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Berti Vogts wurde als Spieler 1974 Welt- und als Trainer 1996 Europameister © imago

Berti Vogts schwärmt von der deutschen Mannschaft in den höchsten Tönen. Seinem Team Aserbaidschan traut er keine Überraschung zu.

Köln - Berti Vogts würde sich in Aserbaidschan so richtig pudelwohl fühlen - wenn da nicht ein entscheidendes Problem wäre.

"Die Küche ist gut, das Bier ist gut, die Hauptstadt Baku ein Traum. Nur der Fußball hinkt hinterher", berichtete der frühere Bundestrainer und heutige Nationaltrainer des Landes am Kaspischen Meer etwas frustriert.

Am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) kommt es in Köln zum Wiedersehen mit der DFB-Auswahl.(DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Mehr als zwei Jahre nach seinem Amtsantritt sieht sich der Weltmeister von 1974 immer noch als Entwicklungshelfer.

"Wie sollen wir uns da verbessern?"

Er muss an vielen Baustellen arbeiten - der Fastenmonat Ramadan ("Die Spieler essen erst seit ein paar Tagen wieder vernünftig") ist da noch die kleinste.

"Es gibt bei uns gravierende Unterschiede zu den Top-Nationen, besonders in der Nachwuchs- und Vereinsarbeit. Die Spieler kommen mit riesigem Fitness-Rückstand zur Nationalelf. Und in der kurzen Zeit vor dem Spiel kann ich nichts daran ändern", sagt Vogts und resigniert ein wenig.

"Wie sollen wir uns da verbessern?"

Vogts hat nicht nur Freunde in Aserbaidschan

Klare Worte, mit denen sich Vogts, der schon als Bundestrainer oft auf Kriegsfuß mit der Journalisten-Zunft ("Wenn ich übers Wasser laufe, sagen sie: Nicht einmal schwimmen kann er") stand, in Aserbaidschan nicht nur Freunde macht.

Den örtlichen Medien gilt der spröde Rheinländer als eigensinnig und stur. Auch die Ergebnisse sprechen nicht unbedingt für Vogts.

In der Qualifikation zur WM 2010 gab es einen einzigen Sieg in zehn Spielen - beim Fußball-Zwerg Liechtenstein, der im Hinspiel in Baku ein 0:0 erkämpft hatte.

[kaltura id="0_1tk0l3cm" class="full_size" title="Volle Konzentration auf Aserbaidschan"]

Viel Sympathie für DFB-Elf

Die deutsche Nationalmannschaft liegt Vogts immer noch am Herzen - auch zwölf Jahre nach seinem Aus als Bundestrainer. "Sie ist fußballerisch die beste der Welt", sagt der 63-Jährige.

Dabei leuchten seine Augen wie die eines Vaters, der über die Karrieresprünge seines längst flügge gewordenen Sohnes erzählt: "Es macht mir einfach Freude, dieses junge Team spielen zu sehen. Es hat eine große Zukunft."

Am Dienstag kommt es zum Wiedersehen in der EM-Qualifikation. Viele haben es vergessen: Mit dem EM-Triumph 1996 bescherte Vogts Fußball-Deutschland den bislang letzten Titel.

Keine Hoffnung auf eine Überraschung

Die strahlende Popularität seiner Vorgänger (Franz Beckenbauer) oder Nachfolger (Rudi Völler, Jürgen Klinsmann) blieb dem gelernten Werkzeugmacher aus dem rheinischen Büttgen allerdings verwehrt.

Sein Trainerleben seither: Ein ewiger Kampf um Anerkennung. Zum fünften Mal trifft der 96-malige Nationalspieler nun bereits als Nationaltrainer auf Deutschland.

Die Bilanz: Zwei enge Duelle als Schottlands Coach in der EM-Qualifikation 2004 (1:1, 1:2), zwei Niederlagen mit Aserbaidschan in der Ausscheidung für die WM in Südafrika (0:4, 0:2).

Dass es nun mit dem ersten Sieg klappen könnte, glaubt Vogts nicht: "Es wird keine Überraschung geben. Im Fußball ist zwar vieles möglich, nicht aber, dass wir bei der momentan besten Mannschaft der Welt einen Punkt holen oder gar gewinnen."

"Bei uns zu Hause in Baku hätten wir vielleicht eine kleine Chance. In Köln, beim ersten deutschen Auftritt nach der begeisternden WM, werden wir dem Druck nicht über 90 Minuten standhalten können", sagte Vogts weiter.

"Eine kleine Chance" 2016?

Die Zukunftsaussichten, die Vogts öffentlich vermittelt, klingen alles andere als rosig:

"Vielleicht können wir in vier bis sechs Jahren den Anschluss an das europäische Mittelmaß schaffen. Wenn 2016 24 Teams an der EM-Endrunde teilnehmen, haben wir vielleicht eine kleine Chance auf ein Ticket - vorausgesetzt, wir erwischen eine wirklich leichte Gruppe."

Vogts träumt von der Premier League

Ob dies noch unter dem Trainer Vogts der Fall sein wird, lässt er offen. "Im Moment kann ich sagen, dass es mir in Aserbaidschan gut gefällt und ich eine große Bereitschaft habe, dort zu arbeiten.

Und doch träumt der "Terrier" noch von der Rückkehr auf die große Fußballbühne, die Premier League reizt Vogts, dessen Karriere als Vereinstrainer sich auf ein halbes Jahr bei Bayer Leverkusen (2000/01) beschränkte:

"Natürlich habe ich noch Träume. Wer nicht mehr träumt, ist tot."

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