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Lahm (M.) und Schweinsteiger (r.) gelten als potenzielle Nachfolger von Kapitän Ballack © imago

Angeblich will Ballack als Kapitän zurücktreten, Nachfolger soll Lahm werden. Der Wahrheitsgehalt ist aber fraglich, wie Sport1.de erfuhr.

Von Martin Volkmar

München - Der Machtkampf in der Nationalmannschaft ist um eine interessante Variante reicher.

So will die Münchner "Abendzeitung" erfahren haben, dass Michael Ballack weiter in der DFB-Auswahl spielen wird, aber sein Amt als Spielführer zur Verfügung stellt.

Zudem habe sich Bundestrainer Joachim Löw für Philipp Lahm als neuen Kapitän entschieden.

Auch wenn die Meldung für viel Wirbel sorgt: Der Wahrheitsgehalt darf stark angezweifelt werden.

Stillschweigen bis zum Friedensgipfel

Denn von beiden Seiten wurde nachdrücklich Stillschweigen bis zum klärenden Gespräch vereinbart, das in Kürze in Löws Wohnort Freiburg stattfinden wird.

Dementsprechend waren weder Ballack noch der Bundestrainer auf Anfrage von Sport1.de zu einer Stellungsnahme bereit.

"Es wird überall spekuliert und ich kann nicht zu allen Berichten etwas sagen", meinte Löw.

Ein Dementi hört sich zwar anders an, doch nach Informationen von Sport1.de gibt es derzeit keinen konkreten "Plan B".

Auch DFB-Mediendirektor Harald Stenger versicherte glaubhaft: "Erst einmal führt der Bundestrainer das Gespräch mit Michael Ballack, und danach gibt es weitere Stellungnahmen."

Erst danach eine Entscheidung

Diese Marschroute untermauerte Theo Zwanziger. Ob Ballack in der Nationalelf bleibe oder als Kapitän abgesetzt werde, "ist abhängig vom Gespräch mit dem Bundestrainer. Danach wird Joachim Löw eine Entscheidung treffen", sagte der Verbandsboss dem Bonner "General Anzeiger".

Dass die "Abendzeitung" nun schon vorher erfahren haben will, dass Ballack die Binde zurückgibt, ist nicht nur deshalb fragwürdig. Denn nach einem Zerwürfnis zu seiner Bayern-Zeit hat der 32-Jährige jegliche Zusammenarbeit mit dem Blatt aufgekündigt.

Und auch von Löw wird die Information fast sicher nicht gekommen sein. Ansonsten aber weiß keiner, welches Ergebnis das Gespräch der beiden Streithähne bringen wird.

Bayern-Trio als Kapitäns-Kandidaten

Gleichwohl ist somit natürlich weiter möglich, dass es einen neuen Kapitän geben wird. Und da hätte Lahm aufgrund seiner spielerischen Klasse, seines professionellen Auftretens und seiner Erfahrung von 52 Länderspielen und vier Turnieren sicher gute Chancen.

Doch bei seiner Verletzungspause nach der EM wurde Ballack in drei Begegnungen erfolgreich von zwei anderen Routiniers vertreten, die auch häufiger als Lahm dabei waren: Miroslav Klose (86 Länderspiele seit 2001) und Bastian Schweinsteiger (61).

Nur dieses Trio kommt für die Ballack-Nachfolge in Frage.

"Binde wegnehmen wäre weder Fisch noch Fleisch"

Es ist allerdings kaum denkbar, dass sich Ballack wieder ins zweite Glied einordnet. Wahrscheinlicher ist der Rauswurf oder ein mehr oder weniger freiwilliger Rücktritt.

So sieht es auch Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus. "Die Binde wegnehmen wäre weder Fisch noch Fleisch. Entweder steht man zu einem Spieler - oder eben nicht", sagte er der "Bild".

Ansonsten sagte der Coach von Maccabi Nethanya wenig Neues - wie fast alle Experten stellte sich Matthäus voll und ganz hinter Löw:

"Was da passiert ist, war absolut der falsche Weg. Das hat es noch nie gegeben. So reagiert man eigentlich nur, wenn man sieht, dass die eigene Position gefährdet ist."

"Ballack hat den Verhaltenskodex verletzt"

Wesentlich wichtiger als die warmen Worte von Matthäus und Co. dürfte Löw allerdings die massive Rückendeckung von Zwanziger sein, der dem Bundestrainer erneut hundertprozentige Unterstützung zusagte:

"Es geht darum, dass der Kapitän den Verhaltenskodex verletzt hat. Das muss ausgeräumt werden, und ich hoffe, dass es sich ausräumen lässt. Dieser Kodex ist in der Kreisklasse ebenso wichtig wie in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft."

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