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Rolfes (l.) und Ballack besiegten im Testspiel mit Leverkusen Schalke mit 4:0 © getty

Ballack und Rolfes standen wieder zusammen auf dem Platz. Bald könnten sie wieder Konkurrenten für Sami Khedira im DFB-Team werden.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Köln - Als Bundestrainer Joachim Löw am vergangenen Mittwoch seine Entscheidung in der Kapitänsfrage verkündete, war Sami Khedira sehr zufrieden.

"Es ist die perfekte Lösung, dass das Leistungsprinzip Priorität hat", sagte Khedira.

Bei der Weltmeisterschaft hatte Khedira den verletzten Ballack ersetzt und sich mit herausragenden Leistungen für weitere große Aufgaben empfohlen.

Nun werde er "alles dafür tun, dass der Trainer nicht an mir vorbeikommt", versprach der 23-Jährige vor dem 1:0-Sieg in Belgien.283060(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Dabei gehörte Khedira allerdings zu den schwächeren Spielern. Der Neu-Madrilene leistete sich viele Fehler, wirkte in einigen Situationen unkonzentriert und hektisch.

"Wir haben in der Rückwärtsbewegung die Vorgaben nicht erfüllt, haben die Räume im Mittelfeld nicht geschlossen", analysierte der Ex-Stuttgarter.

Khedira strahlte keine Ruhe und Dominanz aus, mit der man einen Gegner wie Belgien kontrollieren und dominieren kann.

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Ballack noch nicht in alter Form

Diese Aufgabe übernahm in Brüssel allein Bastian Schweinsteiger. Und dies ist auch eine Stärke von Michael Ballack.

Während Khedira mit der DFB-Auswahl um Punkte in der EM-Qualifikation kämpfte, lief der Kapitän im Wartestand am Freitagnachmittag mit Bayer Leverkusen Testspiel im Wuppertaler Stadion am Zoo auf.

Beim 4:0-Sieg über Schalke 04 spielte Ballack 90 Minuten durch, gab Kommandos und zeigte sich gegenüber dem 3:6 in der Bundesliga gegen Mönchengladbach leicht verbessert.

Bis zu alter Stärke fehlte dem 33-Jährigen jedoch noch einiges.(DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Rückkehr "seriös gar nicht einzuschätzen"

"Wir haben gesehen, dass er noch nicht die Fitness hat, die er braucht, um auf hohem Niveau, auf seinem Niveau spielen zu können", sagte Leverkusens Trainer Jupp Heynckes der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

[kaltura id="0_1tk0l3cm" class="full_size" title="Volle Konzentration auf Aserbaidschan"]

Es sei "seriös gar nicht einzuschätzen", wann Ballack Verstärkung werde, sagte Heynckes und betonte: "Er muss erst einmal versuchen, seine Fitness zu finden, dann werden wir weitersehen."

Löw hatte angekündigt, Ballacks Entwicklung bis zu den beiden EM-Qualifikationsspielen im Oktober gegen die Türkei und in Kasachstan weiter genau beobachten zu wollen.

Löw glaubt an die Rückkehr des "Capitanos"

Während nach der Entscheidung in der "K-Frage" einige Fachleute in Zweifel gestellt hatten, ob Ballack jemals wieder ins DFB-Team zurückkehren würde, glaubt der Bundestrainer weiter fest an ein Nationalmannschafts-Comeback des "Capitano".

Und sieht ihn mit Blick auf die EM 2012 in Polen und der Ukraine als wichtigen Bestandteil des Teams.

"Ich möchte die Mannschaft jetzt weiterentwickeln - und zwar sehr gern mit Michael. Das ist so geplant", sagte Löw der "Bild am Sonntag".

Allerdings müsse Ballack seine Fitness und seine Form wieder erreichen, betonte der Bundestrainer.

"Das traue ich ihm zu, denn er hat weiterhin großes Potenzial. Michael ist ehrgeizig, er stellt sich dem Konkurrenzkampf und damit dem Leistungsprinzip."

"War klar, dass er nicht aufhört"

Sami Khedira weiß, dass Ballack ihm den Platz im Mittelfeld nicht kampflos überlassen wird. Sonst wäre Ballack längst zurückgetreten.

"Es war ja klar, dass er nicht aufhört. Er hat viel für Deutschland getan in seinen fast 100 Länderspielen", erklärte Löw. Zwei fehlen Ballack noch zur runden Zahl, und er will sie bestimmt lieber in der EM-Quali als in Freundschaftsspielen erreichen.

Ob Ballack gegen die Türkei und in Kasachstan wieder dabei sein wird, lässt Löw weiter offen.

"Das muss man in der Situation entscheiden", sagte der Bundestrainer diplomatisch. "Es sind ja noch vier Wochen bis zum nächsten Doppel-Länderspieltag."

Khedira: "Muss mich nicht verstecken"

Gegen Aserbaidschan am Dienstag in Köln (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) muss sich Khedira wieder steigern, um seinen härtesten Konkurrenten auf Distanz zu halten.

Nach außen hin gibt sich der Real-Profi gelassen und fordert, Ballack und ihn nach gleichen Maßstäben zu bewerten.

"Michael Ballack hat in seiner Karriere sehr viel geleistet für den deutschen Fußball. Aber bei allem Respekt vor ihm: Das darf jetzt keine Rolle mehr spielen. Ich weiß, dass ich mich nicht verstecken muss und in der Nationalelf meinen eigenen Stil mit Erfolg einbringen kann", sagte Khedira.

An seinem Stil kann er noch arbeiten, er ist erst 23 und wird sich immer mehr Routine aneignen und dann auch die nötige Ruhe und Dominanz auf dem Platz ausstrahlen.283051(DIASHOW: Das deutsche Team in der Einzelkritik)

Noch hat Khedira einen Vorsprung, aber Ballack und Rolfes arbeiten an ihren Comebacks und daran, ein eingespieltes Duo zu sein.

In Leverkusen, und vielleicht schon bald wieder in der Nationalmannschaft.

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