihren Vereinskollegen etwas Gutes tun?

Van Buyten (schmunzelt): Nein. Wir haben im letzten Spiel durch ein abgefälschtes Tor verloren. Jetzt haben wir durch ein Scheißtor verloren, bei dem wir den Ball besser einfach hätten wegschießen sollen. Das sind Kleinigkeiten, die von den Deutschen direkt bestraft werden.

SPORT1: Was haben Sie noch falsch gemacht?

Van Buyten: Wir haben die Innenverteidiger zu weit und zu häufig nach vorn kommen lassen. Per Mertesacker ist mehrere Male allein mit dem Ball am Fuß nach vorne gegangen, denn er hatte keinen Gegenspieler. Das war nicht die Taktik, die wir uns vorgestellt hatten. Wir wollten die Deutschen unter Druck setzen, aber das hat nicht immer funktioniert.

SPORT1: Sie haben in der Anfangsphase viel Druck gemacht und hatten Chancen, die aber nicht genutzt wurden. Lag es da teilweise auch mangelnder Erfahrung oder technischen Fehlern?

[kaltura id="0_dkiwqikn" class="full_size" title="Die Stimmen zum Spiel"]

Van Buyten: An beidem. Und wir hatten nicht immer Glück mit dem zweiten Ball. Der Ball ist nicht uns vor die Füße gesprungen, sondern den Deutschen, die so etwas sofort ausnutzen. Die Deutschen hatten ein paar Flanken und ein paar Chancen, aber die hatten wir auch. Ich denke, dass ein Unentschieden für uns ein gutes Ergebnis gewesen wäre.

SPORT1: Warum gewinnt Deutschland solche Spiele, Belgien aber nicht?

Van Buyten: Die Deutschen hatten viel Ballbesitz und haben die spielerische Qualität, den Ball gut laufen zu lassen. Irgendwann merkt man schon, dass sie einen immer mehr unter Druck setzen. Wir wollten hinten gut stehen und vorn zu Kontersituationen kommen. Die hatten wir auch, aber wir haben sie eben nicht genutzt.

SPORT1: Haben Sie vorher mit Ihren Bayern-Kollegen gewettet oder geflachst?

Van Buyten: Ich habe nicht gewettet. Die Jungs haben mir nur gesagt, dass sie mit der U 21 kommen, aber das haben sie nicht gemacht (lacht).

SPORT1: Die deutschen Spieler haben gesagt, sie seien noch nicht hundertprozentig fit und hätten sich deshalb schwer getan. Wie war es bei den Belgiern?

Van Buyten: Bei uns war es auch nicht anders. Einige waren verletzt, und wir haben gemerkt, dass wir noch nicht richtig fit sind. Ich denke aber trotzdem, dass wir ein gutes Spiel abgeliefert haben, die Deutschen ab und zu unter Druck gesetzt und in Schwierigkeiten gebracht haben.

SPORT1: Wie sieht die Zukunft des belgischen Teams aus?

Van Buyten: Wir haben eine junge Mannschaft und versuchen, uns immer mehr zu verbessern. Wir haben leider einen großen Knick gehabt (seit der WM 2002 war Belgien bei keinem großen Turnier und ist auf Platz 48 der Weltrangliste abgerutscht, Anm. d. R.), und müssen mit den jungen Spielern etwas aufbauen. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Ich denke aber, wir werden in der Qualifikation immer besser.

SPORT1: Was haben die Bayern-Kollegen nach dem Spiel zu Ihnen gesagt?

Van Buyten: Sie haben gesagt, dass sie schon gemerkt haben, dass wir sie unter Druck gesetzt haben. Und dass wir so weitermachen sollen und den anderen Mannschaften in der Gruppe Punkte abnehmen sollen.

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