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Uli Stein absolvierte in seiner Torwart-Karriere sechs Länderspiele für Deutschland © getty

Im Interview spricht Torwarttrainer Uli Stein über den Unterschied zwischen deutschen und aserbaidschanischen Spielern.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Köln - Es war vor fast genau einem Jahr, am 9. September 2009, als Deutschland zum letzten Mal gegen Aserbaidschan spielte.

Die DFB-Auswahl gewann in Hannover 4:0, nachdem sie das Hinspiel in Baku vier Wochen zuvor 2:0 für sich entscheiden hatte. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Trainer war damals schon Berti Vogts, Uli Stein sein Torwarttrainer - wie schon zuvor in Nigeria.

Vor dem Wiedersehen mit Deutschland in der EM-Qualifikation (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Uli Stein Im SPORT1-Interview über den Stellenwert des Fußballs in Aserbaidschan, die Entwicklung in den letzten zwei Jahren, die Arbeit mit den Spielern und den Vergleich zur deutschen Mannschaft.

SPORT1: Herr Stein, zuerst: Was macht Ihr Knie?

Uli Stein: Ich habe vor ein paar Wochen eine Prothese bekommen. Es geht mir aber den Umständen entsprechend gut. Beim Torwarttraining kann ich nicht selbst schießen, aber ich habe einen Assistenten, der das für mich macht. Ich leite die Übungen und gebe die Anweisungen.

SPORT1: Was ist seit den letzten beiden Aufeinandertreffen mit Deutschland in Aserbaidschans Nationalteam passiert?

Stein: Seit der WM-Qualifikation hat sich einiges getan. Wir haben viele neue Spieler integriert, die Mannschaft hat ein neues Gesicht. Von den Spielern, die vor zwei Jahren in Hannover dabei waren, stehen nur noch drei oder vier im Kader.

SPORT1: Wie schnell verläuft die Entwicklung?

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Stein: Wir haben zuletzt einige achtbare Resultate erzielt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Entwicklung stattgefunden hat. Einen riesigen Schritt konnten wir allerdings nicht vollziehen. Die Entwicklung ist positiv, aber alles geht viel langsamer als zum Beispiel in Deutschland. Bei uns geht alles step by step. In Deutschland hat die Entwicklung in den letzten zwei Jahren noch viel schneller stattgefunden als in Aserbaidschan.

SPORT1: Mit Winfried Schäfer arbeitet ein erfahrener Trainer bei einem Verein in Aserbaidschan. Auch der ehemalige englische Nationalspieler Tony Adams ist Coach. Kann der Fußball in Aserbaidschan von diesen erfahrenen Leuten profitieren?

Stein: Man muss abwarten, wie sich der Vereinsfußball entwickelt. Die Saison hat ja gerade erst wieder begonnen. Die ganze Liga muss umdenken und mitziehen. Das Training, die Intensität und die Qualität müssen besser werden.

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SPORT1: Was hat sich in der Entwicklung der Infrastruktur getan?

Stein: Da hat sich nicht viel getan. In den Schulen, im Jugendbereich passiert etwas, aber Fußball ist nicht die Sportart Nummer eins im Land, sondern wird als Stiefkind behandelt. Ringen, Schach und Gewichtheben stehen in Aserbaidschan klar vor dem Fußball.

SPORT1: Was sind die Probleme in der Arbeit mit den Spielern in Aserbaidschan und wie lange wird es dauern, bis sie auf dem Niveau andere Nationen sind?

Stein: Es wird Jahre dauern, bis der Fußball es mit diesen Sportarten aufnehmen kann und bis der Standard anderer Länder erreicht ist. Wenn Spieler aus Aserbaidschan regenerieren sollen, dann liegen sie am Pool und machen gar nichts. Wenn sie aus dem Trainingslager kommen, ist das so, als wenn die Deutschen aus dem Urlaub kommen.

SPORT1: Ist es eventuell ein Vorteil, ausgeruht ins erste Spiel gegen Deutschland gehen zu können?

Stein: Wir haben bei weitem nicht den Fitnessstand der Deutschen. Deshalb versuchen wir, die Spieler jedes Mal für zwei Wochen zusammenzuholen. Wir fangen bei Null an. Deshalb ist es sicher kein Vorteil für uns, das erste Spiel gegen Deutschland zu bestreiten.

SPORT1: Berti Vogts hat sinngemäß beklagt, die Spieler seien nicht fit, weil sie fasten müssten. Ist der Ramadan wirklich ein Problem?

Stein: Zum Glück wurde ja ein Gesetz erlassen, dass es Leistungssportlern erlaubt, während einer Wettkampfphase mit dem Fasten auszusetzen. Sie können das dann später nachholen.

SPORT1: Mit welchem Ziel gehen Sie ins Spiel?

Stein: Wenn wir das 0:2 aus dem ersten Spiel der WM-Quali wiederholen könnten, wären wir hochzufrieden. Das sind wir uns einig. Deutschland ist heute nämlich wesentlich stärker.

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